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Pionierin der Zivilluftfahrt

Die Lockheed Orion, das 1932 von der Swissair angeschaffte "Expressflugzeug".

(Swissair)

An Ostern ging nach über 70 Jahren die "Ära Swissair" endgültig zu Ende. Ein Blick zurück auf die Gründungszeit des einstigen nationalen Aushänge-Schildes.

SR 144 - der Code des Swissair-Linienflugs, der am Samstagabend um 22.35 Uhr in Zürich-Kloten mit Destinaton São Paulo abhebt. Am Montagmorgen um 7.20 Uhr ist die Maschine - nun als SR 145 - wieder zurück. Die letzte Linienflug-Landung einer Swissair-Maschine überhaupt. Der Endpunkt einer Ära.

Aus Fusion entstanden

Die Swissair bestand über 70 Jahre. Gegründet wurde die Airline am 26. März 1931: Auf behördlichen Druck fusionierten damals die Zürcher Fluggesellschaft Ad Astra und die Basler Balair. Das Streckennetz umfasste neben den Schweizer Städten Zürich, Basel, Bern, Lausanne und Genf auch einige ausländische Destinationen: München, Wien, Prag, Berlin, Frankfurt, Amsterdam und Paris.

Die Swissair mauserte sich unter ihren ersten Direktoren, der Flieger-Legende Walter Mittelholzer und dem Nationalrat Balthasar Zimmermann, rasch zu einer Pionierin des europäischen Luftverkehrs: Mit dem Kauf von neuen amerikanischen Schnellflugzeugen vom Typ Lockheed Orion im Jahre 1932 verfügte man über die schnellste Flotte Europas. Die Flugzeuge fassten neben dem Piloten 4 Passagiere und erreichten Geschwindigkeiten von bis zu 260 Stundenkilometern - rund hundert Stundenkilometer mehr als alle anderen Maschinen Europas.

"Bereits in der Pionierphase war es das oberste Ziel der Swissair, Geschäftsleuten und Touristen möglichst direkte Verbindungen anzubieten", sagt der 82-jährige Alfred Waldis, erster Direktor des Verkehrshauses in Luzern und intimer Kenner der Pionierphase der Schweizer Zivilluftfahrt, gegenüber swissinfo.

Im Zuge dieser Strategie baute die Swissair in den dreissiger Jahren ihr europäisches Streckennetz sukzessive aus. Nach dem Zweiten Weltkrieg flog die Swissair auch Destinationen in Übersee an.

Die erste Stewardess

Für Furore sorgte die Swissair 1934, als sie als erste Airline Europas Stewardessen einstellte. "Die Stewardessen jener Tage hatten noch keine Uniform. Sie mussten sich mit einer weissen Schürze begnügen", sagt Alfred Waldis.

Die erste Swissair-Stewardess war Nelly Diener. Die inländische Presse bejubelte die junge Frau als "blonde, lockige, langbewimperte Dame" - als "Engel der Lüfte". Das Frohlocken war von kurzer Dauer: Bereits im Juli 1934 stürzte bei Tuttlingen eine der neuen 14-plätzigen Swissair-Maschinen vom Typ Curtiss Condor ab. Bilanz: 12 Tote, unter ihnen Nelly Diener.

"Manchmal habe ich gestrickt..."

Vom tragischen Unglück nicht schrecken liess sich Johanna Bigler-Vögeli: Sie wurde die zweite Stewardess im Dienste der Swissair. "Ich wollte eine Pionierin sein. Ich wollte die Welt sehen", bekannte Bigler-Vögeli in einem Interview mit Schweizer Radio International im April 1974. "Unsere Hauptaufgabe war dafür zu sorgen, dass sich an Bord jedermann wohl fühlte. Viele hatten Angst vor dem Fliegen."

Die Verpflegung war zu jenen Zeiten noch nicht im Ticket inbegriffen. Essen und Getränke gab es nur gegen Bezahlung. "Wir hatten Tee, Kaffee, Sandwichs, Suppe und Früchte im Sortiment. Eine Bordküche gab es nicht. Wir bereiteten die Verpflegung zu Hause vor und nahmen sie in Taschen und Thermoskrügen mit ins Flugzeug", so Bigler-Vögeli.

Johanna Bigler-Vögeli liebte ihren Beruf. Sie sei ein "lucky bird" gewesen und habe "stets viel Spass gehabt": "Öfters spielten wir mit den Passagieren Karten. Manchmal jodelten wir. In ruhigen Momenten habe ich an Bord gestrickt: Socken für meinen Liebsten."

Schon in den Dreissigern Nationalsymbol

Das öffentliche Interesse an der Swissair war in der Schweiz von Beginn weg gross. Von Bedeutung sei da insbesondere der Flugpionier Walter Mittelholzer gewesen, ist Alfred Waldis überzeugt. Mittelholzers Pionierflüge - unter ihnen die erste Afrika-Traversierung 1927 - hätten in der damaligen Zeit viel zur Popularität der Fliegerei beigetragen.

Hinter dem stetigen öffentlichen Interesse an der Swissair standen jedoch auch handfeste materielle Interessen: Tausende von Schweizerinnen und Schweizern kauften sich Swissair-Aktien. "Durch die breite Streuung der Aktien geriet die Swissair schnell zu einem nationalen Symbol", sagt Waldis. "Die Schweizer sprachen mit gutem Grund von 'unserer' Swissair."

Felix Münger


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