Sri Lanka: Regierung und Rebellen verhandeln in der Schweiz

Tamil Tigers S.P. Thamilselvan (l.) schüttelt Regierungsvertreter Nimal Siripala die Hand. In der Mitte die Schweizer Botschafterin Heidi Tagliavini. Keystone

Die Gespräche zwischen der Regierung von Sri Lanka und den separatistischen Tamil Tigers begannen am Samstag in Genf. Versucht wird die eskalierende Gewalt zu stoppen.

Dieser Inhalt wurde am 28. Oktober 2006 - 20:00 publiziert

Die Gespräche in Genf wurden von der Schweizer Botschafterin Heidi Tagliavini eröffnet. Sie rief die Konfliktparteien auf, das internationale Völkerrecht zu respektieren.

Weiter sagte Tagliavini, dass für die Schweiz die Gespräche dann erfolgreich seien, wenn es den Parteien gelingen würde, die Lage der Zivilbevölkerung zu verbessern und die Gewalt einzudämmen.

"Ich hoffe, Sie können sich mit diesen noch kleinen Schritten einverstanden erklären", sagte die Schweizer Botschafterin und versprach, dass die Schweiz diese und weitere Schritte hin zu einer dauerhaften Lösung der Probleme begleiten werde.

Die Schweiz bietet den Parteien ihre "guten Dienste" an und organisiert die Gespräche zwischen den Konfliktparteien. Eine Vermittlungstätigkeit ist nicht vorgesehen, wie das Aussenministerium in Bern erläuterte.

Unter norwegischer Leitung

Die Gespräche dauern bis am Sonntag. Geleitet werden sie vom norwegischen Minister für internationale Entwicklung, Erik Solheim. Ihm zur Seite steht der norwegische Vermittler Jon Hanssen-Bauer.

Solheim sagte am Samstag, es sei an der Zeit, Fortschritte zu erzielen, da sowohl der srilankischen Bevölkerung als auch der internationalen Gemeinschaft langsam die Geduld ausgehe.

Solheim warnte die Gesprächsteilnehmer, dass sich das Interesse der Weltgemeinschaft auf andere Krisenregionen verlagern könnte. Sri Lanka würde dann völlig isoliert dastehen.

Spitzenpolitiker konzentrierten sich in der Regel nur auf ein oder zwei Krisenherde, und ihre Geduld für permanent zerstrittene Kontrahenten sei begrenzt. Wenn sich Fortschritte abzeichneten, sei jedoch viel Wohlwollen zu gewinnen.

Gewalt geht weiter

Der politische Chef der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE), S.P. Tamilselvan, sagte, die Regierung führe in Sri Lanka einen Krieg, den sie niemals erklärt habe.

Dennoch sei seine Organisation zu Gesprächen ohne Vorbedingungen bereit. Es gelte, die verheerende Lage vor Ort zu verbessern.

Wenige Stunden vor der Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den
Konfliktparteien Sri Lankas in Genf ist es in dem Inselstaat erneut zu Gewalt gekommen.

Bei der Explosion zweier Landminen im Osten und Norden des Landes wurden nach offiziellen Angaben insgesamt sieben Polizisten verletzt, einer davon schwer.

Viele Opfer

Der Konflikt auf der Insel ist in den vergangenen Wochen eskaliert. Betroffen von den Kampfhandlungen und Anschlägen ist immer wieder die Zivilbevölkerung. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch verlangte deshalb die Entsendung von Menschenrechts-Beobachtern der UNO.

Die LTTE kämpft seit 1972 für einen unabhängigen Tamilenstaat im Norden und Osten der Insel. Dort sind die Tamilen in der Mehrheit, während die anderen Landesteile mehrheitlich von Singhalesen bevölkert sind.

In dem Konflikt wurden schätzungsweise 64'000 Menschen getötet. Allein im Oktober kamen bei Anschlägen gegen 250 Armee-Angehörige ums Leben.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Der Konflikt zwischen der Regierung Sri Lankas und den tamilischen Separatisten geht auf Mitte der 1970er-Jahre zurück.

Im Februar 2002 haben beide Seiten einen permanenten Waffenstillstand geschlossen. Der Gewalt wurde jedoch bislang nur für kurze Zeitabschnitte entsagt.

Die Kämpfe wurden ausgesetzt, nachdem über 30'000 Menschen beim Tsunami vom Dezember 2004 getötet wurden. Sie flammten jedoch wieder auf, nachdem acht Monate später der Aussenminister von Sri Lanka, Lakshman Kadirgamar, ermordet wurde.

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Fakten

Schätzungsweise 62'000 Menschen haben im Konflikt in Sri Lanka bislang ihr Leben verloren. Rund 800'000 Menschen sind in den letzten 20 Jahren vertrieben worden.
Die Schweiz spendete nach dem Tsunami 10,5 Mio. Fr. Soforthilfe. Bis Ende 2005 wurde die Summe auf 16,95 Mio. Fr. erhöht.
In der Schweiz leben über 35'000 aus Sri Lanka stammende Menschen – meist Tamilen.
Davon haben 10% die Schweizer Staatsbürgerschaft erhalten.
Die in der Schweiz lebende Exil-Gemeinschaft ist eine der grössten, nach Kanada, Deutschland und Grossbritannien.

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Gute Dienste

Von Guten Diensten ist die Rede, wenn eine dritte Partei ihre Vermittlung in einer Streitsache oder bei einem Vertragsabschluss zwischen zwei Konfliktparteien anbietet.

Generell bezeichnet der Begriff jede Initiative, die den Frieden oder die internationale Kooperation fördert. Als neutraler Staat hat die Schweiz die Guten Dienste als einen Eckpfeiler ihrer Aussenpolitik definiert.

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