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Stress-Hormon-Forscherin gewinnt Latsis Preis



Mirjam Christ-Crain: Auszeichnung für ihre ausgezeichnete Arbeit.

Mirjam Christ-Crain: Auszeichnung für ihre ausgezeichnete Arbeit.

Die Basler Professorin Mirjam Christ-Crain hat den renommierten Latsis-Preis 2009 entgegengenommen. Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) zeichnet sie aus für ihre Arbeiten über die Auswirkungen von Stress.

Die am Basler Universitätsspital tätige Ärztin nahm den mit 100'000 Franken dotierten Preis bei einer Zeremonie im Rathaus Berneiner entgegen. Sie erhält den Preis für ihre hervorragende Arbeit im Bereich der Hormone. Christ-Craig zeigt auf, dass Stresshormone im Blut Entscheidungsgrundlagen für die Behandlung von Lungenentzündungen oder Schlaganfällen liefern.

"Der Latsis-Preis ist eine der höchsten Auszeichnungen für Forschende in der Schweiz. Ich fühle mich sehr geehrt." Der Preis gebühre jedoch nicht ihr allein, sondern ihrer gesamten Forschergruppe. "Das ist eine grosse Motivation für mich und mein Team", sagte sie vor der Verleihung gegenüber swissinfo.ch.

Die Laudatio auf die Leitende Ärztin und SNF-Förderprofessorin lobt deren hervorragende Arbeit im Bereich der Prognostik und Diagnostik. Ihre Arbeit habe erstmals aufgezeigt, dass der Gehalt von Stresshormonen im Blut frühzeitige Aussagen über den Krankheitsverlauf bei Lungenentzündungen und Schlaganfällen liefern könne. Damit erhielten Ärzte bessere Entscheidungsgrundlagen zur Behandlung ihrer Patienten.

Christ-Crains erste Studien beschäftigten sich mit dem diagnostischen Wert des Hormons Procalcitonin bei Lungeninfekten, wie Lungenentzündungen. Solche Infektionen können sowohl bakterielle wie virale Ursachen haben. Aber nur die bakteriellen müssen mit Antibiotika behandelt werden.

Kampf gegen die Lungenentzündung

Da es nicht einfach ist, zwischen den beiden Infektionsarten zu unterscheiden, werden oft in beiden Fällen Antibiotika verschrieben. "Mit dieser unnötigen Verwendung kann die Antibiotika-Resistenz erhöht werden", erklärt Christ-Crain.

Da die Procalcitonin-Werte bei bakteriellen Infektionen ansteigen, nicht jedoch bei viralen, verwendeten die Forscher das Hormon als Biomarker. In fünf randomisierten Studien mit mehr als 2500 Patienten wurden nur jenen mit hohen Procalcitonin-Werten Antibiotika verschrieben.

"Mit dieser Strategie konnten wir den Einsatz von Antibiotika um 50% verringern. Und das kann einen grossen Einfluss auf die Antibiotika-Resistenz-Raten haben", sagte sie.

Während ihrer Arbeit am St. Bartholomew's Hospital in London studierte Christ-Crain einen anderen Biomarker, das Stresshormon Cortisol.

"Ich beschäftigte mich dort mit Lungenentzündungen und beobachtete in der Notaufnahme, dass Patienten mit einem hohem Cortisol-Spiegel eine deutlich schlechtere Prognose hatten als solche mit einem niedrigen Cortisol-Niveau.

Schlaganfall-Studie

Zurück in der Schweiz konzentrierte sich Christ-Crain auf Schlaganfälle, insbesondere auf das direkt im Hirn produzierte Hormon Copeptin.

"Wir beobachteten wiederum, dass Patienten, die mit einem hohen Stresshormon-Level in die Notaufnahme eingeliefert wurden, ein höheres Sterberisiko hatten. Auch war die Gefahr grösser, drei Monate oder ein halbes Jahr nach dem Schlaganfall behindert zu bleiben. Patienten mit einem tieferen Copeptin-Niveau hatten eine gute Wiederherstellungschance."

Die Ergebnisse finden sich in der jüngsten Ausgabe der Annals of Neurology.

