"Nichts Geringeres als eine Sensation"

"Die Juwelen des Schweizer Fussballverbandes besiegten im WM-Final Gastgeber, Titelverteidiger und Topfavorit Nigeria" swissinfo.ch

Die Schweizer Presse ist begeistert vom Erfolg der U-17-Mannschaft. Es sei ein gutes Zeichen für die Zukunft des Schweizer Fussballs. Allerdings wird auch davor gewarnt, zuviel zu erwarten, "denn Siebzehnjährige stehen erst am Anfang."

Dieser Inhalt wurde am 16. November 2009 - 08:55 publiziert

"Es ist der erste Weltmeistertitel für die Schweiz", schreibt der Zürcher Tages-Anzeiger. Unwirklich und skurril und absurd sei dies. Dass es sich um die WM-Stufe U-17 handle, ändere nichts daran, dass dies einer der grössten und prestigeträchtigsten Erfolge einer Schweizer Mannschaft in der Fussballgeschichte sei, kommentiert der Tages-Anzeiger. Und es sei: "Nichts Geringeres als eine Sensation."

Der Matchbericht liest sich allerdings etwas nüchterner: Die Nigerianer seien wie ein Schwarm Moskitos über die Schweizer hergefallen, man habe in der Startphase gleich Angst haben müssen. Und auch in der zweiten Halbzeit hätten die Nigerianer viel mehr Spielanteile gehabt. Was das Tor oder eben das Nicht-Tor der Nigerianer betrifft, schreibt der Tages-Anzeiger von "Glück".

Werden alle für die Schweiz spielen?

"Goldjubel" titelt der Blick. Er sei sich schon in der Pause sicher gewesen, dass sein Team hier gewinnen könne, zitiert das Boulevardblatt den Trainer der Mannschaft, Dany Ryser.

Der Blick orakelt, "gewisse nigerianische Zeitungen werden den Schweizer Titel Sepp Blatter zuschreiben." Diese Verschwörungstheorie geistere seit Tagen durch die Presse.

Neben dem aktuellen Jubel beschäftigt den Blick, ob die "U-17 Secondos" für die Schweizer Nationalmannschaft spielen werden. Bei jedem einzelnen habe der Sonntagsblick nachgefragt. Alle hätten "Ja" gesagt.

Es sei fast unwahrscheinlich, dass dass sich diese Dominanz auf das Niveau der A-Equipe übertragen lasse, schreibt der Neuenburger L'Express. "Aber trotzdem ist es wahrscheinlich, dass dem Schweizer Fussball noch sehr schöne Jahre bevorstehen."

"Das unerträgliche Geschrei des TV-Kommentators"

Ein riesiger Coup sei der U-17 Auswahl des Schweizerischen Fussballverbandes geglückt, schreibt die NZZ. Nigeria habe auf dieser Altersstufe seit 6 Jahren nicht mehr verloren. Doch die Schweiz sei deshalb noch lange keine internationale Fussballmacht. Sie habe erstmals in der 115-jährigen Geschichte des Fussballverbandes einen Titel gewonnen.

Für die NZZ ist Benjamin Siegrist, der Goalie, der Held. Schon im Viertelfinal habe er mit seinem gehaltenen Penalty die Schweiz gerettet, und "der Final war sein Meisterstück".

Die NZZ warnt davor, die U-17 Mannschaft nun zu überschätzen. "Siebzehnjährige stehen – in jeder Beziehung - erst am Anfang." Der Weltmeistertitel werde die jungen Spieler auch belasten."Wer beispielsweise das unerträgliche Geschrei des TV-Kommentators über sich ergehen lassen musste, hat davon bereits einen bitteren Vorgeschmack erhalten", schliesst die NZZ.

"Pinoccio, als er die Katze und den Fuchs trifft"

Der Corriere del Ticino ist sich bewusst, dass für die jungen Männer die Schwierigkeiten erst beginnen. Nun würden sie Offerten von einer "skrupellosen" Welt erhalten, die "bevölkert ist von Leuten, die krank sind vor lauter Geldgier."

Es brauche nun den Fussballverband und all jene, die den jungen Spielern gut gesinnt seien, um zu verhindern, dass sie endeten wie "Pinoccio, als er die Katze und den Fuchs trifft." In dieser Geschichte nämlich lässt sich Pinoccio verführen, die Ausbildung zu vernachlässigen.

"Es ist an den Älteren, sich von der Heldentat inspirieren zu lassen"

Le Matin, das welsche Boulevardblatt, schreibt, es sei ein historischer Moment gewesen, als der Walliser Sepp Blatter, der Präsident der Fifa, den Siegern den Pokal übergab. Es seien weder Brasilianer, noch Italiener, noch Deutsche, noch Argentinier gewesen, "es sind Schweizer", kommentiert Le Matin euphorisch.

Dies sei ein Triumpf für die multikulturelle Schweiz. Es sei nun an den Älteren der A-Equipe, sich von der Heldentat der Junioren inspirieren zu lassen, 2010 in Südafrika.

"Sternstunde im Schweizer Fussball"

Eine rosige Zukunft für den Schweizer Fussball sieht der Kommentator der Berner Zeitung. Wenn auch nur drei der jetzigen Fussballweltmeister den Sprung in die A-Auswahl schaffen würden, wäre dies eine sehr gute Quote.

Was die BZ besonders freut, ist dass im jetzigen U-17–Team nicht nur Defensivakteure, sondern auch offensive Mittelfeldspieler zu finden seien und vor allem: "die herausragenden Angreifer Nassim Ben Khalifa und Haris Seferovic. Die Schweizer Sturmsorgen dürften der Vergangenheit angehören."

Der Matchbericht jedoch hält fest, dass die jungen Schweizer das Spiel auch hätten verlieren können: "Zweimal beanspruchten die Schweizer den ultimativen Glücksmoment".

Eveline Kobler, swissinfo.ch und Agenturen

Die Titanen

Die Spieler der Schweizer Nachwuchs-Nationalmannschaften wurden wegen ihrer grossen internationalen Erfolge zwischen 2002 und 2004 Titanen genannt.

2002 wurden sie U-17-Europameister.

Im selben Jahr erreichte die U-21 bei der EM den Halbfinal.

2004 kam die U-19-Nati bei der EM in den Halbfinal.

2005 schaffte die U-20-Auswahl die WM-Teilnahme.

2009 schaffte die U17 an der WM wie an der EM die Halbfinalqualifikation.

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Heikler Weg vom Talent zum Profi

Bei den U-17 sind die jungen Schweizer Fussballer Spitze.

Auf U-19-Stufe spielen dann "Schweizer Gymnasiasten gegen ausländische Profis", sagt Hansruedi Hasler.

Damit auch die 18- und 19-Jährigen zu den besten gehören, sollen sie laut Konzept von Hansruedi Hasler zwei Jahre voll auf die Karte Spitzensport setzen können.

Dabei werden sie so begleitet, dass sie möglichst nicht Gefahr laufen, im Falle des sportlichen Scheiterns auch privat den Boden unter den Füssen zu verlieren.

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