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Frankreich – Antarktis retour

Nur jeder Zweite erreicht das Ziel der "Vendée Globe". Deshalb werden die Boote Härtetests unterzogen. Hier die "Union Bancaire Privée" von Dominique Wavre beim Kentertest. Keystone

Der Genfer Hochsee-Segler Dominique Wavre startet am Dienstag (07.11.) mit Ambitionen in die 4. "Vendée Globe", eine Einhand-Segelregatta, bei der die Antarktis als Wendemarke dient.

Diese Regatta gilt als «Everest» der Einhandsegler und findet alle vier Jahre statt. «Einhand» bedeutet nicht, dass eine der beiden Hände irgendwie festgebunden würde, in der Seglersprache bedeutet dieser Ausdruck: Einmann-Seglerei.

Eigentlich hätte der Startschuss bereits am Sonntag fallen sollen. Wegen ungünstigen Wetterprognosen mit Winden bis zu 55 Knoten, verlangten jedoch 18 der 24 Teilnehmer einen Startaufschub.

100 Tage ist das Ziel

Start und Ziel sind Les Sables d’Olonne im französischen Departement Vendée. Es gibt keinen Zwischenhalt. Der Genfer Dominique Wavre möchte das Ziel als Erster erreichen – nach 100 Tagen und 25’000 Seemeilen (rund 46’000 km). Die erste Wegmarke sind die Kanarischen Inseln. Danach wird der Äquator überquert und Kurs auf Süden genommen.

Süden – Wärme – Palmen

Süden. Süden suggeriert angenehme Winde und Wärme – schönes gemütliches Segeln. Dem ist nicht nur so. «Südliche Breite» bedeutet einsames Segeln in der Kälte, den Überlebenskampf in einer windgepeitschten Eissuppe, dem Südpolarmeer.

Denn der Weg der «Vendée Globe» führt am Kap der Guten Hoffnung (Südafrika) vorbei im Uhrzeigersinn um die Antarktis. Das Kap Horn wird backbord (links) liegen gelassen und dann geht’s wieder in den Norden, zurück nach Frankreich.

Die Route führt durch die «brüllenden Vierziger» und die «schreienden Fünfziger», den erdumspannenden Gürtel zwischen dem vierzigsten und sechzigsten Breitengrad, wo das Meer nirgends durch Land unterbrochen wird.

Kräftige Tiefdrucksysteme mit heftigen Winden ziehen da ungehindert um den Erdball und türmen auf dem Meer Wellenberge auf – die gigantischsten, die je gemessen wurden. Zehn bis dreissig Meter hohe Wellen sind garantiert – auch für Dominique Wavre.

Alleine, aber nicht einsam

Für die Kurswahl, Reparaturarbeiten oder medizinische Probleme ist alleine der Skipper zuständig. Zwar erhält er von der Rennleitung Informationen bezüglich Wetter und Position der Konkurrenten, was er aber daraus macht ist seine Sache.

Regelmässig halten aber die Skipper Kontakt mit ihren Familien per Satellitentelefon. Und sie wissen, dass Hunderttausende in segelbegeisterten Ländern, wie Frankreich und England mitfiebern, wenn sie unterwegs sind.

Jeder Zweite erreicht das Ziel

Die «Vendée Globe» ist hart. Hart für den Menschen an Bord und hart für sein Schiff, sein Material. Neben starken Winden drohen unsichtbare Gefahren: so ist es möglich mit Treibgut zu kollidieren, wie etwas einem der unzähligen Container, den ein Frachter verloren hat. Eine weitere Gefahr ist, nach dem kalten Kuss eines Eisberges zu versinken.

Ein Radargerät mit akustischer Alarmfunktion kann den Segler zwar wecken, um eine Kurskorrektur vorzunehmen, aber kleine Gegenstände zeigt ein Radar nicht an und bekanntlich ragt bei «kleineren» Eisbergen nur die Spitze aus dem Wasser.

Technische Daten

Das Boot «Union Bancaire Privée» von Dominique Wavre kann jenseits der 40 km/h-Marke segeln. Bei der letzten Regatta wurden bis zu 35 Knoten erreicht – über 60 km/h. Die «Union Bancaire Privée» ist 18,28 Meter lang, 5,8 Meter breit. Die Kielbombe aus Blei hat 4,5 Meter Tiefgang.

100 Tage also schätzt der 45-jährige Dominique Wavre den Zeitaufwand ein. Dann wird er wohl erst mal schlafen wollen und richtig essen. Von den ungefähr zwei Stunden Schlaf und dem ständigen Astronauten-Trocken-Futter wird er wahrscheinlich erst mal genug haben.

Rebecca Vermot

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