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Fahrzeuge fahren auf einer Strasse neben einem gefrorenen Weiher unter einer verschneiten Eisenbahnlinie hindurch, aus der Luft fotografiert

Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Wie mein Kollege gestern vorausgesagt hat, gibt es tatsächlich Meinungsverschiedenheiten im gesamten politischen Spektrum über die vom Verteidigungsminister vorgeschlagene Mehrwertsteuer-Erhöhung. Die Landesverteidigung muss gestärkt werden – aber wer soll die Rechnung bezahlen? Eine ewige Frage auf dem politischen Schlachtfeld der Schweiz.

Ebenfalls im Bereich Wirtschaft steht die Messung des wirtschaftlichen Pulses an. Die Schweizer Uhrenindustrie kämpft weiterhin, während die Schweizer Exporte im Jahr 2025 Rekordhöhen erreichen – und die Mieten weiter steigen.

Sonnige Grüsse aus Bern

Wie wird die Regierung die steigenden Verteidigungskosten der Schweiz finanzieren?
Wie wird die Regierung die steigenden Verteidigungskosten der Schweiz finanzieren? Keystone / Anthony Anex

Die Schweizer Parteien sind hinsichtlich der vorgeschlagenen Erhöhung der Mehrwertsteuer (MWST) um 0,8 Prozentpunkte gespalten. Ihre Einwände (und Alternativen) fallen dabei sehr unterschiedlich aus.

Wie wir im gestrigen Briefing berichteten, hat die Landesregierung beschlossen, bis Ende März einen Gesetzesentwurf für die Vernehmlassung auszuarbeiten. Dieser sieht eine befristete, zehnjährige Mehrwertsteuererhöhung ab 2028 vor. Nun haben sich auch die Parteien positioniert.

Der Verteidigungsminister scheint die Unterstützung seiner Mitte-Partei zu haben. Parteipräsident Philipp Matthias Bregy sagte dem Tages-Anzeiger, eine Mehrwertsteuer-Erhöhung sei einer höheren Staatsverschuldung vorzuziehen. Die Vizepräsidentin der Partei, Yvonne Bürgin, betonte jedoch, dass Grundbedürfnisse wie Nahrungsmittel und Medikamente ausgenommen werden sollten.

Die Schweizerische Volkspartei (SVP), die Sozialdemokraten und die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) lehnen eine höhere Mehrwertsteuer allesamt ab, allerdings aus sehr unterschiedlichen Gründen. Die Schweizerische Volkspartei (SVP) bezweifelt, dass die Erhöhung «befristet» bleiben würde, und verweist auf die 1940 eingeführte Bundessteuer. Stattdessen fordert sie Kürzungen bei den Asylausgaben, der Entwicklungshilfe und beim Bundespersonal.

Die Sozialdemokratische Partei (SP) konzentriert ihre Kritik auf die langfristige Abhängigkeit der Schweiz vom US-Verteidigungssektor. Die Freisinnig-Demokratische Partei (FDP) hingegen möchte breitere Massnahmen über die Verteidigungsfinanzierung hinaus. «Die Schweiz muss endlich reagieren. In Polen werden Eisenbahnlinien sabotiert, über München kreisen Drohnen und Putin wird immer aggressiver», sagte der FDP-Parlamentarier Heinz Theiler auf der gestrigen Pressekonferenz.

Ein Punkt bleibt Konsens: Die Schweiz muss sich besser gegen künftige Sicherheitsbedrohungen schützen. Wie dieser Schutz finanziert werden soll, ist jedoch noch lange nicht geklärt.

Einige teure Uhren
Während die Schweizer Exporte 2025 ausserordentlich gut liefen, litt die Schweizer Uhrenindustrie. Keystone / Peter Klaunzer

Von US-Strafzöllen am «Tag der Befreiung» über einen Handelsüberschuss zugunsten Washingtons bis hin zu Rekordexporten der Schweiz im Jahr 2025: Eine Wirtschaftssaga.

Während eines bilateralen Treffens am WEF letzte Woche gab Wirtschaftsminister Guy Parmelin, der in diesem Jahr auch das rotierende Bundespräsidium der Schweiz innehat, einen Handelsüberschuss von 8,8 Milliarden Dollar (6,96 Milliarden Franken) zugunsten der Vereinigten Staaten bekannt.

Trotz der amerikanischen Zölle zeigten die Schweizer Exporte keine Anzeichen einer Verlangsamung. Wie die Eidgenössische Zollverwaltung gestern berichtete, stiegen die Gesamtexporte im Jahr 2025 um 1,4% auf einen Rekordwert von 287 Milliarden Franken. Auch die Exporte in die USA wuchsen um 3,9% im Vergleich zu 2024. Das Exportwachstum wurde hauptsächlich von Pharmazeutika und chemischen Produkten getragen, die 2025 53% aller Schweizer Exporte ausmachten.

