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Humanitäre Hilfe erhält neuen Chef

Manuel Bessler bringt jahrelange Erfahrung "im Feld" mit.

(swissinfo.ch)

Manuel Bessler ist zum Delegierten für Humanitäre Hilfe und Chef des Schweizerischen Korps für Humanitäre Hilfe (SKH) ernannt worden. Zudem wird Bessler Vizedirektor der Deza. Er tritt die Nachfolge von Toni Frisch an, der über 10 Jahre im Amt war.

Die Ernennung durch den Bundesrat erfolgte nach einer langen Schweigeperiode des Departementes für auswärtige Angelegenheiten (EDA) über die Nachfolge Frischs, während der die humanitäre Gemeinschaft in der Schweiz besorgt war, dass der humanitäre Arm der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) in deren Entwicklungspolitik integriert werden könnte.

In einem Exklusiv-Interview mit swissinfo.ch sagt Manuel Bessler, er werde alles tun, um die gute und wichtige Arbeit der Humanitären Hilfe aufrechtzuerhalten.

Der 53-jährige Jurist und erfahrene Feldarbeiter ist derzeit Chef des UNO-Koordinationsbüros für humanitäre Angelegenheiten in Pakistan (Ocha). Im Oktober tritt er sein neues Amt an.

Laut Bessler ist die Schweiz eine wichtige, anerkannte und respektierte Spendernation und hilft den Akteuren im Feld, grundsätzliche und wirksame humanitäre Hilfe zu leisten.

swissinfo.ch: Was möchten Sie in Ihrem neuen Amt erreichen?

Manuel Bessler: Mein Hauptziel ist es zu garantieren, dass die Schweiz weiterhin ihr anerkanntes Ansehen beibehalten kann, als wichtiger humanitärer Player in der internationalen Gemeinschaft, basierend auf ihrer humanitären Tradition, ihrer Erfahrung, ihrem Wissen, die es ihr erlauben, menschliches Leiden zu lindern.

swissinfo.ch: Sie sind ein sehr engagierter "Feldarbeiter". Wie fühlen Sie sich dabei, jetzt wieder in ihr Heimatland zurückzukehren und dort am Hauptsitz der Deza zu arbeiten?

M.B.: Das wird sicher eine Herausforderung. Aber die Arbeit an einem Hauptsitz ist für mich nicht neu, ich habe ja für die UNO in New York gearbeitet. Eine solche Arbeit gehört zur humanitären Aktivität. Ohne diese kann auf dem Feld nicht gearbeitet werden, und ohne Feldarbeit sind Hauptsitze nutzlos.

Nachdem ich drei Jahre lang im Feld gearbeitet habe, freue ich mich jetzt auf ein Leben in einem geregelteren Umfeld. Und natürlich bin ich sehr glücklich, nach so vielen Jahren wieder in die Schweiz zurückzukehren.

swissinfo.ch: Hatten Sie während Ihrer Tätigkeit im Feld auch mit der Deza zusammengearbeitet?

M.B.: Ich habe für einige Zeit als Partner der Deza gearbeitet. Nicht nur in Pakistan, auch in Jerusalem und bei meiner Arbeit im Politikdepartement im UNO-Hauptquartier in New York. Ich hatte engen Kontakt zur Deza, die verschiedene Projekte mitfinanzierte, bei denen ich mitarbeitete.

Die Deza ist für mich nichts Neues, aber innerhalb der Organisation im Team selber zu arbeiten, wird für mich neu sein. Es ist eine Herausforderung, die ich gerne und motiviert annehme.

swissinfo.ch: Sie sind der Nachfolger von Toni Frisch, der über zehn Jahre im Amt war. Mit Ihrer Ankunft wird es wahrscheinlich zu einigen Veränderungen kommen. Was sind Ihre Pläne für Ihren neuen Job?

