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SVP wettert gegen Städte – dabei dominiert meistens das Land

Zuerst machten SVP-Präsident Marcel Dettling (links) und SVP-Kampagnenleiter Thomas Matter lange Gesichter – dann zogen sie über die Städte her. Diese hätten die Landbevölkerung «wie eine Lawine einfach ausradiert».
Zuerst machten SVP-Präsident Marcel Dettling (links) und SVP-Kampagnenleiter Thomas Matter lange Gesichter – dann zogen sie über die Städte her. Diese hätten die Landbevölkerung «wie eine Lawine einfach ausradiert». Keystone / Peter Schneider

Stadt und Land haben sich politisch auseinandergelebt. Anders als am Sonntag «gewinnt» das Land häufiger als die Stadt.

Marcel Dettling hat martialische Worte gewählt: «Die Schweiz hat heute nichts zu feiern. Die Städte haben das Land wie eine Lawine einfach ausradiert bei der Meinungsbildung», sagte der SVP-Präsident am Abstimmungssonntag.

Tatsächlich hat die 10-Millionen-Frage die Schweiz in einen ländlichen und einen städtischen Teil gespalten. Grosse Städte und ländliche Gemeinden liegen beim Abstimmungsresultat fast 30 Prozentpunkte auseinander. Noch drastischer ist das Bild, wenn man nur auf die Deutschschweiz schaut: Hier trennen Stadt und Land über 33 Prozentpunkte.

Das sind Spitzenwerte: Nur selten war der Stadt-Land-Graben noch tiefer. In den letzten 25 Jahren war dies siebenmal der Fall, in den letzten 12 Jahren nur dreimal.

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Besonders tiefe Gräben rissen Abstimmungen zur Umwelt- oder Landwirtschaftspolitik auf. Das Beispiel von diesem Sonntag zeigt, dass sich auch bei Abstimmungen über die Öffnung der Schweiz und über Fragen der Identität tiefe Gräben auftun können.

Grosse Städte werden viel häufiger überstimmt

Doch überfahren die Städte tatsächlich das Land wie eine Lawine, wie dies der SVP-Präsident suggeriert? Am Sonntag war es so: Die enorm hohen Nein-Stimmenanteile in den grossen Städten gaben mit den Ausschlag für die SVP-Niederlage. Doch in den letzten Jahren war meist das Gegenteil der Fall. Der Stadt-Land-Monitor 2025 von SotomoExterner Link zeigt ein Ungleichgewicht zuungunsten der Grossstädterinnen und -städter.

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Diese wurden seit den 2010er-Jahren vermehrt von der Bevölkerung auf dem Land und in anderen Siedlungsgebieten überstimmt. Die Konstellation vom Sonntag, als die Stadtbevölkerung das Land überstimmt hat, ist also der seltenere Fall.

Die Landbevölkerung dagegen wird in markant weniger Abstimmungen überstimmt. Allerdings ist laut Sotomo dieser Fall in den letzten fünf Jahren vermehrt aufgetreten.

Blick auf das Berner Breitfeld-Quartier. Die grösseren Städte haben sich in den letzten Jahrzehnten stark nach links bewegt. Der Stadtteil, in dem das Breitfeld liegt, hat die SVP-Initiative mit 87.57 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt.
Blick auf das Berner Breitfeld-Quartier. Die grösseren Städte haben sich in den letzten Jahrzehnten stark nach links bewegt. Der Stadtteil, in dem das Breitfeld liegt, hat die SVP-Initiative mit 87.57 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Keystone / Christian Beutler

Der Hauptgrund für die wachsende Kluft liegt in den grossen Städten: Diese sind in den letzten dreissig Jahren sehr stark nach links gerückt. Das führt zum Beispiel dazu, dass am Sonntag in manchen Zürcher und Berner Stadtquartieren die Nein-Stimmenanteile bei der 10-Millionen-Initiative weit über 85 Prozent lagen.

Derweil hat sich die ländliche Schweiz politisch genau in die Gegenrichtung bewegt, Richtung rechts. Allerdings ist diese Entwicklung deutlich schwächer als der Linksruck in den grossen Städten.

Ein Revival der SVP-Kampagne gegen Städter?

Der Angriff der SVP auf die Städte am Abstimmungssonntag ist übrigens keine Premiere: Vor fünf Jahren bereits experimentierte die Partei mit dem Thema.

In einem PositionspapierExterner Link forderte sie unter anderem den Verzicht auf denjenigen Teil des Nationalen Finanzausgleichs, der die Städte für ihre Zentrumslasten entschädigt.

Auch am Wahlsystem wollte die SVP schrauben: Sie forderte, dass die Anzahl Nationalratssitze pro Kanton anders berechnet werden soll. Heute entscheidet die Grösse der ständigen Wohnbevölkerung über die Sitzzahl.

Einwohnerinnen und Einwohner ohne Schweizer Pass werden mitgezählt. Die SVP wollte, dass stattdessen die Zahl der Wahlberechtigten massgebend sein soll, sprich: nur Schweizerinnen und Schweizer. Wegen ihres hohen Ausländeranteils würden städtische Kantone so Nationalratssitze verlieren.

Die Ideen der SVP wurden kontrovers diskutiert. Nach wenigen Monaten aber wurde es wieder still, und die Partei liess ihre Forderungen in der Schublade verschwinden.

Das Bundesamt für Statistik teilt die Schweizer Städte und Gemeinden in vier Gruppen ein: grössere Städte (oder auch Kernstädte), übriger städtischer Raum, intermediäre Gebiete (ländliche Zentren und dichter stadtnaher Raum) und Land.

Als Beispiel: Umgemünzt auf die Region Bern zählt die Stadt Bern als Kernstadt. Umliegende Gemeinden wie Ostermundigen oder Moosseedorf gelten als «übriger städtischer Raum», zur Kategorie «intermediär» zählen Gemeinden wie Belp oder Worb. Und typische Landgemeinden sind Krauchtal oder Oberbalm.

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