The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter

Medizinische Fehler: Mehr Transparenz gefordert

Medizinische Fehler sollen analysiert und nicht verheimlicht werden. Keystone

Die Schweizerische Patientenorganisation will mehr Transparenz in medizinische Fehler bringen. Dazu dürften die Fehler nicht mehr als Offizialdelikt gehandelt werden, sagte die Präsidentin Margrit Kessler am Freitag (29.12.) gegenüber Radio DRS.

Gemäss Angaben des Bundesamtes für Sozialversicherung (BSV) gibt es in der Schweiz jährlich rund 3’000 tödliche medizinische Fehler, wie Kessler sagte. Solange die Ärzte von Amtes wegen angeklagt würden, meldeten sie ihre Fehler jedoch kaum. Dies wäre aber nötig, um die Fehler zu analysieren und Massnahmen zu ergreifen. Deshalb brauche es eine Gesetzesänderung, so dass die Ärzte oder das Pflegepersonal nur noch auf Antrag von Angehörigen zur Rechenschaft gezogen werden könnten.

Fehler liessen sich innert fünf Jahren halbieren

Laut Kessler wird zur Zeit in verschiedenen Schweizer Spitälern ein Zwischenfall-Reporting durchgeführt, das gute Resultate liefere. Die Ärzte würden die Vorfälle selber berichten und analysieren. In einer im Januar 1998 von Nationalrat Paul Günter(SP/BE) eingereichten Motion fordert die Patientenorganisation die Einsetzung einer Kommission, die medizinische Zwischenfälle zur Verhütung der Wiederholung desselben abklären soll.

Auch das Bundesamt für Sozialversicherung wünscht sich einen andern Umgang mit medizinischen Fehlern. Manfred Langenegger, der für die Qualitätssicherung in Spitälern zuständig ist, sagte im Schweizer Radio DRS, aus ausländischen wissenschaftlichen Berichten gehe hervor, dass es eine hohe Ziffer vermeidbarer Fehler in Spitälern gäbe, die zu Todesfällen führten. Um das Problem anzugehen, müsse aber eine Kulturänderung stattfinden, so dass offen über Fehler gesprochen werden könne. Laut internationalen Experten liesse sich die Anzahl medizinischer Fehler so innert fünf Jahren halbieren.

Untersucht wird jetzt der Fall im Berner Inselspital, wo am 20. Dezember ein Säugling gestorben ist, weil in der Spitalapotheke zwei Medikamente verwechselt wurden.


swissinfo und Agenturen

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft