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Tessiner Justizaffäre: Italien erhebt formell Anklage

Der in der Schweiz in Auslieferungshaft sitzende mutmassliche Boss des italienischen Zigarettenschmuggels, Gerardo Cuomo, muss sich zusammen mit 83 weiteren Personen, darunter auch mehrere Schweizer, in Apulien vor Gericht verantworten.

Staatsanwalt Giuseppe Scelsi von der Antimafia-Behörden in Bari überwies laut einer Mitteilung die Akten ans Gericht. Wie die italienische Nachrichtenagentur AGI berichtete, sind unter den Beschuldigten neben dem in der Schweiz inhaftierten Neapolitaner Cuomo auch der flüchtige Mafiaboss Francesco Prudentino sowie mehrere Schweizer Staatsangehörige.

Bei den Anklagen geht es neben Schmuggel auch um die Vorwürfe der kriminellen Vereinigung, des Mordes, der Geldwäscherei, des Waffenhandels und der Steuerhinterziehung. Cuomo war am vergangenen 10. Mai auf Grund eines internationalen Haftbefehls in Zürich verhaftet worden. Das Bundesamt für Justiz hat über das italienische Auslieferungsgesuch noch nicht entschieden. Unterdessen eröffnete auch der Tessiner Sonderstaatsanwalt Luciano Giudici ein Verfahren gegen Cuomo.

Die Ermittlungen der italienischen Justiz gegen Cuomo hatten im vergangenen Frühsommer zur Tessiner Justizaffäre geführt. Dem Präsidenten des Tessiner Strafgerichts, Franco Verda, waren von den italienischen Ermittlern problematische Kontakte mit Cuomo nachgewiesen worden.

Verda muss sich im Tessin wegen Bestechlichkeit, Begünstigung und wiederholter Verletzung des Amtsgeheimnisses verantworten. Er war am vergangenen 24. August aus 20-tägiger Untersuchungshaft entlassen worden. Nach unbestätigten Berichten informierte der Magistrat Cuomo unter anderem vorab über ein Urteil der Tessiner Justiz betreffend die teilweise Freigabe von blockierten Vermögenswerten Prudentinos.

Auch Verdas Frau, die frühere Anwältin Cuomos, war vorübergehend verhaftet worden. Die Umstände des jahrelangen Aufenthalts Cuomos im Tessin sind inzwischen Gegenstand von Untersuchungen auf politischer Ebene. Weitere Personen, darunter ein Kadermann der Tessiner Kantonsverwaltung, müssen sich vor der Justiz verantworten.

Verda selber gehört nicht zu den Beschuldigten des italienischen Verfahrens. Hingegen sind mehrere Personen des Tessiner Finanzplatzes in die Affäre verwickelt. Laut einem Bericht des «Corriere del Ticino» vom Samstag (07.10.) sind unter den nun formell Angeklagten sieben Schweizer Staatsangehörige.

swissinfo und Agenturen

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