The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Schweizer Führung, brasilianische Eingebung

Der Tessiner Denis Guerra mit künftigen Fussball-Talenten aus Sao Paolo. swissinfo.ch

Leidenschaft für den Sport, Liebe fürs Land - Brasilianisches Talent und Schweizer Mentalität: Denis Guerra kombiniert dies alles für seine Fussball-Schule.

Der Tessiner mit Jahrgang 1974 war Fussballer und Banker. Kürzlich gründete er die «Estro Football School» in Cotia, am Rande von Sao Paulo im Süden des Landes.

Mit 30 Jahren entschied sich Denis Guerra, der Schweiz den Rücken zu kehren, um zusammen mit seinem Freund und Geschäftspartner Matteo Ambrosini ein Projekt in Brasilien zu lancieren.

Dieses bringt ihre Leidenschaft für den Sport mit ihrer Liebe zu Brasilien und einer guten Dosis von unternehmerischem Geist zusammen.

Jugendliche aus der ganzen Welt

Die Schule verfolgt zwei Zwecke: Jugendlichen aus der ganzen Welt soll die Möglichkeit gegeben werden, während den Ferien einen Sprachaufenthalt in Portugiesisch mit einem Fussballkurs zu kombinieren. Und zweitens sollen aus dem riesigen Fundus Brasiliens, der fussballfreundlichsten Nation der Welt, neue Talente aufgespürt werden.

«Fussball war für lange Zeit meine grosse Liebe», sagt Guerra. Dann aber habe eine Pechsträhne seine Bestrebungen etwas gebremst. Und Guerra orientierte sich um, auf den Bankensektor. «Eine Erfahrung, die mir viel gebracht hat, sei es dank dem Umgang mit Menschen, sei es dank dem Vertrauen, das mir die Kunden schenkten.»

Gefallen an der brasilianischen Lebensart

Die Begegnung mit Brasilien änderte darauf die Pläne und Ziele in seinem Leben, das schon beinahe vorgegeben schien. «Vor drei Jahren besuchte ich einen ehemaligen Fussballteam-Kollegen in Goiaias, einer touristisch wenig bekannten Region Brasiliens», sagt Guerra.

Dieser Aufenthalt, der eigentlich nur für einige Wochen geplant war, verlängerte sich dann auf zwei Monate, so Guerra. «Es erlaubte mir, die Leute schätzen zu lernen. Ich fand Gefallen an der brasilianischen Lebensart. Und ich begann, mir zu überlegen, was ich tun könnte, um in diesem ausserordentlichen Land leben zu können.»

Reifes Projekt

Das Ausarbeiten des Projektes dauerte zwei Jahre. «Eines Tages», so Matteo Ambrosini, «kam Denis in mein Büro und erläuterte mir in grossen Zügen seine Idee.» Zuerst sei er etwas überrascht gewesen, sagt Ambrosini, denn er dachte, wenn es ein Land gibt, wo die Leute es nicht nötig hätten, Fussball auch noch zu lernen, dann sei das Brasilien.

«Mit der Zeit jedoch wurde mir klar, dass die Idee ins Schwarze traf. Der europäische Fussball wird immer anspruchsvoller, da genügt es nicht mehr, nur Talent zu haben», sagt Ambrosini. Komme ein 18- bis 20-Jähriger in einen europäischen Fussball-Club, müsse er nicht nur technisch auf der Höhe sein, sondern auch körperlich und geistig.

Dank der Mitarbeit von Matteo, der auf seine Erfahrung als Tennis- und Athletik-Trainer zurück greifen konnte, gewann das Projekt an Reife. Es folgte eine Inspektionsreise um herauszufinden, wo der beste Standort für die Schule lag.

Besuch in der Peripherie

Zusammen mit örtlichen Mitgliedern wurde zu Jahresbeginn die «Estro Football School» eröffnet («estro» heisst auf italienisch Eingebung). Und bereits kann sie auf eine lebhafte Gruppe von Jungtalenten zurückgreifen.

Ein Teil des Tagesprogramms gilt dem Training und den Selektions-Proben, um neue Kicker aufzunehmen. Dazu gehören auch Besuche in einigen Favelas, wo dank der Assistenz einiger mit Schweizer Freiwilligen liierten Organisationen junge Champions direkt auf der Wiese getestet werden.

«Eine Art Kopfjäger»

«Wir sind eine Art Kopfjäger», scherzt Guerra. «Wir versuchen, unserer Arbeit einen sozialen Sinn zu geben. Wir helfen den Leuten in den Favelas, wir sammeln Spenden und machen Freunde und Bekannte in der Schweiz aufmerksam.»

«Den Jungs, die in unser Zentrum kommen, versprechen wir kein leichtes Geld, sondern harte Arbeit, um sich körperlich und geistig weiter zu bringen.» Der Fussball könne ein Mittel sein, die Lebens-Bedingungen zu verbessern. Und er eigne er sich ausgezeichnet, Solidarität zu erlernen.

Junioren auch aus Asien

Inzwischen ist auch ein Ende der Restrukturations-Arbeiten der Lokalitäten abzusehen, wo die jungen Gäste Aufnahme finden. Ausser den Schülern aus der Schweiz und Europa sind auch einige Junioren aus Asien mit dabei.

Es bestehen auch Projekte mit den chinesischen und koreanischen Regierungen. Diese brachten in den letzten Jahren rund tausend ihrer Fussball-Aspiranten in verschiedene spezialisierte Schulen in Brasilien.

Denis Guerra ist fasziniert von der neuen Aktivität. «Zusammen mit Matteo haben wir unser Leben geändert. Wir wissen zwar nicht, wie es enden wird, aber zur Zeit spüren wir, dass unsere Zukunft hier in Brasilien liegt.»

swissinfo, Emiliano Guanella, Sao Paulo
(Übertragung aus dem Italienischen: Alexander Künzle)

Das Sportzentrum in Cotia liegt 50 km von Sao Paulo entfernt.
Es umfasst zwei Fussball-Felder, eine Turnhalle, eine Athletik-Rennbahn und ein olympisches Schwimm-Becken.
Das Zentrum nimmt bis 100 Schüler auf.
In den letzten drei Jahren kamen rund 1000 Chinesen, Koreaner und Japaner nach Brasilien, um Fussball und Portugiesisch zu lernen.

Denis Guerra spielte professionell in verschiedenen Tessiner Fussball-Teams. Als 24-Jähriger trat er als Finanzberater ins Banken-Business.

Matteo Ambrosini arbeitete ebenfalls als Banker. In seiner Freizeit war er Tennislehrer und Athletik-Trainer.

Die beiden verliessen Anfang 2005 die Schweiz, um bei Sao Paulo eine Fussball-Schule zu gründen. Die Schule soll dem europäischen Fussball neue Talente liefern und Jugendlichen aus der ganzen Welt kombinierte Sport- und Sprachaufenthalte ermöglichen.

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft