Des Schweizers Sorgenkinder
Die Arbeitslosigkeit bereitet den Schweizerinnen und Schweizern wieder vermehrt Sorgen. An der Spitze steht weiterhin das Gesundheitswesen, wie aus dem "Sorgenbarometer" hervorgeht.
Das «Sorgenbarometer» hat in der Schweiz Tradition. Und bereits zum zweiten Mal in Folge führt das Gesundheitswesen die Liste der drängendsten Fragen und grössten Sorgen der Bevölkerung an. Die Grossbank Credit Suisse (CS) veröffentlichte am Donnerstag die Ergebnisse, welche das GfS-Forschungsinstitut im vergangenen Jahr in einer Umfrage bei über 1’029 Schweizerinnen und Schweizern herausgefunden hat.
Deutlich mehr Sorgen – bei allen
Auffällig sei, dass die Nennhäufigkeit gegenüber dem Vorjahr um fünf auf neu 64 Prozent zugenommen habe. Obwohl das Gesundheitswesen verstärkt von Menschen der Mittelschichten als Sorgenthema genannt worden sei, stelle es nahezu für alle sozialen Gruppen ein Problem dar.
Arbeitslosigkeit rasant wieder im Bewusstsein
Analog zur schleppenden Schweizer Wirtschaft beschäftigt die Leute die Arbeitslosigkeit. Innert Jahresfrist rückte das Thema im Problembewusstsein der Bevölkerung von der fünften auf die zweite Position vor.
45 Prozent der Befragten hatten die Arbeitslosigkeit als grösste Sorge bezeichnet. Im Vorjahr waren es noch 34 Prozent gewesen. Dieses Ergebnis sei eine rasche Reaktion der Bevölkerung auf die veränderte Lage der Weltwirtschaft und beweise, dass die Gesellschaft unvermindert sensibel auf Schwankungen der ökonomischen Lage reagiere, schreibt die CS.
Neu: Terrorismus
Die Europa-Frage und das Thema Flüchtlinge/Asylbewerber verzeichneten wie auch die Altersvorsorge eine klar rückläufige Entwicklung. Im Vorjahr noch kaum thematisiert, rangiert der Terrorismus/Extremismus nun an sechster Stelle des Barometers. Ursprünglich verstärkt unter dem Aspekt des politischen Extremismus gewertet, wird das Problem nun in Verbindung mit dem globalen Terrorismus gebracht.
Ebenfalls an sechster Stelle befindet sich die «Neue Armut». Im Vorjahr erachteten 18 Prozent der Befragten dieses Thema als problematisch, 2001 waren es bereits 27 Prozent.
Kein Vertrauen in Banken
Gesunken ist gemäss der Studie das Vertrauen in die Wirtschaft. 41 Prozent (29%) der Befragten hatten oft das Gefühl, die Wirtschaft versage in entscheidenden Dingen. Insbesondere die Banken kommen schlecht weg: Nur noch 33 Prozent (55%) haben in sie Vertrauen; 45 Prozent (21%) fehlt dieses.
Mehr Sorgen bereitete auch die Globalisierung. Erstmals 1996 aufgetreten, figuriert diese Thematik im vergangenen Jahr nun bereits auf dem achten Rang. Als langfristiger Trend ist der kontinuierliche Rückgang der Nennhäufigkeit beim Umweltschutz zu erkennen. Diese Entwicklung markiere den Übergang von ökologischen zu gesellschaftspolitischen Prioritäten im Problembewusstsein der Bevölkerung und signalisiere einen klaren Wertewandel.
swissinfo und Agenturen
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