Mit der Schweiz im Herzen in die Heimat zurückkehren

Ramiz Salihu: "Die Rückkehr war nicht einfach." swissinfo.ch

Nach der Flucht in die Schweiz kam für Ramiz Salihu und Homez Morina die Rückkehr an ihren Heimatort im Kosovo. Ein nicht einfacher Neuanfang, der von der Schweiz unterstützt wurde.

Dieser Inhalt wurde am 27. August 2008 - 14:51 publiziert

Es herrscht Andrang auf den Strassen in Pristina. Hubraumstarke Autos mit ausländischen Nummernschildern besetzen die raren Parkplätze und nehmen auch die Gehsteige in Beschlag. Sie machen das Leben der Fussgänger noch schwieriger als es schon ist.

Im Kosovo findet in den Sommerferien alljährlich eine "Invasion" statt: Zehntausende von emigrierten Kosovaren aus ganz Europa strömen in ihre Heimat.

Dabei stechen vor allem die zahlreichen Schweizer Nummernschilder ins Auge: Aargau, Zürich, St. Gallen, Wallis, Tessin...

Ramiz Salihu und Homez Morina kennen das Land, wo all die Autos mit den Schweizerkreuz-Nummernschildern herkommen. Sie beobachten die Rückkehrer aus der Schweiz – ein bisschen neidisch und mit Sehnsucht.

Auslandzahlungen überlebenswichtig

"Nach 15 Jahren in der Schweiz, war es schwierig, zurück zu kommen", sagt Ramiz Salihu, der vor den Serben in die Schweiz geflüchtet war. Heute lebt er in Skivjan, einem Dorf im Osten des Kosovo.

"Die wirtschaftliche Situation ist katastrophal, und die Beziehungen zu den Leuten sind komplizierter als in der Schweiz. Dort traf ich mich mit Serben, Bosniern und Albanern. Verkehrt man hier mit den 'Falschen', stösst man sofort auf Misstrauen", sagt Ramiz Salihu, der der ägyptischen Minderheit im Kosovo angehört.

Leihe man hier jemandem 100 Euro aus, müsse man 200 oder 300 zurückbezahlen. "Und das sollte man dann besser auch tun", sagt Ramiz Salihu und senkt den Blick. Dann zeigt er stolz eine Visitenkarte einer Pizzeria in Bern. Dort habe er gearbeitet, obwohl ihm das als Flüchtling in der Schweiz untersagt war. Von den 2200 Franken, die er im Monat verdiente, schickte er wenn irgendwie möglich 200 bis 300 Franken an die Eltern im Kosovo. "Ohne Zahlungen aus dem Ausland könnte unser Dorf nicht überleben", so Ramiz Salihu.

"Ich hatte keine Wahl"

Eines Tages sei die Polizei in die Pizzeria gekommen und habe ihm gesagt, er müsse das Land verlassen, erzählt Ramiz Salihu. "Ich ging nicht gerne weg aus der Schweiz, da ich hier viele Freunde gewonnen hatte. Doch ich hatte keine Wahl."

Um die Rückkehr in die Heimat zu erleichtern, haben das Bundesamt für Migration (BFM) und die Internationale Organisation für Migration (IOM) Ramiz Salihu vorgeschlagen, am Rückkehrhilfeprogramm teilzunehmen. Dieses soll die Rückkehr und die Reintegration von asylsuchenden Personen erleichtern.

Dank einer Starthilfe konnte Ramiz Salihu für den Materialtransport ein Landwirtschaftsfahrzeug anschaffen. Zudem kam er in den Genuss eines Ausbildungskurses.

Held in der Heimat

2006, zwei Jahre nach seiner Rückkehr in den Kosovo, habe er die Möglichkeit erhalten, ein Projekt für die Dorfgemeinschaft zu entwickeln. Da im Dorf Strommangel herrschte, habe er den Bau eines Transformators vorgeschlagen.

Die Zusammenarbeit zwischen OIM und dem Dorf Skivjan trägt Früchte: Zwar haben immer noch einige der 45 Familien kein fliessendes Wasser, doch der Kühlschrank und der Fernsehanschluss funktioniert.

Als er nach Skifjan zurückgekommen sei, hätten ihn alle gefragt, weshalb er nicht in der Schweiz geblieben sei und weshalb er nicht eine Schweizerin geheiratet habe. "Jetzt gratulieren mir alle für den Transformator – sie sehen mich als eine Art Helden", sagt Ramiz Salihu. Er danke der Schweiz und dem OIM, dass sie seine Idee unterstützt hätten.

Keine Zeit für Sport

Auch der 25-jährige Ägypter Homez Morina, der 18 Monate als Flüchtling in der Schweiz lebte, hat von der Rückkehrhilfe profitiert. Er ist Ende 2006 zu seiner Frau und den Söhnen in Gjakova zurückgekehrt.

Mit dem Geld der Rückkehrhilfe hat er sich ein Auto für den Holztransport gekauft. Damit könne er 10 bis 20 Euro pro Tag verdienen.

"In der Schweiz spielte ich gerne Fussball", sagt Homez Morina. "Jetzt habe ich leider keine Zeit mehr für Sport. Meine Kinder wollen etwas zu essen."

"Nicht alle in denselben Topf werfen

Während seinem Aufenthalt im Durchgangszentrum für Asylsuchende im Kanton Graubünden hat Homez Morina Deutsch gelernt. Er hat auch versucht, in der Schweiz eine Arbeit zu finden, doch vergeblich. "Nein danke, wir hatten in der Vergangenheit schon genug Probleme mit Leuten aus dem Kosovo", habe es immer wieder geheissen.

Wenn Freunde aus der Schweiz über die zunehmende Stigmatisierung gegenüber Immigranten aus dem Balkan und die Problematik krimineller Kosovaren sprechen, wird Homez Morina wütend. "Ich bin auch dafür, dass kriminelle Asylsuchende ausgeschafft werden. Man darf jedoch nicht alle Kosovaren in denselben Topf werfen."

Dieser Meinung ist auch Ramiz Salihu: "Wer Probleme macht, soll dafür bestraft werden. Es ist jedoch nicht richtig, auch jene zu bestrafen, die sich korrekt verhalten."

swissinfo, Luigi Jorio, Gjakova
(Übertragung aus dem Italienischen: Corinne Buchser)

Fakten

Bevölkerung im Kosovo: 2,1 Mio. (gemäss Schätzung von 2007)
Fläche: 10'887 km2 (Schweiz: 41'285 km2)
Offizielle Sprachen: Albanisch und Serbisch
Ethnische Gruppen: 92% Albaner, 5% Serben, 3% andere (Roma, Ashkali, Ägypter)
In der Schweiz leben zwischen 170'000 und 190'000 Kosovarinnen und Kosovaren. Das entspricht rund 10% der Bevölkerungszahl im Kosovo.

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Rückkehrhilfe

Das Rückkehrhilfeprogramm wendet sich namentlich an asylsuchende Personen sowie bestimmte Personengruppen im Ausländerbereich.

Das Bundesamt für Migration (BFM) setzt dieses Programm zusammen mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und den zuständigen kantonalen Stellen und Hilfswerken um.

Die Rückkehrhilfe umfasst folgende Bereiche: Rückkehrberatung, individuelle Rückkehrhilfe (Organisation der Reise, individuelle Projekte, finanzielle Starthilfe, medizinische Hilfe, Ausbildungsangebote), Programme im Ausland, Strukturhilfe (z.B. Bau von Schulen oder Spitälern).

Mit der Migrations-Partnerschaft für den Westbalkan in den Jahren 2007-2009 (Budget: 1,5 Mio. Franken) will die Schweiz besonders verletzliche Personen und Minoritäten unterstützen.

Seit 1999 hat die Schweiz für rund 34'000 Kosovaren Rückkehrhilfe geleistet.

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