Frischs positive Zwischenbilanz über Haiti-Nothilfe

Grosser Andrang bei der Trinkwasser-Verteilung. Keystone

Zwei Wochen nach dem schweren Erdbeben in Haiti hat das Schweizerische Korps für humanitäre Hilfe eine Bilanz der Schweizer Nothilfeaktion gezogen. Trotz positiven Ergebnissen ist klar: Die Hilfe hat noch längst nicht alle erreicht.

Dieser Inhalt wurde am 26. Januar 2010 - 16:27 publiziert

Die Würde und Gelassenheit, mit der die Haitianer ihr Schicksal ertrugen, sei ausserordentlich, sagte Toni Frisch, Chef der humanitären Hilfe des Bundes nach seiner Rückkehr von einem viertägigen Aufenthalt in Haiti in Bern.

Er zog trotz schwieriger Bedingungen im Katastrophengebiet eine positive Zwischenbilanz der Schweizer Nothilfe. "Wir wollen keine Staubwolke verursachen, sondern eine messbare Leistung erbringen", so Frisch.

Ein Fokus der Schweizer sei neben der medizinischen Betreuung das Engagement für Obdachlose.

So sollen in den nächsten Wochen Notunterkünfte für rund 20'000 Obdachlose geschaffen und in Verteilzentren Trinkwasser für rund 100'000 Menschen zur Verfügung gestellt werden.

Das UNO-Büro zur Nothilfe-Koordinierung rechnet mit 800'000 bis zu einer Million Haitianer, die ihr Heim verloren haben.

"Schreckliche Szenen"

"In all dem Grauen spielen sich schreckliche Szenen ab", sagte ein sichtlich bewegter Olivier Hagon, der in Haiti als Mediziner und Ärztekoordinator im Einsatz war. Er erzählte von einem 12-jährigen Mädchen, dass vergewaltigt wurde, nachdem es aus den Trümmern gerettet worden war.

"Diese Bilder vergesse ich nie", so Hagon. Doch gleichzeitig sei er auch froh darüber, dass Hilfe für Hunderte von notdürftigen Menschen geleistet werden konnte.

So haben die Schweizer Helfer etwa innert weniger Stunden nach ihrer Ankunft in Haiti mit Unterstützung des haitianischen Roten Kreuzes und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) im Universitätsspital von Port-au-Prince einen Operationssaal eingerichtet.

"Verrückte" Arbeitsbedingungen

"Angesichts der gewaltigen Bedürfnisse bräuchte man Tausend Hände", sagte Hagon. "Der Schrecken schien kein Ende zu nehmen."

Das Schweizer Ärzteteam entschied sich deshalb, die Hilfe auf die Schwächsten zu fokussieren, auf Kinder und Schwangere, wie Hagon erklärt. Bisher wurden laut Hadorn über 170 Operationen durchgeführt.

Weiter seien Kinder mit Infektionen und Wundbrand behandelt und Geburtshilfe geleistet worden. "In einer Katastrophe wie dieser gilt es nicht nur, die Verletzten zu pflegen, es ist auch wichtig, sich um neues Leben zu kümmern", sagt Hagon und lobte die Zusammenarbeit mit dem haitianischen Gesundheitspersonal.

Die starken und wiederholten Nachbeben hätten jedoch die Arbeit stark erschwert. Aus Sicherheitsgründen musste das Schweizer Ärzteteam das bereits beschädigte Spital verlassen und unter "verrückten" Arbeitsbedingungen draussen unter Bananenbäumen operieren.

Dritter Hilfsgüterflug

Zwei Wochen nach dem Beben in Haiti ist in Santa Domingo das dritte Flugzeug aus der Schweiz mit insgesamt 105 Tonnen Hilfsgütern wie Lebensmitteln, medizinischem Material und Zelten gelandet.

Die Beiträge der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) sowie der humanitären Hilfe für die Opfer in Haiti belaufen sich im Moment auf 9,2 Mio. Franken. Die Schweizer Glückskette sammelte zudem bisher rund 25 Mio. Franken an Spenden.

Am kommenden Dienstag soll in Bern zusammen mit der Glückskette und ihren Partnerorganisationen eine erste Sitzung stattfinden, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Armando Mombelli, swissinfo.ch
(Adaption aus dem Italienischen: Corinne Buchser)

Haiti ist eines der ärmsten Länder und belegt in der Liste des UNO-Index' zur menschlichen Entwicklung Platz 153.

Seit Jahren prägen gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Instabilität sowie mangelnde Sicherheit das Leben der Bewohner.

Angesichts dieser desolaten Situation hat die Dirketion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ihr Engagement in Haiti seit 2004 ausgebaut.

2006 eröffnete sie in Port-au-Prince ein Deza-Büro und betreibt seither ein humanitäres Sonderprogramm.

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