«Nie mehr»
Sich an das Kriegsende vor 60 Jahren zu erinnern sei eine Pflicht, denn auch die Schweiz habe allen Grund dazu, sagte Bundespräsident Samuel Schmid.
Die Schweiz habe zahlreiche Flüchtlinge aufgenommen, aber auch viele zurückgewiesen, führte Schmid in seiner Ansprache aus.
Der 8. Mai 1945 stehe für das Ende einer der grössten Katastrophen der Menschheit, und diese Katastrophe, dieser jahrelange Krieg, habe 55 Mio. Tote gefordert und weite Teile Europas in Schutt und Asche gelegt, sagte der Bundespräsident.
«Heute – genau 60 Jahre später – haben wir allen Grund, innezuhalten. Wir gedenken aller Menschen, die damals ihr Leben hingegeben haben, damit wir Nachgeborenen heute in Freiheit leben können», sagte Schmid.
Nicht nur die von den Nazis überfallenen Völker und Staaten hätten einen hohen Preis bezahlt. «Einen hohen Preis haben auch die Völker jener Staaten bezahlt, deren Führer den Weltkrieg ausgelöst haben. Die Toten haben den Anspruch an die Lebenden, dass wir sie nicht vergessen.»
Dank an Aktivdienst-Generation
Besonderen Dank richtete Schmid an die Veteraninnen und Veteranen der Aktivdienst-Zeit. «Sie und ihre ganze Generation haben dafür gesorgt, dass die Schweiz jeden Tag des ganzen blutigen 20. Jahrhunderts hindurch ihrem demokratischen und rechtsstaatlichen Vermächtnis treu geblieben ist.»
Dank gebühre ihnen auch, weil sie bereit waren, notfalls mit der Waffe zu kämpfen. An Angriffsplänen habe es ja nicht gefehlt. Die Schweiz habe ihre Freiheit durch Selbstverteidigung bewahrt.
In den letzten Jahren habe die Schweiz die Geschichte des Zweiten Weltkrieges aufgearbeitet – auch die schwierigen Kapitel. «So wäre es uns heute lieber, der Bundesrat hätte 1942 die Kompetenz nicht der Verwaltung delegiert, die Schweizergrenze zu schliessen.»
Auch Flüchtlinge abgewiesen
«Es wäre uns lieber, die darauf folgende Lockerung der Grenzschliessung wäre grosszügiger gewesen.» Denn die Korrekturen der damaligen Behörden seien schwach gewesen und zu spät gekommen.
Es sei aber auch wahr, dass Hunderttausende Verfolgte in der Schweiz Aufnahme und Schutz gefunden hätten. «Leider aber sind auch Tausende Flüchtlinge an unseren Grenzen abgewiesen worden.»
Unsere Pflicht sei es, uns zu erinnern. «Zur Erinnerung gehört die Liebe zur Wahrheit, gehört das Verständnis für eine andere Zeit und ihre Probleme, gehört die Suche nach den Ursachen und nach dem Sinn.»
«Nie mehr»
Die Erinnerung an den 8. Mai 1945 sei für jeden Verpflichtung, neuen extremistischen und totalitären Bestrebungen und jeder Form von Antisemitismus oder Rassismus entschieden entgegenzutreten, betonte der Bundespräsident.»Diese dunklen Kapitel dürfen sich nie mehr wiederholen. Nie mehr!»
Auch Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz hat am Sonntag in Schaffhausen der Opfer des Zweiten Weltkrieges gedacht. Anlässlich der Feier zum Ende des Zweiten Weltkrieges rief sie zum Erinnern an die Opfer auf. Zum Gedenktag gehöre aber auch die Auseinandersetzung mit der Rolle der Schweiz im Krieg.
Am Montag nimmt Samuel Schmid in der russischen Hauptstadt Moskau an den Feiern zum 60. Jahrestag des Kriegsendes in Europa teil.
swissinfo und Agenturen
Der Zweite Weltkrieg war der größte und blutigste zusammenhängende Konflikt in der Geschichte der Menschheit.
Er begann in Asien mit dem Ausbruch des Zweiten Japanisch-Chinesischen Kriegs am 7. Juni 1937 und in Europa mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939.
Am 7. Dezember 1941 überfielen 360 japanische Kampfflugzeuge den US-Stützpunkt Pearl Harbour.
Beendet wurde er in Europa am 8. Mai 1945 und in Asien mit der Kapitulation Japans am 14. August 1945.
Der Zweite Weltkrieg forderte schätzungsweise 55 bis 60 Mio. Menschenleben, darunter über 20 Mio. Zivilisten.
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