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Aids-Kampagne: Bischöflicher Gegenwind

Das von den Schweizer Bischöfen angegriffene Plakat. stopaids.ch

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat nach einer Intervention der Schweizerischen Bischofskonferenz ein Plakat der neuen Stopp-Aids-Kampagne zurückgezogen.

Das Plakat mache die Haltung der katholischen Kirche lächerlich, empörten sich die katholischen Bischöfe.

Der Rückzugs-Entscheid für das betreffende deutsche und französischsprachige Plakat sei nach einem «sehr intensiven Gespräch» mit der Bischofskonferenz getroffen worden, erklärt BAG-Sprecherin Sandra Meier. Das BAG hätte nie beabsichtigt, die katholische Kirche anzugreifen oder den christlichen Glauben lächerlich zu machen, erklärt die BAG-Sprecherin weiter.

Das Plakat sei das einzige aus der ganzen Serie von mehr als 100, welches sich direkt an eine Gemeinschaft und ein Land (katholische Kirche und Vatikan) wende. Auch deshalb sei es den Kampagnen-Verantwortlichen nicht schwer gefallen, das umstrittene Plakat zurückzuziehen.

Der Schwyzer Kommunikations-Experte Iwan Rickenbacher zeigt Verständnis für den Protest der Bischöfe: «Wenn die Plakate vor Kirchen gestanden wären, hätte sich ein Teil der kirchennahen Menschen davon betroffen fühlen können. Vor allem ältere Menschen, die möglicherweise die Sexuallehre der katholischen Kirche als ihre eigene verstehen, hätten sich dadurch provoziert gefühlt.»

Befriedigte Reaktion

Marc Aellen, Pressesprecher der Schweizerischen Bischofskonferenz, ist über die Reaktion der Kampagnenleitung erfreut: «Das BAG hat akzeptiert, dass es mit der Formulierung ein wenig zu weit gegangen ist.» Aellen ist überzeugt, dass die Behörde nicht mit einer so heftigen Reaktion gerechnet hatte.

Aellen versichert, dass die Kirche die Aids-Prävention ernst nehme. Er betont jedoch: «Für uns bleibt der beste Schutz vor Aids die Treue. Das ist vielleicht etwas unmodern, aber es ist unser Glauben und unsere Überzeugung. Nur wenn eine Person nicht treu sein kann, soll sie Kondome verwenden.»

Verständnis für unterschiedliche Betrachtungsweisen

Lee Chung-Yol, BAG-Vizedirektorin, zeigt Verständnis für die unterschiedlichen Ansichten von BAG und der Bischofskonferenz: «Für uns ist der Einsatz von Kondomen in erster Linie eine Frage des Verhaltens von Menschen untereinander. Wie eine sexuelle Beziehung gelebt wird, ist eine Frage von Moral und Ethik – der Gebrauch eines Kondoms ist eine technische Frage.»

Die katholische Kirche habe bisher nie auf diese Art über dieses Thema gesprochen, da der Gebrauch von Präservativen nur für diejenigen in Frage komme, die der katholischen Moral und Ethik nicht folgen können. Es gehe der Kirche nur darum, eine Ansteckung zu verhindern, meint Lee Chung-Yol weiter. Die katholische Kirche lässt Kondome nicht als Hilfsmittel für die Familienplanung zu.

Kampagne gescheitert?

Im BAG ist man nicht der Ansicht, dass mit dem Plakat-Rückzug die ganze Kampagne gescheitert sei, meint Lee Chung-Yol: «Wir haben mit grosser Sorgfalt eine Balance gesucht zwischen Provokation und dem Nicht-Verletzen einer Organisation oder eines Staates», erklärt BAG Vize-Direktorin Chung-Yol. Die Kampagne verfüge über 100 verschiedene Texte, da bedeute die Entfernung eines einzigen keine Gefahr für diesen Aids-Feldzug.

Kritische Anmerkungen

Kommunikationsexperte Iwan Rickenbacher urteilt: » Die humoristische, die ironische Note kumuliert irgendwie mit dem Verständnis vieler Menschen, die meinen, die Medikamente um die Folgen von Aids eindämmen zu können, seien nun schon entwickelt. Eine gewisse Gefahr der Verharmlosung der Problematik würde ich nicht ganz ausschliessen.»

Rickenbach vermisst, wenn er die Kampagnen der letzten Jahre miteinander vergleicht, Erkennbarkeit und Kontinuität: «In den letzten Jahren ist in der Schweiz in Bezug auf die Aids-Prävention sehr viel experimentiert und auch verändert worden. Die Gefahr besteht, dass die Erkennbarkeit der ganzen Aktion wieder abbrechen könnte. Da hätte ich mir etwas mehr Kontinuität gewünscht.»

swissinfo, Etienne Strebel

Die Stopp-Aids-Kampagne 2003 besteht «nur» aus Textplakaten:
87 Slogans sind auf Deutsch, 40 in französischer Sprache und 25 auf Italienisch.
Die Texte sind humoristisch und teilweise ironisch abgefasst und wenden sich direkt an die betroffenen Kreise.
Bis ins Jahr 2000 war die Zahl neu diagnostizierter HIV-Infektionen rückläufig, was als Effekt der Prävention gewertet wird.
Seit 2001 zeigen die gemeldeten positiven HIV-Testresultate wieder eine steigende Tendenz. Im Jahr 2002 betrug der Anstieg 25,3%.

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