Nolans «Odyssee» kurbelt den Buchverkauf in der Schweiz an
Der Hype um "Die Odyssee" beschränkt sich nicht auf die Kinosäle. Die Verfilmung von Christopher Nolan hat auch in den Schweizer Buchhandlungen für ein steigendes Interesse an Homers Werk gesorgt.
(Keystone-SDA) In der Deutschschweiz stelle man eine gestiegene Nachfrage nach Homers «Odyssee» fest, hiess es bei Orell Füssli auf Anfrage von Keystone-SDA. Die erhöhte Nachfrage «ist in unseren Filialen deutlich spürbar und verteilt sich auf verschiedene Ausgaben und Editionen des Werks». Einen konkreten prozentualen Anstieg könne man jedoch nicht beziffern. Interessanterweise beobachte man nicht nur ein verstärktes Interesse an der «Odyssee», sondern generell eine höhere Nachfrage nach Literatur rund um die Antike.
Dass Verfilmungen die Nachfrage nach den literarischen Vorlagen ankurbeln, gibt es häufig. Beim neuen Film von Christopher Nolan sei aufgrund der grossen medialen Aufmerksamkeit entsprechend mit einem solchen Effekt zu rechnen gewesen, heisst es bei Orell Füssli weiter. Man habe das Thema im Hinblick auf den Kinostart frühzeitig aufgenommen und die entsprechenden Titel in den Filialen prominent präsentiert.
Auch in der Westschweizer Buchhandlungskette Payot ist Homers Werk zuletzt auf zunehmendes Interesse gestossen. Nach einem Anstieg von etwa 17 Prozent zwischen 2023 und 2024 stiegen die Verkaufszahlen im Jahr 2025 um fast 60 Prozent, ehe sie 2026 um mehr als 880 Prozent in die Höhe schossen. Dieser Boom lässt sich dem Unternehmen zufolge insbesondere mit der Erweiterung des Verlagsangebots erklären.
Damit reiht sich die Schweiz in eine internationale Tendenz ein. Im Vereinigten Königreich sind die Verkäufe gedruckter Exemplare der Odyssee in den vier Wochen vor dem 25. Juli im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres um 1400 Prozent gestiegen, wie die Daten des Marktforschungsunternehmens Nielsen IQ zeigen.
Christopher Nolans Epos «Die Odyssee» ist seit Mitte Juli in den Schweizer Kinos zu sehen. Die Verfilmung hat laut den Zahlen des Kino-Dachverbands Pro Cinema bereits rund eine halbe Million Zuschauerinnen und Zuschauer in die Kinosäle gelockt. Im laufenden Jahr stiess bislang kein anderer Film auf so grosses Interesse.
«Odyssee» ist kein Einzelfall
Das Phänomen «Odyssee» ist kein Einzelfall. Ein Paradebeispiel für die Wechselwirkung zwischen Literatur und Kino ist Harry Potter. Die Romane von J. K. Rowling hatten zunächst eine grosse Leserschaft erreicht, ehe die Verfilmungen dem Hype eine neue Dimension verliehen und auch den Erfolg im Buchhandel noch weiter verstärkten.
Zuletzt hatte auch der Kinostart des Films «Der Graf von Monte Christo» im Jahr 2024 eine Explosion der Buchverkäufe ausgelöst. Die Verkaufszahlen des Romans von Alexandre Dumas verzehnfachten sich, die Verlage konnten die grosse Nachfrage nur mit Nachdrucken stemmen.