Sydney 2000: Sabina Fischer im 1500m – Final – Weyermann ausgeschieden
Sabine Fischer, die 27-Jährige aus Rapperswil, die vor einem Jahr noch kaum jemand kannte, hat sich für den Final des 1500-m- Laufes der Frauen vom Samstag qualifiziert. Anita Weyermann schied aus.
Sabine Fischer (27) sorgte über 1500 m für eine erfreuliche Überraschung: Gleich bei ihrem ersten Olympia-Auftritt schaffte die Rapperswilerin in 4:06,67 Minuten als Halbfinal-7. den Einzug unter die letzten Zwölf.
Am Samstag beim Final nicht dabei ist Anita Weyermann (22). Die WM- und EM-Dritte brach einen Tag nach dem akzeptablen Vorlauf im andern Halbfinal einmal mehr ein und wurde in 4:30,80 Letzte.
«Ich habe vor dem Fernseher gezittert», schilderte Sabine Fischer die langen Minuten, die sie während dem Lauf von Anita Weyermann warten musste, bis die «kleine Sensation» (Fischer) feststand. «Ich habe gedacht, dass sie in der zweiten Serie das Rennen schneller angehen als in der ersten.» So war es denn auch bis 800 m (2:13,61 zu 2:14,98), weil die Türkin im Weyermann-Rennen Tempo machte.
Taktisch erneut geschickt
Die für den LC Rapperswil-Jona startende Läuferin, die vor der Olympia-Saison mit einer Bestzeit von 4:11,75 Minuten zu Buche gestanden war, lief im Halbfinal erneut unerschrocken und taktisch geschickt mit. Vor der letzten Kurve griff sie trotz der schwierigen Rennsituation noch einmal an, aber sie vermochte sich bis ins Ziel nicht mehr von der siebten Position zu lösen. «Ich dachte, das seien die letzten achtzig Meter in Sydney gewesen», sagte Fischer
nachher.
Und was hat sie sich für den Final vorgenommen: «Ich bin auch zufrieden, wenn ich Letzte werde. Ich weiss nicht, ob meine Beine noch mögen. Zum Glück habe ich einen Tag zum Erholen.»
Olympia-Limite nur halb erfüllt
Sabine Fischer hatte die geforderte Olympia-Limite von 4:08,00 Minuten nur einmal (in der persönlichen Bestzeit von 4:05,14 in Zürich) statt wie verlangt zweimal erfüllt. Weil sie aber mehrere Male sehr nahe dran gewesen war, wurde sie vom SOV fürSydney trotzdem selektioniert.
Herbe Enttäuschung für Anita Weyermann
Mit dem Ausscheiden von Anita Weyermann ist für die 22-jährige Bernerin eine grossartige Serie zu Ende gegangen. Seit 1994 ist die «Sportlerin des Jahres 1999» an allen Grossanlässen mindestens im Final gestanden. An Junioren-WM oder -EM holte sie ebenso Medaillen wie an den WM (3. in Athen) und EM (3. in Budapest) bei den Grossen. Nach einer Saison in der sie von gesundheitlichen und persönlichen Problemen arg gebeutelt wurde, riss dieser Faden.
Nach dem ständigen Auf und Ab mit Einbrüchen in Luzern (27. Juni/4:31,35), Lugano (29. Juli/4:39,55) und Berlin (1. September/4:25,98) sowie Lichtblicken in Zürich (11. August/4:05,38) und Brüssel (25. August/4:05,47) folgte im Stadium Australia der grösste Tiefschlag in der Karriere der Bernerin.
Eine Knieoperation Ende Januar, eine verunglückte Cross-WM am 19. März (Rang 100), der Ellbogen-Bruch nach einem Sturz mit dem Mountainbike (9. April) mit anschliessender Operation und Antibiotika-Kur sowie Mitte Juli die Trennung von ihrem Vater Fritz Weyermann als Trainer waren offenbar zuviel.
Im Olympia-Halbfinal von Sydney brach die Cross-Europameisterin von 1999 nach 1200 m ein und erreichte das Ziel nach einer Schlussrunde in 85 (!) Sekunden abgeschlagen als Letzte. «Ich hatte mich nach dem Vorlauf gut erholt und wusste, wie ich laufen wollte», sagte Weyermann, völlig enttäuscht und in Tränen aufgelöst. Sie glaubte vorher, dass eine Zeit von 4:06 möglich wäre.
swissinfo und Agenturen
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