Christ-Crains Forschungsergebnisse könnten Ärzten bei der Diagnose und der Behandlung von Lungenentzündungs- und Schlaganfall-Patienten helfen.

"Für mich sind Hormone so interessant, weil sie wirklich überall in unserem Körper vorkommen und alles, was in unserem Körper passiert, vom Hormonhaushalt beeinflusst werden kann. Hormone sind wie ein Spiegel, der jedes Ereignis in unserem Körper abbildet", erklärte sie.

Deshalb bedeutet die Endocrynologie für die Gewinnerin des Latsis-Preises 2009 viel mehr als bloss das Studium der Schilddrüse oder der Nebennieren.

Der Gewinn des Preises gebe ihr nicht nur Motivation, sondern auch eine grosse Verantwortung, sagte sie. Sie wolle damit auch andere junge Forschende animieren, mit ihren Forschungen weiterzumachen. Zudem erlaube ihr die Preissumme, weitere Studien zu finanzieren.

Leitbild

Ein im Dezember letzten Jahres veröffentlichter Bericht belegt, dass in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern in Europa nur relativ wenige Frauen an den Hochschulen und in der wissenschaftlichen Forschung Führungspositionen besetzen.

Christ-Cran ist sich bewusst, dass sie als erfolgreiche Wissenschafterin und Mutter von zwei kleinen Kindern als Vorbild für andere junge Frauen in diesem Sektor angesehen werden kann.

"Vielleicht ist es nur Zufall, dass sich in meiner Arbeitsgruppe nur Frauen befinden. Aber ich glaube, sie sehen an meinem Beispiel, dass es möglich ist, beides zu kombinieren."

Doch dies sei nicht immer leicht. Christ-Crain sagte, es erfordere manchmal schon einen grossen Balanceakt.

Vor allem aber brauchten gute Forschende Begeisterung, und ihre Tätigkeit müssten sie lieben, so die Professorin. Weiterhin müssten sie auch fähig sein, ein Team zu motivieren und die Patienten davon zu überzeugen, dass sie einen wertvollen Beitrag zur medizinischen Forschung leisteten.

"Vor allem aber brauchen sie ein gute Portion Glück."

Isobel Leybold-Johnson, swissinfo.ch
(Übertragung aus dem Englischen: Etienne Strebel)

Latsis-Preis

Der Latsis-Preis ist eine der höchsten Auszeichnungen für Forschende in der Schweiz. Er wird jedes Jahr vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) im Auftrag der Genfer Latsis-Stiftung verliehen.

Die mit 100'000 Franken dotierte Auszeichnung honoriert besondere wissenschaftliche Leistungen von jeweils einem Forscher oder einer Forscherin im Alter bis zu 40 Jahren in der Schweiz.

Die Latsis-Stiftung, eine gemeinnützige Organisation, wurde 1975 von der griechischen Familie Latsis in Genf ins Leben gerufen.

Die Latsis-Stiftung sponsort derzeit vier Universitäts-Preise in der der Höhe von je 25'000 Franken und den Latsis-Preis mit 100'000 Franken.

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Mirjam Christ-Crain

Mirjam Christ-Crain studierte Medizin in Basel, schloss 1999 ab und erlangte 2000 den Doktortitel. Sie spezialisierte sich dann auf Endokrinologie.

Von 2005 bis 2007 arbeitete sie im Bartholomew-Spital in London, wo sie 2008 zum Doktor promovierte.

Sie wurde auch Chefärztin der Abteilung für Endokrinologie, Diabetes und Ernährung am Basler Universitätsspital.

2009 erhielt sie vom Schweizerischen Nationalfonds (SBF) einen Lehrauftrag. Dieser fördert junge Wissenschafter und Wissenschafterinnen mit anerkannter mehrjähriger Praxiserfahrung in ihrer Karriere.

Mirjam Christ-Crain erhielt zahlreiche Auszeichnungen im Bereich von Infektionskrankheiten und Endokrinologie. Ihre Studien wurden in internationalen Fachzeitschriften publiziert.

Sie und ihr Team erforschen weiterhin im Bereich Stress-Hormon. Mehrere entsprechende Studien sind unterwegs.

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