M.B.: Zuerst wird es für mich sicher eine Lernperiode geben, um die Deza, die Bundesverwaltung und die operative Seite der Organisation richtig kennenzulernen.

Ich freue mich, mit meinen neuen Kolleginnen und Kollegen zusammenzusitzen und dafür zu sorgen, dass die Deza weiterhin eine wichtige Rolle in der Schweizer Aussenpolitik spielt und mit ihren humanitären Traditionen und Verpflichtungen ein wichtiger Teil davon bleibt.

swissinfo.ch: Innerhalb der Deza ist die Entwicklungshilfe um einiges bedeutender als die Humanitäre Hilfe. Es gab Befürchtungen, dass der humanitäre Bereich in die Entwicklungshilfe integriert wird. Glauben Sie, dass die Humanitäre Hilfe so bleibt wie sie heute ist, oder befürchten Sie, dass sie heruntergefahren wird?

M.B.: Es wird sehr wichtig sein, sehr eng mit meinen Kollegen vom Entwicklungsbereich der Deza zusammenzuarbeiten. Ich sehe das nicht als zwei getrennte Bereiche. Humanitäre und Entwicklungshilfe müssen Hand in Hand arbeiten.

Da ich von der humanitären Seite her komme, hoffe ich sehr, dass diese ein wichtiger Teil der Schweizer Aussenpolitik bleibt – es geht um die Rettung von Menschenleben, das muss schnell, gut koordiniert und mit viel Ressourcen geschehen.

In diesem Bereich besitzt die Schweiz nicht nur eine Tradition, sondern viel Erfahrung und Wissen. Die Schweiz ist ein wichtiger Player in der internationalen Szene. Das müssen wir beibehalten. Ich werde alles tun, um unsere Werte und Erfahrungen in diesem Bereich zu erhalten.

swissinfo.ch: Gibt es einen speziellen Bereich in der Humanitären Hilfe der Deza, der besondere Aufmerksamkeit erfordert?

M.B.: Wenn es um den schnellen Einsatz von Such- und Rettungsteams geht, hat die Schweiz viel zu bieten. Das wollen wir weiterhin tun. Es ist auch sehr wichtig, vor Ort präsent zu bleiben sowie etwas zu hinterlassen. Und nicht nur etwas anzufangen und dann wegzugehen.

Ich sehe auch einen wichtigen Beitrag der Humanitären Hilfe der Deza in mittel- und langfristigen Aktivitäten sowie in der Aufrechterhaltung der gemeinsamen Anstrengungen mit den Entwicklungspartnern.

Es sind drei Elemente, auf die wir besonders schauen sollten: der sofortige und rasche Einsatz unserer humanitären Mittel; mittel- und langfristige Arbeit zum Aufbau von Nachhaltigkeit und Kapazitäten, um Infrastrukturschäden zu rehabilitieren; und längerfristige Aktivitäten in Sachen Entwicklungshilfe.

Manuel Bessler

Manuel Bessler leitete während der letzten beiden Jahre das Koordindationsbüro der Vereinten Nationen für humanitäre Angelegenheiten in Pakistan (Ocha).

Der 1958 in Zürich geborene Jurist trat 1991 beim Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ein und war dort bis 2000 in diversen Einsätzen tätig.

Unter anderem war er juristischer Berater der IKRK-Delegation in Israel und in den besetzten palästinensischen Gebieten. Zudem arbeitete er als Leiter der IKRK-Mission in Tschetschenien und der IKRK-Delegation im Irak.

1994 diente Bessler als militärischer Mitarbeiter des Generalinspekteurs der UNO-Schutztruppen im ehemaligen Jugoslawien.

Seit 2000 arbeitet er bei den Vereinten Nationen (UNO) in New York.

Bessler ist Autor verschiedener UNO-Publikationen. Er studierte an der Universität Zürich und an der Harvard Law School in den USA.

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(Übertragung aus dem Englischen: Jean-Michel Berthoud), swissinfo.ch

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