Was US-Präsident Donald Trump jedoch wahrscheinlich missfallen wird, ist der Rückgang der Schweizer Importe aus den USA, die um 5,7% fielen.

Enttäuschung gibt es auch für Schweizer Uhrenliebhaberinnen und Uhrenliebhaber – zu denen auch unser Teamleiter Samuel Jaberg gehört –, denn die Schweizer Uhrenexporte gingen um 1,7% zurück. «Die US-Handelspolitik belastete die Exporte des Sektors in seinen grössten Markt stark und beendete das stetige Wachstum der letzten Jahre», hiess es in einer Medienmitteilung des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie. China bleibt die grösste Sorge, denn die Exporte sind in den letzten zwei Jahren um mehr als ein Drittel zurückgegangen. Eine Erholung wird für 2026 nicht erwartet.

Ein Zug fährt auf einer Brücke über eine Autobahn, auf der sich der Verkehr staut
Bahnausbauten in Sicht. Welche Regionen in der Schweiz profitieren am meisten? Keystone / Gaetan Bally

Strasse und Schiene: eine ungewöhnliche Verbindung. Erstmals plant die Schweizer Regierung, Schienen-, Strassen- und Stadtverkehr in einer einzigen Vorlage zu bündeln. Zur Finanzierung dieses Pakets wird unter anderem ein Mehrwertsteuer-Zuschlag diskutiert.

Verkehrsminister Albert Rösti präsentierte gestern an einer Pressekonferenz die Pläne, darunter verbesserte Bahnverbindungen innerhalb der französischsprachigen Region, 15-Minuten-Taktverbindungen zwischen Bern und Zürich sowie zuverlässigere Regionalverbindungen.

Bei den Strassen will der Bundesrat Projekte priorisieren, die schnell umgesetzt werden können. Mehr als 30 Autobahnprojekte sollen gestrichen werden. Um Staus zu verringern, wollen die Behörden stattdessen auf betriebliche Massnahmen setzen, wie etwa die vorübergehende Öffnung von Pannenstreifen für den regulären Verkehr.

Die Reaktionen aus dem ganzen Land sind mehrheitlich positiv. Besonders die östlichen und zentralen Regionen sind mit den geplanten Projekten zufrieden. Fabian Peter, Direktor des Tiefbauamts des Kantons Luzern, sagte, es sei «ein guter Tag für die Zentralschweiz». Die Berner Kantonsregierung bedauert jedoch das fehlende Engagement für den Bau der Umfahrung Bern-Ost in den kommenden Jahrzehnten.

Zur Finanzierung des Bahnausbaus schlägt der Bundesrat vor, den Mehrwertsteuer-Zuschlag, der den Bahninfrastrukturfonds (BIF) unterstützt, über das Jahr 2030 hinaus zu verlängern. Dies könnte bis 2045 zusätzliche acht Milliarden Franken generieren und das Gesamtbudget für den Bahnausbau auf 24 Milliarden Franken erhöhen. Eine öffentliche Vernehmlassung soll im Juni beginnen.

Blick aus einem Fenster auf ein Wohnhochhaus
Nicht die malerische Aussicht, die sich viele in der Schweiz erhoffen: Hohe Mietkosten bedeuten, dass man einige Opfer bringen muss. Keystone / Alessandro Della Bella

Lage, Lage, Lage – das sind die drei goldenen Regeln beim Immobilienkauf. Doch steigende Kosten in der Schweiz zwingen Mietende dazu, sich anderswo umzusehen.

Würden Sie lieber in den Bergen, am See oder in der Innenstadt leben? Oder vielleicht im Ausland, wie mehr als 800’000 Schweizer Bürgerinnen und Bürger? Für viele passt die Wunschadresse leider nicht zum verfügbaren Budget.

Wie hoch sind die durchschnittlichen Mietkosten an Zürichs «Goldküste»? Watson hat Daten zusammengestellt, welche die teuersten und günstigsten Mietstandorte in der Schweiz zeigen. Demnach liegt die Durchschnittsmiete für eine Dreizimmerwohnung (zwei Schlafzimmer und ein Wohnzimmer) zwischen 890 Franken in Bonfol (Kanton Jura) und mehr als 4750 Franken in Agra (Kanton Tessin).

Es gibt auch erhebliche Unterschiede zwischen den grossen städtischen Zentren: Eine Vierzimmerwohnung kostet in den Zentren von Aarau und Thun knapp 2100 Franken, in der Zürcher Innenstadt jedoch fast 5000 Franken.

Wie Watson feststellt, «scheint der Anstieg der Wohnkosten in der Schweiz unaufhaltsam». Die Mieten stiegen landesweit um 2,3% im Jahr 2025, nachdem sie bereits 2024 und 2023 um 3,2 bzw. 4,7% gestiegen waren. In einigen Kantonen schnellten die Mieten um bis zu 10% in die Höhe.

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