Borodin-Fall wird zur politischen Affäre
Die Affäre um den in den USA in Haft sitzenden Ex-Kreml-Verwalter Pawel Borodin belastet zunehmend die russisch- amerikanischen Beziehungen. Das russische Aussenministerium warnte die USA vor negativen Auswirkungen.
Moskau zitierte den US-Botschafter James Collins am Samstag (10.03.) ins Aussenministerium. Dort teilte ihm der russische Vize- Aussenminister Georgui Mamedow die «kategorische Missbilligung» des Entscheids vom Vortag mit. Ein Bezirksgericht in New York hatte am Freitag den Antrag des auf Grund eines Schweizer Haftbefehls festgenommenen Borodin auf Kaution abgelehnt.
Negative Folgen
Mamedow unterrichtete Botschafter Collins über die «ernsthafte Beunruhigung» Russlands in Bezug auf Borodin. Der Fall «entwickle sich immer mehr zu einer politischen Affäre, welche negative Folgen für die russisch-amerikanischen Beziehungen haben könnte», hiess es in einer Erklärung des Vize-Ministers.
Russland hoffe, dass das Gericht die Position noch ändern werde und dass sich das US-Aussenministerium aller Umstände bewusst sei. Washington solle den Schlussentscheid des Gerichts zum Auslieferungsgesuch der Schweiz objektiv prüfen, verdeutlichte Moskau seine Erwartungen.
Keine Kaution wegen Fluchtrisiko
Das Bezirksgericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn verweigerte Borodin die Freilassung auf Kaution. Es bleibe ein Fluchtrisiko bestehen, begründete Richter Viktor Pohorelsky.
Das Gericht hielt in seiner Entscheidung zudem fest, dass Borodin in Weissrussland ein wichtiger Beamter sei, das Gericht aber in diesem höchst aussergewöhnlichen Fall die Interessen der Schweiz wahrnehmen müsse.
Borodins Anwalt Barry Kingham legte gleich Berufung gegen den Entscheid des Bezirks-Gerichts in Brooklyn ein. kinfham hofft nach eigenen Angaben, dass sein Antrag noch im März behandelt wird.
Am 2. April findet die entscheidende Anhörung statt, bei der es darum geht,ob die USA Borodin an die Schweiz ausliefern. Borodin war am 17. Januar aufgrund eines Schweizer Haftbefehls in New York festgenommen worden und sitzt dort seither in Haft.
Er soll während der Amtszeit von Präsident Boris Jelzin gegen Schmiergelder in Höhe von umgerechnet 25 Millionen Dollar die Tessiner Baufirmen Mercata und Mabetex für Bauprojekte im Kreml begünstigt haben.
swissinfo und Agenturen
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