Medikamenten-Missbrauch: «Weiblich, tabuisiert, legal»
Jede zehnte erwachsene Person konsumiert regelmässig Medikamente mit Sucht-Potenzial - vor allem Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel.
Die Zahl der Medikamenten-Abhängigen in der Schweiz wird gemäss Zürcher Fachstelle zur Prävention des Alkohol- und Medikamenten-Missbrauchs (ZüFAM) auf etwa 60’000 geschätzt, also auf fast ein Prozent der Schweizer Bevölkerung.
Der Medikamenten-Missbrauch sei «eine stille, weibliche, tabuisierte, legale, unerkannte und weitverbreitete Sucht», heisst es in einer ZüFAM-Mitteilung.
Untersuchungen zeigten, dass unabhängig vom Alter Frauen häufiger psychoaktive Substanzen konsumierten. Mit steigendem Alter nehme der Gebrauch zu. Aber auch Jugendliche konsumierten immer häufiger Medikamente, um sich zu berauschen.
Entzug oft nur stationär möglich
Ein grosses Problem stellen laut ZüFAM die Schlaf- und Beruhigungsmittel dar, die den Wirkstoff Benzodiazepin enthalten. Die Wahrscheinlichkeit einer Abhängigkeit von diesem Wirkstoff steige mit der Einnahme-Dauer und der Dosis.
Diese Medikamente könnten schon nach wenigen Wochen abhängig machen. Trotzdem würden sie häufig über Jahre ärztlich verschrieben, heisst es in der Mitteilung.
Schwieriger Entzug
Die Benzodiazepin-Abhängigen fallen oft jahrelang nicht auf. Die Nebenwirkungen sind jedoch schwerwiegend. Der Entzug gestalte sich schwierig und sei in der Regel nur stationär möglich, schreibt die ZüFAM.
Die Präventions-Fachstelle bemüht sich um eine Enttabuisierung des Themas Medikamenten-Missbrauch. Mit zielgruppen-spezifischen Broschüren sollen vor allem die Risikogruppen Frauen ab 40 Jahren, Jugendliche sowie Seniorinnen und Senioren angesprochen werden.
swissinfo und Agenturen
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