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Schritt halten mit dem Bevölkerungsboom

Der Zürcher Prime Tower - Vorbild für zukünftiges Städtebauen?

(Keystone)

Im Jahr 2035 werden in der Schweiz voraussichtlich eine Million Menschen mehr leben als heute. Alle werden sich einen hohen Lebensstandard, eine bezahlbare Wohnung und gute Verkehrsverbindungen wünschen.

Eidgenössische und kantonale Behörden suchen nach neuen Strategien, um den Bedürfnissen der stetig ansteigenden Zahl von Einwohnern Herr zu werden, die auf einer wachsenden Zahl ausländischer Arbeitnehmenden fusst. Problemfelder sind die damit verbundene Wohnungspreisspirale und die zunehmenden Beschwerden wegen überfüllter öffentlicher Verkehrsmittel.

Eigentlich ist die Schweiz schwer aus dem Gleichgewicht zu bringen, hat sie doch in der Vergangenheit schon einen grossen Zustrom von Migranten bewältigt. Aber die jüngste Serie von Einwanderern, welche die offenen Grenzen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) ausnutzen, haben eine Debatte darüber ausgelöst, ob es positiv sei, wenn so viele Menschen auf einmal ins Land strömen.

"Balance" ist ein Schlüsselbegriff in der aktuellen Diskussion: Eine Balance zu finden, um Wohnraum für alle Einkommensgruppen, aber auch Raum für Geschäfts- und Freizeitinteressen zu schaffen, ohne eine weitere Erosion der Grünflächen zu bewirken.

Genf ist von einem starken Bevölkerungswachstum betroffen. Der Stadtkanton zieht eine grosse Zahl von neuen Unternehmen und Arbeitnehmenden an. Die Immobilienpreise in der Region Genfersee haben sich in den letzten 24 Jahren versechsfacht und die Verkehrsstaus sind immer länger geworden.

Lastenverteilung

Philippe Steiner, Projektleiter beim Stadtplanungsamt Genf, räumt ein, dass die vor ein paar Jahren angestellten langfristigen Schätzungen zum Bevölkerungswachstum, bereits veraltet sind.

"Das Bevölkerungswachstum hier ist sehr dynamisch, viel stärker als in anderen Teilen Europas und schneller, als wir geplant hatten", sagt er gegenüber swissinfo.ch.

Genf hat sich mit dem Kanton Waadt und dem an die Schweiz angrenzenden Teil Frankreichs, ein Gebiet das auch die Europäische Organisation für Nuklearforschung (CERN) umfasst, zusammengetan. Mit einer koordinierten Strategie will man bis 2030 rund 19'000 neue Häuser bauen und 24'000 neue Arbeitsplätze schaffen.

"Genf zieht eine Menge neuer Unternehmen und damit Arbeitsplätze an. Die Landfläche ist jedoch klein und die Landkosten sind viel höher als in Frankreich", sagt Steiner gegenüber swissinfo.ch. "Wir hoffen, dass diese Zusammenarbeit sowohl das Bevölkerungswachstum wie die Gewinne erhöhen wird."

Bei der Entwicklung der Häuserpreise in Genf scheint es ausser Frage zu stehen, dass das Angebot erhöht werden muss. Die Errichtung neuer Häuser ist nicht nur eine kostspielige Angelegenheit, es gibt auch noch Einschränkungen, wie die Vorschrift, dass von Neubaugebieten mindestens 50% für den sozialen Wohnungsbau ausgeschieden werden müssen, wenn auf ehemaligen landwirtschaftlichen Flächen gebaut wird.

Das Dilemma mit den Hochhäusern

Darüber hinaus sind dem Verdichten von Wohnraum in der Stadt Genf Grenzen gesetzt: Die maximale Höhe von Gebäuden ist zum Bespiel limitiert. Ein aktueller Vorschlag des Genfer Baudirektors Mark Müller, die Bauhöhe von Gebäuden zu erweitern, befindet sich in einem starken politischen Gegenwind.

Beschränkungen gibt es auch im Stadtzentrum vom Zürich. Es wurden jedoch Baugenehmigungen für Hochhäuser in den peripheren Bereichen der Industriezonen erteilt. Das höchste Gebäude, der Maag Areal Prime Tower, ist 126 Meter hoch und umfasst 34 Stockwerke. Das Bauwerk soll dieses Jahr abgeschlossen werden.

