Ich stellte in der Schweiz auf Solarenergie um – und weiss jetzt, warum es viele lassen
Der Swissinfo-Journalist Kristian Foss Brandt hat Solarpanels auf dem Dach seines Hauses installiert. Nun versteht er besser, warum viele Bewohner:innen in der Schweiz von einer solchen Investition absehen.
Als unser Stromzähler sich zum ersten Mal rückwärts drehte, fühlte sich das wie ein kleiner Sieg an. An einem sonnigen Frühlingsnachmittag produzierte unser Dach mehr Strom, als wir verbrauchen konnten. Das Haus war warm, die Batterie aufgeladen und der Strom floss zurück ins Netz, wodurch wir mit jeder Kilowattstunde Geld verdienten.
Als wir die Solarpanels auf dem Dach installierten, schien dies eine einfache Möglichkeit zu sein, etwas für das Klima zu tun und zugleich unsere Stromrechnung zu senken. Und all das, ohne unser Leben gross verändern zu müssen.
Ein Jahr später ist dieser anfängliche Optimismus zwar geblieben. Aber ich hätte nicht erwartet, dass mein Entscheid von einer Klimamassnahme zu einer Übung im Umgang mit Excel-Tabellen werden würde.
In der Schweiz ist die Installation einer Solaranlage für Privathaushalte weniger ein Plug-and-Play-Entscheid als vielmehr eine finanzielle Kalkulation, die von Subventionen, Steuerregeln und sich ändernden Vorschriften geprägt ist. Das ist nichts für schwache Nerven oder Leute mit knappem Budget.
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Die Frage der Anschaffungskosten
Nachdem wir eine Weile über die Installation einer Solaranlage nachgedacht hatten, entschieden wir uns 2025 dafür, weil uns die Rahmenbedingungen günstig erschienen. Wir hatten ein geeignetes Dach, es gab staatliche Förderungen und die Strompreise waren seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine gestiegen.
Die komplette Anlage – einschliesslich 40 Modulen, einem Wechselrichter, der Installation und einer Hausbatterie – kostete zirka 39’000 Franken. Durch eine einmalige staatliche Subvention sanken die Kosten auf 32’000 Franken.
Da wir in Freiburg wohnen, ist die Installation einer Solaranlage zudem steuerlich absetzbar, was die effektiven Kosten um mehrere tausend Franken senkt. Nachdem wir uns für das Projekt entschieden hatten, dauerte es etwa vier Monate, bis wir die entsprechenden Genehmigungen erhielten und die Module installiert waren, und weitere sechs Monate, bis wir unsere Subvention erhielten.
Wir hatten uns für eine Anlage mit einer Leistung von etwas mehr als 18 Kilowatt entschieden, was für einen Privathaushalt bedeutsam ist. Ohne den Preis für die Batterie zu berücksichtigen, haben wir etwa 1,70 Franken pro Watt an installierter Kapazität bezahlt.
Nach europäischen Massstäben ist das teuer. In den Nachbarländern kosten ähnliche Dachanlagen oft 1,20 bis 1,50 Euro pro Watt. Höhere Lohnkosten, Vorschriften für Gerüste und komplexere Installationen treiben die Preise in der Schweiz in die Höhe.
Um neue Installationen zu fördern, bieten einige Länder Leasing- oder Drittbesitzmodelle für Solaranlagen an. Diese sind in den USA und Deutschland weit verbreitet und verringern die Anschaffungskosten erheblich. Es ist ein starker Kontrast zu dem eher vorsichtigen, von Hausbesitzenden getriebenen Ansatz der Schweiz.
Ein langer Schnauf für die Amortisation
Da Solaranlagen häufig Strom ins Netz zurückspeisen, liegt der Gedanke nahe, dass sich eine Anlage im Grund genommen von selbst amortisiert. Das stimmt zwar, aber es dauert seine Zeit. Und in der Schweiz dauert es besonders lange…
Viele Länder bieten stärkere Anreize für die Nutzung von Solarenergie, wodurch nicht nur die Anschaffungskosten sinken, sondern auch der Verkauf von privat erzeugtem Strom an Unternehmen und die Einspeisung ins Netz rentabler wird.
In den Niederlanden erhalten Haushalte dank einer grosszügigen Net-Metering-Regelung den Einzelhandelspreis für den Strom, den sie ins Netz einspeisen, und nicht einen niedrigeren Tarif, wie er in vielen anderen Ländern – einschliesslich der Schweiz – gezahlt wird.
In Deutschland erhalten Haushalte eine garantierte Einspeisevergütung für 20 Jahre, was umgekehrt bedeutet, dass der Preis für den Verkauf von überschüssigem Solarstrom im Voraus festgelegt ist und nicht von kurzfristigen Marktschwankungen oder politischen Veränderungen abhängt.
In der Schweiz werden die Einspeisevergütungen von den lokalen Stromversorgungsunternehmen festgelegt und können sich im Lauf der Zeit ändern. Das macht es für Haushalte schwieriger, die zukünftigen Erträge vorherzusagen.
Grosse Kluft zwischen Verkauf und Kauf
Studien der ETH Zürich und der Universität BernExterner Link zeigen, dass sich Solaranlagen auf Dächern in der Schweiz vor allem durch niedrigere Stromrechnungen für Haushalte bezahlt machen.
Der Verkauf von überschüssigem Strom spielt nur eine marginale Rolle. Doch obwohl meine Stromrechnungen dank meiner installierten Solarpanels niedriger waren als früher, sind sie nicht vollständig weggefallen.
Von Februar 2025 bis Februar 2026 erzeugten unsere Dachmodule fast 15’000 Kilowattstunden Strom. Unser Vier-Personen-Haushalt verbrauchte etwas mehr als 10’000 Kilowattstunden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass unser gesamter Strombedarf durch unsere Solaranlage gedeckt war. Angebot und Nachfrage unterliegen saisonalen Schwankungen.
Im Sommer überstieg unsere Produktion oft den Bedarf. Die Batterie war schon vor Mittag voll. Um davon zu profitieren, verlegten wir alltägliche Routinen wie den Betrieb der Abwaschmaschine auf sonnige Stunden.
Im Winter sank die Solarstromproduktion stark. Selbst mit einer Batterie stammte der grösste Teil unseres Strombedarfs am Abend aus dem Netz. Im Jahresdurchschnitt deckte die Solarenergie etwa die Hälfte unseres Bedarfs, der Überschuss wurde an den Netzbetreiber verkauft.
Die Einnahmen aus unserer eigenen Stromproduktion reichten jedoch nicht aus, um unseren vom Netzbetreiber eingekauften Strom zu finanzieren – eine Situation, die in der Schweiz häufig vorkommt.
In vielen Regionen erhalten Haushalte nur fünf bis zehn Rappen pro Kilowattstunde Strom, die sie ins Netz einspeisen, was weit unter dem Preis für den Kauf von Strom liegt.
Mit unserer Hausanlage konnten wir etwa zehn Rappen pro verkaufter Kilowattstunde Strom einnehmen. Der Bezug von Strom beim Versorgungsunternehmen kostet hingegen etwa doppelt so viel, wenn man die Netznutzungsgebühren und Steuern mit einberechnet.
Insgesamt sank unsere Stromrechnung von rund 2500 Franken pro Jahr auf 200 bis 300 Franken. In dieser Zahl sind auch die Kosten für Heizung und Warmwasser enthalten, da unser Haus auch mit einer Wärmepumpe beheizt wird.
Lange Amortisierungszeit schreckt ab
Basierend auf den aktuellen Tarifen und unserem Verbrauch wird es wahrscheinlich etwa zehn Jahre dauern, bis sich unsere Anlage amortisiert hat. Diese Schätzung hängt jedoch von konstanten Strompreisen und den geltenden Vorschriften ab.
Die bereits erwähnten Studien der ETH Zürich und der Universität Bern zeigen auch, dass die lange Amortisationszeit einer der Hauptgründe ist, warum Haushalte die Installation einer Solaranlage auf die lange Bank schieben. In Verbindung mit den hohen Anschaffungskosten wird Solarenergie für Private zu einer Investition, die sich nicht alle leisten können.
Und die Unsicherheit ob der Rentabilität einer Solar-Investition nimmt zu. Im Jahr 2026 wurden durch neue nationale Vorschriften die Rückkaufpreise an die vierteljährlichen Marktpreise gekoppelt, sodass Schweizer Haushalte nicht mehr mit einem festen Preis für überschüssigen Strom rechnen können.
Dazu kommt: Für viele Personen liegt der Entscheid für oder gegen eine Solaranlage nicht in ihrer Hand. Rund 64 Prozent der Schweizer Haushalte befinden sich in Mietwohnungen. Mietende haben wenig Einfluss darauf, ob auf den Gebäuden, in denen sie wohnen, Solaranlagen installiert werden.
Fachleute warnen davorExterner Link, dass Dachsolaranlagen in ihrer derzeitigen Form die bestehenden Ungleichheiten beim Zugang zu sauberer Energie verstärken könnten. Während Hausbesitzende profitieren, sind anderen die Hände gebunden.
