Kunstmuseum Bern muss Sanierung nach Volks-Nein neu aufgleisen
Das Kunstmuseum Bern kann vorerst nicht saniert werden: Das Stimmvolk hat den Projektierungskredit mit einem Nein-Anteil von 51,8 Prozent abgelehnt. Damit beginnt die Suche nach einer tragfähigen Lösung von vorn, denn der Sanierungsbedarf ist unbestritten.
(Keystone-SDA) Das Abstimmungsergebnis vom Sonntag ist ein Erfolg für die Politiker aus den Reihen von SVP, EDU und GLP, die das Referendum gegen das «Luxusprojekt» ergriffen hatten. 214’493 Stimmberechtigte legten ein Nein in die Urne, 199’406 ein Ja. Die Stimmbeteiligung betrug 56,7 Prozent.
SVP-Grossrat Samuel Krähenbühl vom Referendumskomitee zeigte sich zufrieden. Die Politik habe ihre Basis nicht gespürt, sagte er zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Der Berner Bildungs- und Kulturdirektor Reto Müller (SP) betonte vor den Medien, die baulichen, betrieblichen und sicherheitstechnischen Herausforderungen blieben bestehen. Auch die Anforderungen an die Barrierefreiheit sowie die zeitgemässe Vermittlung und der Schutz der Sammlung seien nicht vom Tisch.
«Weshalb die Stimmberechtigten trotz der deutlichen Zustimmung des Kantonsparlaments und der Regierung das Projekt abgelehnt haben, gilt es vertieft zu analysieren», sagte Müller. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse würden den weiteren Weg weisen.
«Kein Nein zur Sanierung»
Ähnlich äusserte sich das Kunstmuseum Bern. Das Volk habe die Finanzierung abgelehnt, nicht die Sanierung. Das Kunstmuseum sei Hüterin eines bedeutenden kulturellen Erbes und habe den Auftrag, dieses Erbe auch für künftige Generationen zu bewahren und zu vermitteln. Daran ändere sich nichts.
Nun gelte es, eine neue, tragfähige Finanzierungslösung zu finden, sagte Jonathan Gimmel, Präsident der Dachstiftung des Kunstmuseums Bern und des Zentrums Paul Klee, in einer Medienmitteilung.
Wie diese aussehen könnte, wird sich weisen. Grossrat Krähenbühl vom Referendumskomitee schlug am Sonntag ein Finanzierungsmodell wie beim Historischen Museum vor. Dort beteiligen sich die Burgergemeinde und die Stadt Bern nebst dem Kanton zu gleichen Teilen.
Private Beiträge in der Schwebe
Das Projekt «Eiger» für die Sanierung und Erweiterung des Kunstmuseums war in jahrelanger Arbeit aufgegleist worden. Vorgesehen war, das historische Gebäude von 1879 umfassend zu erneuern und den Erweiterungsbau von 1983 durch einen Neubau zu ersetzen. Die Gesamtkosten wurden auf 147 Millionen Franken geschätzt, wovon der Kanton 81 Millionen Franken beitragen sollte.
Den Rest sollten Private, die Bernburger und der Lotteriefonds beisteuern. Den weitaus grössten Beitrag hatte der Berner Unternehmer und Kunstmäzen Hansjörg Wyss zugesichert. Die privaten Finanzierungsbeiträge waren allerdings nur für das sogenannte Projekt «Eiger» zugesagt.
Stadt-Land-Graben
«Wir müssen uns jetzt aufrappeln und den Scherbenhaufen möglichst klein halten», sagte Claude Grosjean (GLP) vom Ja-Komitee. Auch müssten die privaten Geldgebenden bei der Stange gehalten werden.
FDP-Grossrat Daniel Arn, ebenfalls ein Befürworter, ortete einen Stadt-Land-Graben. «Je weiter wir uns aus dem Perimeter der Stadt Bern hinaus bewegten, desto weniger gelang es uns, die Bevölkerung abzuholen.»
In der Stadt Bern wurde die Vorlage mit einer Dreiviertels-Mehrheit angenommen. Doch kantonsweit stimmten mit Bern-Mittelland und Biel nur gerade zwei der zehn Verwaltungskreise für den Projektierungskredit.