Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Gestern Abend sass ich auf einem Feld an einem Hügel und war eine der tausenden Hobbyastronominnen und -astronomen, welche die Sonnenfinsternis beobachteten. Haben Sie das Phänomen auch beobachtet? Wo waren Sie?
Das vertrocknete Gras, das mich am Hintern pikste, erinnerte mich daran, wie sehr die Natur unter der Hitzewelle leidet. Dennoch verzichtet der Bundesrat in der Schweiz vorerst darauf, den Notstand auszurufen.
Ich wünsche Ihnen eine gute Lektüre
Tausende stürmten die Aussichtspunkte der Schweiz, um am Mittwochabend das Himmelspektakel zu sehen. Mancherorts kam es dadurch zu kleinen Verkehrsstaus.
Mit Spezialbrillen, selbstgebastelten Hilfsmitteln oder Schweissergläsern ausgerüstet, erlebten die Schweizerinnen und Schweizer einen «doppelten» Sonnenuntergang: Die Sonne verschwand fast ganz hinter dem Mond und anschliessend am Horizont. Die maximale Bedeckung wurde gegen 20:20 Uhr erreicht.
Wie bei einem Sportereignis brachte das astronomische Phänomen Menschen aus allen Schichten zusammen. Gut vorbereitet hatten sie Picknickdecken, Kühlboxen, Chips und Campingstühle dabei.
Einmal mehr waren die Bedingungen zur Beobachtung der Sonnenfinsternis in weiten Teilen der Schweiz optimal – zur grossen Freude der Fotografinnen und Fotografen. Beim Höhepunkt brach an verschiedenen Orten sogar Applaus aus.
Einzel oder Doppel? Es geht nicht um ein Tennisspiel, sondern um die Abstimmung über das Paket der Abkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union.
Für den Bundesrat muss dieses Paket im Fall einer Volksabstimmung via fakultatives Referendum dem einfachen Volksmehr unterstellt werden. Seiner Ansicht nach entspricht diese Methode der Praxis, die bei den Bilateralen I und II angewandt wurde. Aus demokratischer Sicht stelle sie «die am besten geeignete Lösung dar».
Im Gegensatz dazu fordert die im Jahr 2024 lancierte «Kompass-Initiative», dass das Abkommen dem Volks- und Ständemehr unterworfen wird. Das Komitee will internationale Verträge, welche die Übernahme wichtiger rechtsetzender Bestimmungen vorsehen, dem Volks- und Ständemehr unterstellen.
Da er die Initiative als Bedrohung für die Glaubwürdigkeit der Schweiz in der Aussenpolitik sowie für ihren Wirtschaftsstandort betrachtet, hat der Bundesrat die Vorlage am Donnerstag abgelehnt, ohne einen Gegenvorschlag vorzulegen. Bereits am Mittwoch hatte er seinen Widerstand gegen ein Kommissionsanliegen geäussert, das eine Abstimmung mit dem Volks- und Ständemehr verlangte.
Ein Ja bei der Abstimmung über die Bilateralen III zu erringen, wäre wesentlich schwieriger, wenn das Ständemehr erforderlich wäre, da die eher konservativen kleinen Kantone dazu tendieren, bei Fragen der europäischen Integration mit Nein zu stimmen. Laut einigen Politologinnen und Politologen wäre ein Volksmehr von rund 55% nötig, um ein sicheres Ständemehr zu erreichen.
In der ersten Sitzung nach den Sommerferien entschied der Bundesrat, angesichts der Trockenheit im Land nicht in den Krisenmodus zu wechseln. Die Lage könne vorerst mit den ordentlichen Strukturen bewältigt werden.
An der wöchentlichen Pressekonferenz wies Umweltminister Albert Rösti am Mittwoch die Kritik zurück, die Regierung erkenne keinen Handlungsbedarf. Er ist der Ansicht, dass die notwendigen Massnahmen, die auf früheren Erfahrungen basieren, bereits getroffen wurden: «Derzeit besteht keine Dringlichkeit, zusätzliche Massnahmen zu ergreifen.»
Die Wasser- und Energieversorgung sei aktuell gesichert, so der Bundesrat. Er reagierte auch auf die Unzufriedenheit der Landwirtschaft und wies auf die von seinem für die Wirtschaft zuständigen Kollegen Guy Parmelin angekündigten Massnahmen hin und erwähnte dabei besonders die Senkung des Zollansatzes auf Futtermittel.
Da der Bundesrat nicht handelt, obliegt es den Kantonen, die notwendigen Massnahmen zu ergreifen, um den Folgen der extremen Wetterbedingungen zu begegnen.
Die Hitzewelle des Sommers 2026 hat verheerende Folgen für die Schweizer Gletscher. So ist beispielsweise der Bella-Tola-Gletscher im Wallis komplett verschwunden und die Station Flims-Laax-Falera in Graubünden musste aufgrund der Gletscherschmelze einen Sessellift demontieren.
«Das aussergewöhnliche Jahr, das wir uns ab Ende Mai vorgestellt hatten, ist tatsächlich eingetreten, denn der Schnee schmolz extrem schnell, das Eis kam ans Tageslicht und die Hitzewellen folgten aufeinander. Das sind quasi die schlimmsten Bedingungen für die Gletscherschmelze», sagte der Gletscherforscher Robert Bolognesi dem Nouvelliste.
Der bereits 2021 als einer der sechs von der Auflösung bedrohten Schweizer Gletscher eingestufte Bella-Tola-Gletscher ist nun komplett verschwunden. Selbst Riesengletscher wie der Aletschgletscher schmelzen in einem beunruhigenden Tempo. Die Bilanz der Gletscherschmelze 2026 wird Ende September erstellt.
Im Kanton Graubünden müssen die Gemeinden Flims, Laax und Falera, die das Skigebiet gerade erst übernommen haben, bereits einer Bergbahn Lebewohl sagen. Aufgrund des starken Gletscherrückgangs müssen die Masten, mit denen die Bahn verankert war, abgebaut werden. Laut der Betreibergesellschaft der Infrastrukturen des Skigebiets soll es sich jedoch nur um einen «provisorischen Rückbau» handeln.
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