Genf und Waadt sind nicht die einzigen städtischen Bereich der Schweiz, die sich für städtebauliche Projekte verbinden. Im Januar wurde der Wacker-Preis des Schweizer Heimatschutzes an neun Gemeinden in Lausannes Westen vergeben. Damit wurde deren Bemühungen für nachhaltiges Bauen belohnt.

Der Bauboom findet auch in Basel statt, der Heimat diverser Pharma-, Chemie- und Biotechnologie-Konzerne. Mit dem Roche-Tower entsteht dort bis ins Jahr 2015 das höchste Gebäude der Schweiz. Der Turm wird eine Höhe von 175 Metern haben.

Forscher schätzen, dass die Nachfrage für neue Arbeitsplätze für die Grossindustrie in der Region Basel bis 2020 fast 40'000 erreicht. Die Stadtregierung plant für die nächsten 10 Jahre den Bau von 5000 neuen Wohnungen.

Ausbau des Bahnnetzes

Die wichtigsten landesweiten Bauvorhaben dürften nicht auf Kosten der Lebensqualität gehen, warnen Experten. Eine Lösungsmöglichkeit: Einschluss von Raum für Freizeit und Kultur und der Einbezug von Geschäften und besseren Transportmöglichkeiten.

Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB sind sich der Grösse der Aufgabe, mit der sie konfrontiert werden, bewusst. Sie schätzen, dass bis 2020 rund 20 Mrd. Franken in neues Rollmaterial und rund 40 Mrd. in die Infrastruktur investiert werden müssten – Geld, das noch nicht verfügbar ist.

Im Jahresbericht heisst es, angesichts der aktuell zur Verfügung stehenden Mittel, werde wohl eine erhebliche Finanzierungslücke entstehen.

Die Zahl der vom Zürcher Hauptbahnhof abreisenden Fluggäste wird sich bis 2020 von heute 360'000 auf rund eine halbe Million erhöhen. Eine zweite Bahnstation entsteht in der Stadt. Sie soll bis 2015 voll einsatzfähig ein.

Von der neuen Bahnverbindung durch die Alpen, dem Gotthard Basis-Tunnel, wird erwartet, dass er nach seiner Eröffnung 2017 mehr Verkehr von der Strasse abziehen wird.

Keine Ausgrenzung

Dass Einheimische mit niedrigem Einkommen nicht aus dem Immobilienmarkt in Städten und Gemeinden gedrängt werden, ist eine weitere Aufgabe.

So setzte im vergangenen Jahr Zug als erster Kanton spezielle Zonen für preisgünstigen Wohnraum fest - im Gegensatz zu Obwalden, das Sonderbauzonen für besonders Reiche einrichten wollte, damit diese luxuriöse Immobilien erstellen könnten.

Bevölkerungswachstum

Das Bundesamt für Statistik publizierte im letzten Monat Zahlen, die eine Erhöhung der Bevölkerung der Schweiz von 7,86 Mio. im Jahr 2010 auf 8,84 Mio. im Jahr 2035 prognostizieren – das sind +12%.

Der Kanton Waadt wird demnach das grösste Wachstum verzeichnen (23,8% 882'000), gefolgt von Freiburg (+20,9% auf 335'000) und Aargau (+19,3% auf 725'000).

Auch den Kantonen Genf (+18,2% auf 542'000) und Zürich (+15% auf 1,6 Mio.) wird eine grosse Anzahl neuer Einwohner vorausgesagt.

Diese Zahlen werden beeinflusst durch die grosse Zahl von ausländischen Arbeitsnehmenden aus der Europäischen Union. Im Konkurrenzkampf um die internationale Wettbewerbsfähigkeit brauchen die Schweizer Firmenmehrqualifizierte Arbeitskräfte.

Eine Rekordzahl von 100'000 ausländischen Arbeitskräften übersiedelte 2008 in die Schweiz. Die Zahl ist inzwischen leicht zurückgegangen, die Höhe ist aber stabil.

Der Anteil an Nicht-Schweizer Einwohnern lag 1850 bei 3%, stieg bis 1980 auf 14,8% und erreicht heute 23%.

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Übertragung auas dem Englischen: Etienne Strebel, swissinfo.ch


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