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Wasser Diese Schweizer verfolgen in Afrika ein junges Konzept der Entwicklungsarbeit

Ein Gruppenbild von jungen Menschen, die vor einem Fenster stehen.

Das Team von Viva von Agua will mit Spass und Kunst das Trinkwasser zelebrieren. 

(ZVG)

Begeistern statt belehren: Spass, Events und Freundschaften stehen im Zentrum eines Schweizer Vereins, der sich dem Umgang mit und dem Zugang zum Wasser verschrieben hat. Vor allem in Ländern mit junger Bevölkerung verspricht diese Herangehensweise Erfolge.

Entwicklungsarbeit, aber anders: Statt dass Europäer in ein afrikanisches Dorf fahren, einen Brunnen bauen und wieder abreisen, zelebriert ein Schweizer Verein das Trinkwasser als ausgelassene Party mit Musik und Kunst.

In den ruralen Gegenden von Mosambik haben zwei Drittel der Dörfer keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Oft fehlt es an Wissen über Sanitärversorgung und Hygiene, die für Ernährung und Gesundheit grundlegend sind.

Mit Konzerten, Streetart und Beachsoccer behandelt die Schweizer Organisation Viva con Aguaexterner Link solche Themen auf spielerische Art und Weise. Schliesslich sind in diesem ostafrikanischen Land mit einer Bevölkerung von 30 Millionen rund 65 Prozent unter 25 Jahre alt, das Medianalter liegt bei 17 Jahren – statt auf Frontalunterricht oder Broschüren setzen die Schweizer deshalb auf eine zielgruppengerechte Herangehensweise.

"Andere halten Reden, die niemanden interessieren"

"Das Konzept hat mich sofort überzeugt, diese Herangehensweise unterscheidet sich stark von anderen NGOs", sagt Biché Carimo. Der 22-jährige Student nahm in der Hauptstadt Maputo 2014 zum ersten Mal an einem Festival teil. 2017 begann er, die Organisation vor Ort zu unterstützen. "Die Schweizer haben eine klare Botschaft, aber sie verbreiten sie durch Unterhaltung, Zusammensein, Spass und Kunst. Andere NGOs gehen in die Schulen und halten lange Reden, die niemanden interessieren", sagt er.

Dieses Rezept verfolgt Viva con Agua nun schon seit zehn Jahren. 2009 wurde der Schweizer Ableger der in Hamburg gegründeten NGO geboren. Geschäftsleiter Gregor Anderhub ist von Anfang an dabei. Der Spass soll im Zentrum stehen, sagt der 33-jährige Luzerner. Statt Kooperationen bilden sich Freundschaften, die dank Social Media auch nach Abreise des Teams weiterbestehen.

Soziales Engagement als trendy Lifestyle. Das scheint Eindruck hinterlassen zu haben: Nun will eine Gruppe von mehrheitlich jungen Erwachsenen in Maputo ihre eigene Organisation gründen. Noch dieses Jahr soll es so weit sein. Deshalb hat die Organisation zwei Vertreter, den Studenten Biché Carimo und die Projektmanagerin Helia Chamuel, zu einer Art Summerschool nach Europa eingeladen.

Video Viva Con Agua Youtube

Video zum Projekt Viva Con Agua in Mosambik

Auf Augenschein in Europa

In Deutschland wie in der Schweiz nahmen die beiden an Sitzungen und Veranstaltungen der Organisation teil, um zu sehen, wie Festivals, Schulbesuche und Fussballturniere geplant werden; an Workshops lernten sie Teambuilding-Strategien sowie Freiwilligen-Management kennen.

Auch in der Schweiz organisiert Viva con Agua Kulturabende mit Musik und Kunst. Bekannt sind sie vor allem durch ihre Becherjägerinnen und Becherjäger an Festivals: Durch die Abgabe des Trinkbechers spendet man das darauf erhobene Depot an Wasserprojekte in Mosambik und in Nepal.

Feiern allein reicht für Zugang zu Trinkwasser jedoch nicht. Aus diesem Grund unterstützt Viva con Agua vor Ort die Schweizer Organisation Helvetas beim Bau von Infrastruktur wie Wasserpumpen und Tanks. In den letzten zehn Jahren wurden durch die Unterstützung der unkonventionellen Hilfsorganisation bereits über 150’000 Menschen der Zugang zu Wasser ermöglicht, sagt Anderhub. Und allein dieses Jahr habe der Verein an Festivals in der Schweiz über 85'000 Franken gesammelt.

Nicht exportierbare Strategien

"In Mosambik würde das nicht funktionieren, schon nur weil wir keine gemeinnützigen Festivals haben", sagt Carimo. Die Projekte von Viva con Agua Mosambik werden sich deshalb von denjenigen in der Schweiz unterscheiden.

Statt dem oft gepredigten Konzept der Hilfe zur Selbsthilfe nachzuleben, möchte VcA der lokalen Organisation möglichst viele Freiheiten lassen: "Wir wollen nicht den klassischen Entwicklungsgedanken verfolgen", sagt Anderhub. "Unsere eigenen Vorstellungen sind vor Ort manchmal realitätsfern. Deshalb wollen wir die Gestaltungsfreiheit den betroffenen Menschen überlassen und lokale, innovative Ansätze fördern."

Schon die diesjährige Wasserwoche, ein Festival rund ums Thema Trinkwasser, wurde von einem Team aus rund 15 Volunteers aus Mosambik weitgehend selbständig organisiert; die Schweizer Freiwilligen wirkten nur unterstützend im Hintergrund. Darin sieht auch Helia Chamuel einen Vorteil: "Der richtige Umgang mit Wasser ist ein sensibles Thema, gerade was die Körperhygiene angeht", erklärt die 47-jährige Projektmanagerin. "Viva con Agua setzt auf Fröhlichkeit, spricht darüber als Situation und nicht als Problem. Das hilft."

Zwei Frauen stehen lachend in einem Kreis von Menschen.

Die Jungen ansprechen: Das will Viva con Agua erreichen, indem der Verein eine klare Botschaft durch Unterhaltung, Zusammensein, Spass und Kunst verbreiten.

(ZVG)

Einfach werde ihre Arbeit in Mosambik aber dennoch nicht werden: "Eine grosse Herausforderung ist es, Freiwillige zu finden. Dieses Konzept gibt es in Mosambik nicht. Wenn wir Freunden von Viva con Agua erzählen und fragen, ob sie mitmachen wollen, lautet die erste Frage immer: Wie viel verdiene ich?", sagt Chamuel. "Wir müssen dann erklären, dass man zwar kein Geld erhält, dafür aber das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und sich gut fühlt." Zurzeit würden sich ungefähr 15 Personen regelmässig engagieren.

"Wir werden sie weiter unterstützen"

Ziel in Mosambik wird für die beiden nun sein, das Freiwilligenengagement des Teams aufrecht zu erhalten und eigene Projekte und Veranstaltungen zu entwickeln. Für Mosambik wird Viva con Agua Schweiz trotzdem weiter Spenden sammeln. "Die Sensibilisierung vor Ort steht für uns im Zentrum. Wenn sie auch eigene Spenden-Mittel sammeln können, ist das unterstützenswert", sagt Anderhub. "Dies könnte aber schwierig werden und noch eine Weile dauern. Wir werden sie auf jeden Fall weiter unterstützen."

swissinfo.ch

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