The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter

IKRK mit Milliarden-Budget 2006

IKRK-Präsident Jakob Kellenberger. Keystone

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) verlangt für 2006 erstmals mehr als 1 Mrd. Franken, um seine Projekte in 80 Ländern zu finanzieren.

Bei der Präsentation des Budgets zeigte sich IKRK-Präsident Jakob Kellenberger besorgt über den erschwerten Zugang zu Gefangenen der USA.

Das Budget 2006 liegt 9% über demjenigen des laufenden Jahres. Schwerpunkte des kommenden Jahres ist der Konflikt in Sudan und die Hilfe nach dem Erdbeben in Pakistan, wie Spitzenvertreter des in Genf beheimateten IKRK am Freitag sagten.

Rund 180 Mitarbeiter sind für das IKRK in Sudan tätig. Auch 2006 setzt das IKRK für die Operationen in dem afrikanischen Land am meisten Geld ein: 127 Mio. Franken werden dafür aufgewendet. Mit 43% des Budgets verschlingen die Einsätze in Afrika weiterhin den Löwenanteil der Mittel des IKRK.

Erschwertere Bedingungen

Das Beispiel Sudan zeige auch, dass die Einsätze schwieriger würden, sagte IKRK-Operationschef Pierre Krähenbühl. Bewaffnete Konflikte würden tendenziell fragmentierter und die Zunahme der Anzahl bewaffneter Gruppen verschlechtere die Sicherheit der Hilfsorganisationen.

Das IKRK befürchte, dass es in Darfur, der Provinz im Westen Sudans, nicht mehr in allen Regionen Zugang zur Bevölkerung habe, so Krähenbühl. Die Gewalt führe aber zu mehr Vertriebenen, zur Unmöglichkeit der Bauern, ihre Felder zu bestellen, und damit zu einer grösseren Abhängigkeit von der humanitären Hilfe.

Gefangenen-Schicksal

Am Donnerstag hatte ein hoher Beamter des US-Aussenministeriums eingeräumt, dass IKRK-Mitarbeiter nicht Zugang zu allen Gefangenen hätten.

Kellenberger betonte, dass das IKRK 2006 auch ein Hauptaugenmerk auf die Häftlinge in Geheimgefängnissen der US-Sicherheitsdienste legen werde. «Wir haben Zugang zu sehr vielen unter US-Hoheit inhaftierten Personen, aber nicht zu allen.» Das sei aber auch nichts Neues, so Kellenberger weiter.

Aktiver bei Naturkatastrophen

Mit 97 Millionen ist die Hilfe für das erdbebengeschädigte Pakistan der zweitgrösste Posten. Das IKRK ist seit neustem vermehrt nach Naturkatastrophen tätig – so nach dem Tsunami im indonesischen Aceh und in Sri Lanka. Dabei handelt es sich laut Krähenbühl um konfliktsensible Regionen, wo das IKRK bereits vor Ort war.

Weiterhin grössere Beträge kostet aber der Einsatz in Gebieten mit bewaffneten Konflikten. Mit fast 43 Mio. Franken werden am drittmeisten Mittel für Israel und die besetzten palästinensischen Gebiete aufgewendet. Für den Konflikt in Afghanistan fliessen auch nach einer Reduktion um 10% 39 Mio. Franken.

Problematischer Einsatz in Irak

Für den Einsatz in Irak budgetiert das IKRK mit 38 Millionen. Auch dort operiere die Organisation in einem schwierigen Umfeld, sagte Krähenbühl weiter. Noch immer gebe es vor Ort keine Delegation, seit das IKRK 2003 Ziel eines Anschlags wurde. Die Delegierten arbeiten punktuell aus Jordanien.

Gesamthaft beschäftigt das IKRK in 80 Ländern 12’000 Mitarbeiter. Davon sind 1700 Expatriierte. Vom 1-Mrd.-Budget sind 895 Mio. Franken für die Einsatzgebiete vorgesehen und 154 Mio. für die Aktivitäten am Hauptsitz in Genf, wo 750 Angestellte arbeiten.

swissinfo

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft