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Überraschender Rücktritt Humers als Roche-CEO

Roche-Konzernchef Humer nimmt Abschied von seinem Doppelmandat. Keystone

Der Rücktritt von Franz Humer als Chef des Basler Pharmakonzerns sorgt für Aufsehen. Über den geplanten Chef-Wechsel bei Roche gibt man sich am Markt überrascht.

Gut aufgenommen an der Börse wurde das Halbjahresergebnis des Konzerns, der auch für 2007 auf ein Rekordergebnis zusteuert.

Franz Humer gibt im nächsten Frühling das Amt des Konzernchefs beim Pharmakonzern Roche ab und konzentriert sich auf das Verwaltungsratspräsidium. Nachfolger als Konzernchef wird am 4. März 2008 Severin Schwan, zurzeit Leiter der Division Diagnostics, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.

Der Schweizer Pharma- und Diagnostikkonzerns Roche hat nach den Worten von CEO und Verwaltungsratspräsident Franz Humer mit dem vorgesehenen Wechsel an der Unternehmensspitze nicht auf internen oder externen Druck reagiert. «Wir sind in einer starken Position. Wir haben keinerlei Druck von aussen oder innen, das zu tun», sagte Humer am Donnerstag bei der Halbjahresmedienkonferenz in Basel.

Kritisierte Doppelmandate

Der Verwaltungsrat habe auf Grund der kontinuierlich zunehmenden Komplexität der Aufgaben beschlossen, die Position des Präsidenten und des Konzernchefs künftig aufzuteilen.

Der designierte Konzernchef Schwan ist 40-jährig und promovierter Jurist und Ökonom. Er begann seine Karriere bei Roche im Jahre 1993 im Finanzwesen. Seit dem 1. Januar 2006 ist Schwan Leiter der Roche-Division Diagnostics. Mit Schwan wird der gebürtige Österreicher Humer an der Konzernspitze durch einen weiteren Österreicher abgelöst.

Humer ist seit 1998 Konzernchef; 2001 übernahm er auch das Verwaltungsratspräsidium.

Die beiden Schweizer Pharmariesen Roche und Novartis werden seit langem wegen der Doppelmandate an der Spitze des Aufsichtsgremiums und des operativen Geschäfts kritisiert. Nun kommt Roche dem Lokalrivalen auch in dieser Beziehung zuvor. Entgegen Marktgerüchten hat Novartis bei der Bekanntgabe des Halbjahresresultats am letzten Dienstag keine Aufgabe des Doppelmandats von Konzernchef und Präsident Daniel Vasella angekündigt.

Rücktritt wird positiv aufgenommen

Der angekündigte Rücktritt von Franz Humer als Konzernchef von Roche überrascht. Schwan komme ziemlich unerwartet als Nachfolger von Humer, hiess es.

Bisher galt der Leiter der Pharmadivision, William Burns, als wahrscheinlichster Nachfolger von Humer. Händler hoben jedoch die Ankündigung, dass Severin Schwan im Frühjahr 2008 Franz Humer als CEO ablösen werde, als positiv hervor. «Das bringt mehr Sicherheit in die Story», hiess es.

Roche übertrifft Novartis

Der abtretende Roche-Konzernchef kann jedoch hervorragende Ergebnisse vorweisen: Der Pharmakonzern Roche war auch im ersten Halbjahr 2007 schneller als Novartis unterwegs und hat den Lokal-Konkurrenten beim Gewinn sogar überholt.

Roche weist einen Halbjahresgewinn von 5,862 Mrd. Franken aus. Das sind 29% mehr als in der Vorjahresperiode und übertrifft die Erwartungen der Finanzanalysten deutlich. Der Umsatz wuchs um 15% auf 22,827 Mrd. Franken. In Lokalwährungen nahmen die Verkäufe ebenfalls um 15% zu.

Roche übertrifft damit Novartis: Der Gewinn von Novartis beträgt im ersten Halbjahr 4,2 Mrd. Dollar, das sind 14% mehr als im Vorjahr. Die Verkäufe summierten sich von Januar bis Juni auf 19,9 Mrd. Dollar. Für das Gesamtjahr 2007 rechnet der Basler Gigant dagegen beim Umsatz nur noch mit einem Wachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich. Grund für den Dämpfer sind der Verkaufsstopp für das Reizdarmmedikament Zelnorm sowie die Generikakonkurrenz für Lotrel und Lamisil.

Beeindruckende Roche-Ergebnisse

Die Pharmadivision von Roche steigerte den Umsatz um 18%, wobei Roche seine führende Position bei den Krebsmedikamenten mit einer Verkaufszunahme von 22% weiter ausbaute.

Humer bezeichnete das Resultat laut der Mitteilung als beeindruckend. Vor allem im Pharmageschäft habe Roche zusätzliche Marktanteile gewonnen.

Im Ausblick bekräftigte der Konzern die Erwartung, auch für das ganze Jahr ein zweistelliges Umsatzwachstum in Lokalwährungen zu erreichen. Das Gewinnwachstum pro Aktie soll über der Umsatzzunahme liegen.

swissinfo und Agenturen

Roche wurde 1896 in Basel gegründet. Kerngeschäft sind Pharma und Diagnostik.
Der Konzern ist Nummer eins im globalen Diagnostik-Markt und führender Anbieter von Krebs- und Transplantations-Medikamenten
Umsatz 2006: 42 Mrd. Franken
Gewinn: 9,2 Mrd. Fr. (+17% gegenüber Vorjahr)
Mitarbeitende weltweit: 76’665
Mitarbeitende Schweiz: 7860

Roche will die feindliche Übernahme der US-Diagnostikfirma Ventana durchziehen, sollte es keine Verhandlungslösung geben, sagte Konzernchef Fanz Humer am Donnerstag dem Fernsehsender CNBC.

Humer wiederholte, dass die Offerte von 75 Dollar je Ventana-Aktie oder insgesamt rund 3 Mrd. Dollar fair und angemessen sei.

Das Ventana-Management hat den Übernahmeversuch zurückgewiesen.

Das Grippemedikament Tamiflu hat sich im ersten Halbjahr 2007 trotz mildem Winter ausserordentlich gut verkauft. Dies war auf die Pandemievorsorge von Regierungen und Unternehmen zurückzuführen, die ihre Vorräte weiter aufstockten.

Es liegen Bestellungen von Regierungen aus mehr als 80 Ländern für insgesamt rund 215 Mio. Behandlungszyklen vor. Das in den vergangenen zwei Jahren aufgebaute weltweite Produktionsnetzwerk sei derzeit in der Lage, bei Bedarf jährlich 400 Mio. Behandlungszyklen herzustellen, teilte Roche am Donnerstag mit.

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