Swissair-Prozess: Freisprüche für alle Angeklagten
Der letzte Swissair-Konzernchef Mario Corti ist vom Bezirksgericht Bülach am 7. Juni vollumfänglich freigesprochen worden. Auch die übrigen Urteile gegen ehemalige Swissair-Verantwortliche lauten auf Freispruch.
Den 19 Ex-Verantwortlichen wurden Entschädigungen in Gesamthöhe von rund 3. Mio. Franken zugesprochen. Sie waren angeklagt, die Pleite der Swissair durch strafbare Handlungen verursacht zu haben.
Die Staatsanwaltschaft ist mit ihrer Anklage beim Bezirksgericht Bülach in keinem einzigen Punkt durchgedrungen. Auf vereinzelte Anklagepunkte stieg das Gericht nicht ein. Das Gericht sprach den Angeklagten insgesamt rund 3 Mio. Franken Prozessentschädigung zu.
Die schärfste Strafe hätte die Staatsanwaltschaft Mario Corti auferlegt: Sie hatte eine Freiheitsstrafe von 28 Monaten gefordert, 6 Monate davon hätte Corti unbedingt absitzen müssen. Dazu forderte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen zu je 3000 Franken – total also 1,080 Mio. Franken, sowie eine Busse von 10’000 Franken.
Die Anklage lautete auf Gläubigerschädigung durch Vermögensverminderung, ungetreue Geschäftsbesorgung, unwahre Angaben über kaufmännisches Gewerbe, Misswirtschaft, Gläubigerbevorzugung und versuchte Gläubigerbevorzugung. Von diesen Anklagepunkten wurde Corti vollumfänglich freigesprochen.
Sämtliche anderen Angeklagten erhielten einen Freispruch. Die Staatsanwaltschaft kann den Fall vor die nächste Instanz weiterziehen.
swissinfo und Agenturen
Der Zusammenbruch der Swissair ist die grösste Pleite in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte und eine der grössten auch auf europäischem Niveau.
Die Bemühungen, die Flug-Gesellschaft zu retten, verschlangen rund 4 Mrd. Franken – private und öffentliche Mittel. Daraus resultierte die Gründung der Nachfolge-Gesellschaft Swiss.
Rund 9000 Arbeitsplätze gingen wegen des Konkurses verloren. Ein Teil der ehemaligen Swissair-Angestellten wurd von der Swiss übernommen.
In der Liquidationsphase haben über 13’000 Gläubiger Entschädigungen von fast 49 Mrd. Fr. gefordert. Der Liquidator hat Forderungen von 9,7 Mrd. Fr. zugelassen. Nur 1,6 Mrd. Fr. standen zur Deckung zur Verfügung.
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