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Erschütterung und Solidarität in der Schweiz

Bundespräsident Samuel Schmid sprach den Betroffenen Trost zu. Keystone

"Das Unglück darf nicht triumphieren", sagte Bundespräsident Samuel Schmid an der nationalen Trauerfeier in Bern im Gedenken der Flutopfer.

Die Spenden der Bevölkerung für die Glückskette erreichten einen neuen Rekord von rund 90 Mio. Franken.

Die Schweiz hat am Mittwoch der Opfer des Seebebens in Südasien gedacht: Die Fahnen standen auf Halbmast und am Mittag läuteten die Kirchenglocken. Im Berner Münster fand am Nachmittag die nationale Trauerfeier statt.

Bundespräsident Samuel Schmid sprach den Betroffenen das tief empfundene Beileid der Regierung aus. «Wir teilen die Trauer vieler Personen, die ihre Nächsten verloren haben», sagte Schmid mit belegter Stimme vor rund 1200 Menschen im Berner Münster. «Wir wissen, dass diese Trauer lange dauern wird. Der Bundesrat steht Euch zur Seite.»

Bescheidenheit gefordert

«Das Unglück darf nicht triumphieren. Sein bleierner Schatten muss weichen, durch unsere Unterstützung und Begleitung betroffener Mitmenschen», sagte er weiter. Er forderte aber auch Bescheidenheit. Vom Machbarkeitsstreben für alles Mögliche und Unmögliche sei abzurücken.

An der gut einstündigen Feier nahmen auch die Bundesräte Micheline Calmy-Rey und Joseph Deiss teil sowie Mitglieder aller Kantonsregierungen. Ebenfalls eingefunden hatten sich diplomatische Vertreter etlicher Länder und Würdenträger der drei Landeskirchen sowie der grossen anderen Weltreligionen Hinduismus, Islam, Buddhismus und Judentum.

Schweizer Hilfe intensiviert

Bereits am Morgen hatte sich Aussenministerin Calmy-Rey nach ihrer Rückkehr aus dem Katastrophengebiet erschüttert gezeigt. Was ihr Überlebende während ihrer viertägigen Reise nach Thailand und Sri Lanka erzählt hätten, sei ein Albtraum. Den betroffenen Ländern versprach sie mit den vom Bundesrat gesprochenen 27 Mio. Franken konkrete Hilfe.

Die Schweizer Hilfswerke haben unterdessen ihre Hilfe vor Ort intensiviert. Sie konzentrieren ihre Aktivitäten auf Sri Lanka und Indien, wo sie über ein Netzwerk verfügen. Aber auch in Indonesien wird nach Hilfsmöglichkeiten gesucht.

Spendenrekord der Glückskette

Die Glückskette, die Spenden-Plattform der Schweizer Medien, hatte den Mittwoch zum nationalen Sammeltag erklärt. Bis um 21.00 Uhr gingen Spendenzusagen von über 43 Mio. Franken ein. Zusammen mit den Spenden aus den Vortagen sind das insgesamt rund 90 Mio. Franken.

Damit wurde der bisherige Rekord im knapp 60-jährigen Bestehen der Glückskette gebrochen. Im Herbst 2000 waren für die Opfer der Unwetter im Wallis und im Tessin 74 Mio. Franken gespendet worden.

Schweigeminuten in ganz Europa

Mit Schweigeminuten haben Millionen von Menschen in ganz Europa am Mittwoch der Opfer der Flutkatastrophe gedacht. In vielen Städten standen Busse und Bahnen still, die Fernseh- und Radiosender unterbrachen ihr Programm und Flaggen wehten auf Halbmast. Vielerorts versammelten sich Menschen zu Andachten.

Am Sitz der EU-Kommission in Brüssel kamen mehrere hundert Mitarbeiter zusammen. In Italien schlossen viele Geschäfte während der Trauerminuten die Türen. Der Papst sprach im Vatikan ein Gebet.

Milliarden-Hilfe angekündigt

Die katastrophalen Flutwellen in Asien haben rund 150’000 Menschen in den Tod gerissen.

Am Mittwoch traf US-Aussenminister Colin Powell in der indonesischen Krisenprovinz Aceh im Norden Sumatras ein. «Ich habe Krieg durchgemacht, ich habe Tornados gesehen, aber so etwas habe ich noch nie gesehen», sagte Powell. Er sicherte den Menschen in der Katastrophenregion die Unterstützung Washingtons zu. Zahlreiche andere Länder stockten unterdessen ihre Hilfe auf.

Die Vereinten Nationen gehen von 3 bis 4 Mrd. Dollar aus, die bisher öffentlich angekündigt worden sind. UNO-Hilfskoordinator Jan Egeland mahnte die Geberländer, ihre milliardenschweren Hilfszusagen auch zu erfüllen.

swissinfo und Agenturen

Das Seebeben vom 26. Dezember 2004 vor der indonesischen Insel Sumatra erreichte die Stärke 9 auf der Richter-Skala.
Rund 150’000 Menschen wurden in den Tod gerissen.
Mehr als 2 Mio. Menschen benötigen dringend Nahrungsmittel.
Die Schweizer Regierung befürchtet bis zu 500 Schweizer Todesopfer.
Die von Staaten zugesagte Hilfe liegt zwischen 3 und 4 Mrd. Dollar.

Am Mittwoch beging die Schweiz einen nationalen Trauertag für die Opfer der Flutwelle in Südasien.

Die Fahnen wehten auf Halbmast, die Kirchenglocken läuteten um zwölf Uhr für eine Viertelstunde.

Am Nachmittag fand im Berner Münster eine nationale Trauerfeier mit Vertretern der Landesregierung, der Kantone, Landeskirchen sowie der grossen Religionen statt.

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