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Gewerkschaftsbund: Trotz Rückgang der Arbeitslosigkeit noch zu früh für Entwarnung

Für eine Entwarnung auf dem Arbeitsmarkt ist es aus Sicht des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) noch zu früh. Der Kampf um mehr Arbeitsplätze, mehr Lohn sowie die 11. AHV-Revision sind für den Dachverband die Schlüsselthemen dieses Jahres.

Für eine Entwarnung auf dem Arbeitsmarkt ist es aus Sicht des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes (SGB) trotz starkem Rückgang der Arbeitslosigkeit noch zu früh. Der Kampf um mehr Arbeitsplätze, mehr Lohn sowie die 11. AHV-Revision sind für den Dachverband die Schlüsselthemen dieses Jahres.

Am vergangenen Freitag gab das Staatssekretariat für Wirtschaft bekannt, dass die Arbeitslosigkeit 1999 auf den tiefsten Stand seit sieben Jahren gesunken ist. SGB-Sekretär Serge Gaillard sagte am Donnerstag (13.01.) an der Jahrespressekonferenz in Bern dazu, es sei zu früh für eine Entwarnung auf dem Arbeitsmarkt. Denn es fehlten rund 150’000 Arbeitsplätze. Wer von «Vollbeschäftigung» rede, vergesse, dass sich in der sechsjährigen Krise ein enormes Ungleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt aufgebaut habe. Von 1991 bis 1997 habe sich eine Lücke von 200’000 bis 250’000 Arbeitsplätzen geöffnet. Diese sei seither um 50’000 bis 70’000 verkleinert worden. Die Zahl der fehlenden Arbeitsplätze entspreche ziemlich genau der Zahl der Stellensuchenden. Dazu kommen laut Gaillard einige Zehntausende Ausgesteuerte und Entmutigte sowie Teilzeitbeschäftigte, die gerne wieder oder mehr arbeiten würden.

Die Klage der Arbeitgeber, es fehle bereits an gelernten Arbeitskräften, ist vorerst nicht allzu ernst zu nehmen, wie Gaillard sagte. Die Arbeitgeber hätten sich in der Krise daran gewöhnt, unter den Besten auswählen zu können. Sie müssten wieder mehr Verantwortung für die Integration der Erwerbstätigen in die Unternehmung übernehmen. Zudem hätten sie in vielen Berufen in der Krise zu wenig Personal ausgebildet. Dies müsse jetzt nachgeholt werden.

Mit der 11. AHV-Revision und der ersten Revision des Gesetzes über die berufliche Vorsorge (BVG) stehen in diesem Jahr sozialpolitische Entscheide an, die die Schweiz über viele Jahre prägen werden, wie SGB-Präsident Paul Rechsteiner sagte. Für den SGB muss die AHV-Revision das Versprechen eines für alle finanzierbaren frühzeitigen Rentenalters einlösen. Bei der BVG-Revision müsse mit der Diskriminierung der tiefen Einkommen und der Teilzeitbeschäftigten endlich Schluss gemacht werden. «Der SGB wird die Versuche, aus der Rentenaltersregel eine Sozialabbauvorlage zu machen und bei den Pensionskassen, die ja im Geld schwimmen, Rentensenkungen durchzusetzen, entschieden bekämpfen», sagte der SGB-Präsident. Nicht nur die sozialpolitischen Auswirkungen, sondern auch die Verteilungswirkungen dieser Entscheide zu Gunsten oder zu Lasten der tiefen Einkommen seien gewaltig.

Negativer Trend bei Löhnen gebrochen

Bei den Löhnen konnte nach einer provisorischen Einschätzung Rechsteiners letztes Jahr der negative Trend gebrochen werden. Viele Anpassungen seien aber mickrig gewesen, der Nachholbedarf sei nach wie vor erheblich. Dort, wo für Lohnerhöhungen gekämpft worden sei, habe sich dies nicht nur finanziell gelohnt. Gebrochen worden sei die fatale Entwicklung zu individuellen Anpassungen. Die Anhebung der Löhne mit dem Schwerpunkt generelle Erhöhungen für die unteren und mittleren Einkommen, die vermehrte Koordination und der Austausch der Verbände bilde für den SGB auch dieses Jahr einen Schwerpunkt. Über die Verteidigung der Löhne hinaus wird das schweizerische Arbeitsrecht auch beim Schutz gegen Entlassungen weiterentwickelt werden müssen. Die Unterentwicklung des schweizerischen Arbeits- und Mitwirkungsrechtes in diesem Bereich und der mangelnde Schutz vor den Praktiken eines «Brutalo-Kapitalismus» werde immer mehr zum Standortnachteil im europäischen Vergleich.

SRI und Agenturen

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