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US-Umweltschützer gegen Schweizer Projekt

Touristenparadies Danby in Vermont. Peter Miller

Der Schweizer Bergbau-Multi Omya möchte im amerikanischen Bundesstaat Vermont eine Kalziumkarbonat-Mine eröffnen. Gegen das Vorhaben regt sich erbitterter Widerstand.

Die Gegner des Projekts warnen vor einer Verschandelung der Natur. Ein erster Vorstoss des Konzerns erlitt bereits Schiffbruch.

Das Kalziumkarbonat, das Omya abbauen möchte, liegt im Boden eines über 9 Hektaren grossen Hügelgeländes oberhalb der Ortschaft Danby, im Nordosten der Vereinigten Staaten.

Das Naturgelände wirkt so idyllisch, dass es auf der für Touristen bestimmten Webseite des Staates abgebildet ist. Vermont gilt als einer der landschaftlich reizvollsten US-Staaten.

Widerstand der Umweltschützer

Die Opposition gegen den geplanten Kalziumkarbonat-Abbau im 1200-Seelen-Ort Danby ist zwar nicht einhellig. Aber die Gegnerschaft ist gross, sie lehnt das Projekt aus ökologischen und ästhetischen Gründen ab.

Für Annette Smith, Umweltschützerin und führende Gegnerin der Omya-Pläne, wäre das Projekt «schlicht eine Sünde». Es würde eine einzigartig schöne Gegend verschandeln und Umweltprobleme schaffen, argumentiert sie. Dazu gehöre die Gefährdung eines nahe gelegenen Moors.

Bedenken hat Smith auch bezüglich des immensen Wasserverbrauchs, den ein Bergwerk nach sich ziehen würde.

Getöse, Staub und Verkehr

Die Gegner warnen überdies, die vielen Omya-Lastwagen auf den schmalen, gewundenen Strassen würden die lokale Bevölkerung gefährden. Sie beklagen sich auch über die zunehmende Wertverminderung der Liegenschaften neben dem Omya-Gelände. Denn ein Abbau der Kalziumkarbonatvorkommen würde viel Lärm, Staub und Verkehr mit sich bringen.

«Das Vorhaben ist weder praktisch noch realistisch», kritisiert Smith, «und ich kann mir hier oben kein Projekt vorstellen, das ästhetisch nicht abstossend wäre».

Unterstützung durch die Wirtschaft

Unterstützung erhält das geplante Bergwerk von Teilen der Bevölkerung und der regionalen Wirtschaftsförderung. Diese verweist auf die Hochlohn-Arbeitsplätze, die Omya in Danby schaffen würde und darauf, dass die Schweizer Firma in Vermont bereits mehr als 55 Mio. Dollar pro Jahr an die Wirtschaft des Staates beisteuere.

Vor zwei Jahren lehnte die regionale Planungsbehörde den von Omya eingereichten Plan zum Abbau der Vorkommen bei Danby aus Gründen des Umweltschutzes ab.

Wenn der Schweizer Konzern jetzt doch noch eine Bewilligung erlangen wolle, müsse er verschiedene Auflagen erfüllen, entschied die zuständige Behörde.

Daran arbeite seine Firma jetzt, sagt Jim Reddy, Präsident von Omya-USA. Er sei zuversichtlich, dass sich eine annehmbare Lösung finden lasse.

«Umweltfreundliches Kalziumkarbonat»

Ausserdem, so Reddy, sei Kalziumkarbonat «ein umweltfreundliches Produkt», das immer mehr als Ersatz für schädlichere Produkte verwendet werde. Zum Einsatz kommt es als Zusatz in Lebensmitteln und als Streck- und Füllmittel bei der Produktion von Farbstoff, Papier, Plastik und Pharmazeutika.

Vor allem, so Reddy, werde das Mineral zunehmend für die Papierherstellung gebraucht und ersetze die vorher verwendeten Holzfasern. Das verschone nach einer Schätzung des Wall Street Journal weltweit etliche Millionen Bäume. Die globale Nachfrage nach Kalziumkarbonat sei in den letzten zehn Jahren von 20 auf 27 Mio. Tonnen gestiegen.

Ein Aargauer Familienunternehmen

Omya ist kein Neuling in Vermont: Der Schweizer Multi betreibt dort auch andere Kalziumkarbonat-Anlagen. Omya ist der grösste Kalziumkarbonat-Hersteller der Welt und hat Betriebe in mehreren Ländern.

Die 118 Jahre alte Firma, die von der Familie Schachenmann im aargauischen Oftringen kontrolliert wird, erwirtschaftete letztes Jahr einen Umsatz von 2,5 Mrd. Dollar und beschäftigte weltweit 5500 Arbeitskräfte.

swissinfo und Agenturen

Omya will in Danby, Vermont, ein Bergwerk eröffnen.

Das Vorhaben stösst auf Widerstand aus ökologischen und ästhetischen Gründen.

Das geplante Bergwerk soll der Herstellung von Papier dienen.

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