Atomenergie: Sicherheit bleibt ein Thema
Trotz Rissen an Nähten und Bränden während der Revisions-Arbeiten ging das Kernkraftwerk Leibstadt am Dienstag (28.08.) wieder ans Netz. Die Sicherheits-Behörde verlangt allerdings eine Untersuchung. Gleichentags wettert die Atomlobby gegen die "atomfeindliche" Haltung der Regierung.
Im Kernkraftwerk Leibstadt begann am Dienstag nach der Jahresrevision der 18. Betriebszyklus. Die zuständige Sicherheits-Behörde des Bundes, die Hauptabteilung für die Sicherheit von Kernanlagen (HSK), hatte dafür grünes Licht gegeben. Allerdings listet die HSK einige Mängel auf. So seien bei der Ultraschall-Überprüfung bei vier von zwölf untersuchten Schweissnähten Risse gefunden worden.
«Rissartige Anzeigen», so die HSK, seien an zweien dieser vier Nähte schon bei der Revision 2000 festgestellt worden. Sie hätten sich nicht weiter verändert. Allerdings fordert die HSK eine Ursachen-Analyse. Erst dann will die Sicherheits-Behörde über allfällige Massnahmen entscheiden.
Weil aufgrund von Messungen im Reaktorwasser Schäden an Brenn-Elementen vermutet wurden, liess das Kernkraftwerk sämtliche Brenn-Elemente kontrollieren. Rund ein Fünftel wurde ersetzt. Der Schaden an einem defekten Brennelement wird laut HSK untersucht.
Sparen auf Kosten der Sicherheit?
Ebenfalls untersucht werden die Ursachen für drei Brände, die bei Schweiss- und Schneidbrenn-Arbeiten während der Revisions-Arbeiten entstanden sind. Weder sei dabei Radioaktivität freigesetzt worden, noch seien sicherheitstechnisch wichtige Systeme beeinträchtigt worden, bestätigt die HSK. Verletzt wurde niemand. Mitarbeiter haben die Brände selbst gelöscht.
Dennoch würden ihn diese Brände beschäftigen, sagte HSK-Direktor Wolfgang Jeschki gegenüber swissinfo: «Es zeigt, dass die Arbeiten nicht so sorgfältig vorbereitet wurden, wie es hätte sein sollen». Nun soll abgeklärt werden, ob und wie diese Unfälle mit der Liberalisierung des Elektrizitätsmarktes in Zusammenhang stehen. Man wolle untersuchen, so Jeschki, «ob der Kostendruck auf die Arbeiten im Stillstand zu hoch ist».
Keine Nachrüstung verlangt
Anders als vor Jahresfrist beim Atomkraftwerk Gösgen, wo die Sicherheits-Behörde Nachrüstungen verlangte – und diese trotz anfänglicher Opposition der Gösgen-Betrieber schliesslich durchsetzte – verlange man in Leibstadt keine Nachrüstungen, so Jeschki. Alles weitere hänge nun von den Untersuchungs-Ergebnissen ab.
Breitseite gegen Energieminister Leuenberger
Die Schweizerische Vereinigung für Atomenergie (SVA), in der alle Kernkraftwerke zusammengeschlossen sind, fand gleichentags an ihrer Jahresversammlung keine wohlwollenden Worte für die Behörden. Im Schussfeld der Kritik stand Bundesrat Moritz Leuenberger, konkret die «atomfeindliche Haltung» des Energieministers, so die Kritik des abtretenden Präsidenten. Dies obgleich 40% des in der Schweiz produzierten Stroms aus Atomkraftwerken stamme.
swissinfo und Agenturen
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