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Schweizer Luftschiff als olympische Patrouille

Ein schweizerisches Luftschiff über Athen hinter den Säulen des Zeus-Tempels.

(Keystone)

Während sich am Boden das olympische Karrussel zu drehen beginnt, dreht in der Luft ein schweizerischer Kontroll-Zeppelin seine Runden über Athen.

Das 61 Meter lange Überwachungs-Luftschiff dominiert die attische Skyline und sorgt bei den Griechen für heisse Köpfe.

Die 28. Olympischen Sommerspiele in Athen sind eröffnet. Die Griechen beeindruckten am Freitag Abend mit einer mehrstündigen spektakulären Feier. Von der Antike bis zur Moderne zeigten 4000 Akteure im Olympiastadion von Athen griechische Geschichte. Die Mitglieder der 202 teilnehmenden Nation wurden von 72'000 Zuschauern begeistert empfangen.

Stolzer Roger Federer

An der Spitze des Schweizer Teams trug der Tennisstar Roger Federer die Schweizer Fahne ins Stadion. Auch Bundesrat Samuel Schmid, Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS), nahm an der Eröffnungsfeier teil.

Massives Sicherheitsaufgebot

An den Spielen werden 10'000 Athleten teilnehmen. Bis zum 29. August sind 70'000 Sicherheitskräfte, Patrouillen rund um die Uhr zu Wasser, auf dem Lande und in der Luft sowie mehr als tausend Überwachungskameras eingesetzt.

Sie sollen einen eventuellen Anschlag gegen die Spiele verhindern. Die Kosten für die gesamten Sicherheitsmassnahmen belaufen sich auf rund 1,5 Milliarden Franken.

Die Überwachung aus der Luft erfolgt aus einem Zeppelin. Das mit Helium gefüllte "Skyship 600" gehört der Skycruise Switzerland, die in Lindau bei Zürich niedergelassen ist.

Am Himmel über Athen ist ebenfalls ein zweiter Schweizer Skycruiser postiert, der aber von der US-Fernsehkette NBC genutzt wird.

Kritik am "Schnüffel-Schiff"

Im Luftschiff arbeitet ein Team von 12 Sicherheitsexperten, darunter speziell trainierte griechische Polizeioffiziere. Es soll täglich während rund 16 Stunden über Athen patroullieren.

Griechische Menschenrechts-Gruppen haben bereits versucht, den alles hörenden und sehenden Spionage-Zeppelin zurück auf den Boden zu holen. Sie behaupten, das Luftschiff verletze ihre Privatsphäre.

Sensoren, Schnüffelgeräte, Kameras mit hoher Auflösung

Der Zeppelin ist ausgerüstet mit schalenförmig gewölbten Sensoren, Schnüffelgeräten gegen chemische Attacken und Kameras mit ultrahoher Auflösung. Damit können detaillierte Bilder von Leuten und Gegenständen am Boden gemacht werden.

Die mit Infrarot arbeitenden Kreiselkameras können problemlos die Nummernschilder von Fahrzeugen erfassen, die sich 500 Meter unterhalb des Luftschiffs befinden. So lassen sich verdächtige Autos herausfinden und sowohl tags als auch nachts identifizieren.

Die hochsensiblen Mikrofone können auch normale Gespräche auf der Strasse aufzeichnen.

"Big Brother" unter Beschuss

Der Zeppelin ist mit nichtbrennbarem Helium gefüllt, und zwar im Niedrigdruck-Verfahren. Wenn er unter konventionellen Beschuss geriete, geschähe dem Zeppelin auf diese Weise kaum etwas.

Edwin Almanzar, ein Techniker von Skycruise, sagt gegenüber swissinfo, dass es wahrscheinlich eine Rakete bräuchte, um das Skyship vom Himmel zu holen.

Das Luftschiff ist jedoch, zusammen mit Hunderten von in Athen neu installierten Sicherheitskameras, unter eine andere Art von Beschuss geraten.

"Big Brother is watching us", titelte die griechische Tageszeitung "Ta Nea" im vergangenen Monat, als das Luftschiff erstmals aufstieg. Eine Menschenrechts-Gruppe versuchte, gerichtlich eine einstweilige Verfügung zu erreichen. Begründung: Der "fliegende Spion" durchdringe die Privatspäre.

Jetzt schon weniger Kriminalität

Skycruise-Besitzer Christian Schulthess sagt, der Gerichtsentscheid sei aufgeschoben worden für die Zeit nach den Spielen. Er sei, sagt er gegenüber swissinfo, stolz darauf, Teil des Abwehrdispositivs gegen den Terror zu sein, trotz der Furore, die das Luftschiff verursacht.

"Die Bürgermeisterin von Athen, Dora Bakoyannis, hat mir gegenüber erklärt, dass die Kriminalität um 21% zurück gegangen sei, seit der Zeppelin in der Luft ist", so Schulthess.

Die Schweizer Anbieter hatten sich gegen eine starke Konkurrenz aus den USA und Deutschland durchzusetzen, um mit Athen ins Geschäft zu kommen. Schulthess sagt, er sei sich nicht sicher gewesen, ob er seine beiden Luftschiffe ausgerechnet dann aus der Schweiz abziehen solle, wenn zuhause die Touristensaison für Umsätze sorge.

Besonders, nachdem das Geschäftsjahr 2003 enttäuschend verlaufen sei.

Anderseits, so Schulthess, entschied er sich, den Organisatoren der Spiele an die Hand zu gehen, um für sein Unternehmen eine internationale Strategie einzuschlagen. Er hofft, dass sich dies für Skycruise langfristig auszahlen wird.

swissinfo, Julie Hunt
(Aus dem Italienischen von Alexander Künzle)

In Kürze

Griechenland hat ein schweizerisches Hi-Tech-Überwachungs-Luftschiff für die Olympischen und Paraolympischen Spiele vom 13. bis 29. August gemietet.

Das Skyship 600 kam am 11. Juli in Athen an, nach einem schwierigen, eine Woche dauernden Flug von Buochs in der Zentralschweiz über die Alpen.

Es spielt eine wichtige Rolle im Sicherheits-Dispositiv für die Spiele, doch Menschenrechts-Gruppen empfinden es als Einbruch in die Privatsphäre.

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Fakten

Das Skyship 600 ist Teil eines Hi-Tech-Sicherheits-Systems, das 391 Mio. Franken kostet.
Das gesamte Sicherheitsbudget von Athen beträgt 1,5 Mrd. Franken – fünfmal mehr als in Sydney.
Im Gegensatz zu einem Helikopter ist das Luftschiff relativ ruhig und kann für Stunden in derselben Position verharren.
Das Skyship ist Teil eines elektronischen Netzes von über 1500 Kameras, Sensoren und anderen Instrumenten, die miteinander über ein Netzwerk verbunden sind und dem Kommandozentrum der Athener Polizei unterstehen.

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