Hier kommt der Test für den Schweizer Neuanfang

Forschende auf der ganzen Welt sind sich einig, dass es Monate, wahrscheinlich sogar Jahre dauern wird, bis ein Impfstoff gegen Covid-19 gefunden wird. In der Zwischenzeit müssen Wissenschaft und Politik Antworten finden, damit die Menschen so bald wie möglich in ihr tägliches Leben zurückkehren können. Die Antwort könnte der serologische Test sein, der Ende April in der Schweiz bereit sein wird.

Dieser Inhalt wurde am 13. April 2020 - 16:00 publiziert
Ein 100% zuverlässiger serologischer Test soll bis Ende April zur Verfügung stehen. © Keystone / Gaetan Bally

Während man auf einen Impfstoff und wirksame Therapien zur Bekämpfung von Covid-19 wartet, konzentriert sich die Wissenschaft auch auf einen dritten Weg, die Diagnostik. Zu diesen Instrumenten gehört neben dem berühmten Abstrich auch der serologische Test.

Um was geht es?

Unser Organismus bekämpf Krankheiten mit seinem Immunsystem: Wir produzieren Antikörper als Reaktion auf externe Erreger, um diese (hoffentlich) zu bekämpfen und auszurotten. Haben wir eine ansteckende Krankheit einmal besiegt, bleibt in unserem Blutkreislauf eine Art "Erinnerung" an das Virus, das uns angegriffen hat. So können wir diese Krankheit besser und schneller bekämpfen, falls sie zurückkommt. Dieses Gedächtnis sind die Antikörper, die zur Immunität führen.

Mit dem serologischen Test kann das Vorhandensein dieser Antikörper im Blutserum nachgewiesen werden. Diese werden aber erst nach einigen Tagen oder Wochen von unserem Körper produziert. Deshalb dient der Test nicht dazu, eine Krankheit festzustellen (dafür gibt es den berühmten Abstrich), sondern, ob der Körper diese entschlüsseln konnte. Dies ist vor allem wichtig bei asymptomatischen Menschen, die nicht wissen, dass sie überhaupt infiziert wurden.

Kurz gesagt, mit dem serologischen Test sollen Menschen identifiziert werden, die nach einer Infektion geheilt sind. So will man herausfinden, ob sie gegen Covid-19 immun sind. Dies sind zwei grundlegende Aspekte für die politischen Entscheidungsträger, wie sie in den kommenden Wochen oder Monaten handeln sollen. Ob es, kurz gesagt, mit Einschränkungen der Grundrechte jedes Einzelnen weitergehen soll oder ob das Land wieder zum Normalzustand zurückkehren kann – natürlich mit der gebotenen Vorsicht.

Serologischer Test

Der Test selber ist schnell und einfach durchzuführen, erklärt Giuseppe Togni. Eine Maschine tropft das Blutserum auf eine Lösung, die das vom Virus stammende Antigen enthält, das sich in einem kleinen Reagenzglas befindet.

Nach einer kurzen Inkubationszeit liest das Gerät automatisch das Ergebnis ab: Eine Farbreaktion bedeutet "positiv", im Serum sind Antikörper vorhanden. Die Maschine kann pro Stunde 400 Tests vollautomatisch und, falls erforderlich, rund um die Uhr durchführen.

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Test in der Schweiz

Ein solcher Test wird in Labors in aller Welt entwickelt. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Auch die Schweiz, die Heimat der biomedizinischen Forschung, steht bei dieser Herausforderung an vorderster Front.

Bereits heute sind mehrere Tests auf dem Markt. Die besten führen zu einer 85-90% positiven Patientenidentifikation. Diese Quote ist für Giuseppe Togni, den wissenschaftlichen Leiter des Zentrallabors von Unilabs in Coppet, Kanton Genf, jedoch nicht genügend.

"Zuverlässigkeit ist der wesentliche Aspekt dieser Tests. In unseren Labors haben wir derzeit eine Zuverlässigkeit von 99%. Aber auch das reicht nicht aus. Wir müssen zu 100% sicher sein. Es wäre gefährlich, wenn sich jemand aufgrund eines falschen Tests sicher fühlen würde."

Der entscheidende Schritt zur totalen Verlässlichkeit sollte in den kommenden Wochen gemacht werden. "Bis vor einigen Tagen hätte ich mich nicht getraut, einen Zeitpunkt zu nennen", räumt Togni ein, der eine internationale Task Force leitet. "Aber angesichts der Ergebnisse bin ich sehr zuversichtlich: Ein zuverlässiger serologischer Test wird bis Ende April fertig sein." Für diesen Test arbeitet Tognis Team mit den Universitäten Genf und Zürich zusammen.

Um die totale Zuverlässigkeit zu erreichen, erfolgt die Überprüfung durch zwei kombinierte Tests: "Zur Vereinfachung müssen wir jene, die positiv sind, als positiv identifizieren und jene, die negativ sind, als absolut negativ. Es erscheint trivial, das zu erwähnen, aber das ist ein wesentlicher Aspekt", sagt Togni.

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Immunitäts-Zertifikat

Das Auffinden von Antikörpern ist unerlässlich. Es ist auch wichtig zu verstehen, ob man immun wird, wenn diese Antikörper erst einmal entwickelt sind. Wie Togni erklärt, "ist es wichtig zu wissen, ob diese Antikörper 'neutralisierend' sind oder nicht. Es gibt schützende Antikörper (einmal entwickelt, wird man immun gegen die Krankheit), aber es gibt auch solche, die keinen Schutz garantieren, wie das etwa gegen HIV der Fall ist".

Derzeit ist es noch zu früh, die Covid-19-Antikörper als neutralisierend zu bezeichnen: "Es gibt noch keine endgültigen Studien. Aus Erfahrung sollten diese Antikörper schützend wirken. Covid-19 ist den anderen Coronaviren, die wir bereits kennen, sehr ähnlich. Ich bin zuversichtlich", so Togni.

Was bedeutet das nun? Diejenigen, welche die Infektion mit oder ohne Symptome überwunden haben, sind geschützt. Es ist so, als bekäme man ein Immunitäts-Zertifikat.

Wissenschaft und Politik

Wenn absolut sicher ist, dass man immun gewordene Personen identifizieren kann, könnten diese wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, wodurch das Ansteckungsrisiko für andere minimiert wird.

"Die Frage, die wir uns stellen müssen, ist aber eine andere", betont Togni. "Wir müssen uns fragen, für wen diese Tests bestimmt sind. Es hat keinen Sinn, umfassende Tests an der gesamten Bevölkerung durchzuführen. Im Tessin zum Beispiel sind nach zuverlässigen Studien zwischen 5 und 10% der Menschen infiziert. Alle zu testen, wäre Wahnsinn."

Wer also sollte getestet werden? Togni hat keinen Zweifel: "In erster Linie das medizinische Personal. Dann all jene, die in notwendigen Berufen tätig sind, und schliesslich können die Tests auf andere Sektoren ausgedehnt werden."

Aber Vorsicht, warnt Togni: "In diesen Tagen ist eine grosse Solidarität zwischen den Menschen entstanden, vor allem zwischen den Generationen. Wenn man anfängt, auszuwählen, wer einen Test machen darf und wer nicht, endet diese Solidarität unweigerlich."

Der Test wird Ende April verfügbar sein, gerade dann, wenn erwartet wird, dass die Covid-19-Krise in der Schweiz ihren Höhepunkt erreichen wird. Es wird dann an der Politik liegen, die Tests richtig zu nutzen.

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