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Rückgang bei Privathäusern
Bis Ende 2025 waren rund 300’000 Wohngebäude in der Schweiz mit Photovoltaikanlagen ausgestattet. Branchenangaben zufolge wird das Wachstum aber nicht mehr von Installationen auf Einfamilienhäusern getragen: Während die Gesamtleistung der Solaranlagen weiter steigt, ging die Zahl der Installationen auf Privathäusern – wie in meinem Fall – im Jahr 2024 leicht zurück.
Zugenommen haben hingegen die Installationen von grösseren Anlagen auf Mehrfamilienhäusern und Gewerbebauten. Dies erklärt sich zum Teil durch lokale Vorschriften. Im Kanton Luzern besteht etwa die Pflicht, bei Neubauten und grösseren Dachrenovierungen die Möglichkeiten von Dachsolaranlagen auszuschöpfen.
Die Zunahme von grossen Solaranlagen ist eine gute Nachricht für das Klima. Nationale Energiemodelle des Bundesamts für Energie deuten darauf hin, dass zur Erreichung der langfristigen Klimaziele die Produktion von Solarenergie weit über die Dächer von Wohngebäuden hinaus erforderlich sein wird.
«Für ein stärkeres Wachstum in der Schweiz brauchen wir auch Anlagen ausserhalb von Gebäuden, etwa Agrophotovoltaik oder Anlagen auf Infrastruktureinrichtungen», sagt David Stickelberger, stellvertretender Geschäftsführer von Swissolar, dem nationalen Verband der SolarindustrieExterner Link.
Diese grösseren Anlagen verursachen in der Regel geringere Kosten pro Kilowattstunde und führen zu einer stärkeren Emissionsreduzierung als Solaranlagen von Privathaushalten.
Dennoch spielen Solaranlagen für Privathaushalte eine wichtige Rolle. Sie tragen zur Energiewende bei und können die Belastung der Stromnetze verringern. Swissolar führt den Rückgang im Wohnbereich auf regulatorische Unsicherheiten und lange Amortisationszeiten zurück.
Als Reaktion auf die Hindernisse und Unwägbarkeiten versuchen Politiker:innen und Energieversorgungsunternehmen, das individuelle finanzielle Risiko von Solaranlagen zu verringern.
Sie haben kollektive Modelle wie das Schweizer ZEV-System (Zusammenschluss zum Eigenverbrauch)Externer Link entwickelt, das es Bewohnerinnen und Bewohnern desselben Gebäudes ermöglicht, den auf dem Dach erzeugten Solarstrom gemeinsam zu nutzen – beispielsweise in der Wohnbaugenossenschaft Kalkbreite in Zürich.
Diese Massnahmen helfen, weisen aber auch auf eine umfassendere Realität hin. Solange Haushalte für die Nutzung von Solarenergie ein langfristiges finanzielles Risiko eingehen müssen, wird die Akzeptanz eher mässig bleiben.
Um Solarenergie weiter zu verbreiten, muss sauberer Strom nicht nur technisch realisierbar, sondern auch finanziell planbar sein – besonders für Menschen, die es sich nicht leisten können, ein Jahrzehnt oder länger auf die Amortisation zu warten.
Amortisationszeit
Typische Amortisationszeit für Dachsolaranlagen in der Schweiz: etwa 10–15 Jahre
Eigenverbrauch ist wichtig
Ohne Batterie oder flexiblen Strombezug verbrauchen Haushalte in der Regel etwa 25–35% ihres Solarstroms direkt.
Mit einer Wärmepumpe und einer Batterie kann der Eigenverbrauch auf etwa 50–70% steigen.
Abnahmevergütung
Einspeisevergütung/Abnahmevergütung: im Regelfall rund 5–10 Rappen pro Kilowattstunde
Strompreis für Endverbrauchende: rund 20–30 Rappen pro Kilowattstunde
Quellen: Kantonale Versorgungsunternehmen; Bundesamt für Energie, ETH Zürich, Gebäudeenergieforschung; Bundesamt für Energie
Im Jahr 2024 produzierte die Schweiz 6 TWh Solarstrom, wodurch etwa 2–3 Millionen Tonnen CO2 eingespart wurden (unter der Annahme, dass dieser Strom einen Mix aus Gas und importiertem Strom ersetzt) – ein kleiner, aber bedeutender Beitrag zur Erreichung der Klimaziele.
Editiert von Gabe Bullard/ts, Übertragung aus dem Englischen mithilfe von Deepl: Gerhard Lob/raf
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