Der öffentliche Verkehr in der Schweiz mit seinem dichten Eisenbahnnetz, den Postautos und dem örtlichen Nahverkehr zählt zu den besten auf der ganzen Welt.

In keinem anderen Land werden pro Jahr und Einwohner mehr Kilometer zurückgelegt als in der Schweiz.

Im Durchschnitt unternehmen Schweizer und Schweizerinnen 59 Bahnfahrten pro Jahr, sie sind damit "Europameister" (Stand 2015). Bei der Zahl der einzelnen Fahrten werden sie weltweit nur von Japan übertroffen. Trotzdem wird in der Schweiz noch immer viel Auto gefahren.

In den meisten Schweizer Städten existiert ein gut ausgebautes öffentliches Netz von Bussen und Trams. Viele Leute bewegen sich im täglichen Leben auch mit dem Fahrrad oder zu Fuss. Ausländische Besuchende und in der Schweiz lebende Ausländerinnen und Ausländer gewöhnen sich rasch daran, den öffentlichen Verkehr zu benutzen. Ein Leben ohne Auto ist in Schweizer Städten – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern – ohne weiteres möglich.

Mobilität nimmt zu

Generell ist die Mobilität der Schweizer Bevölkerung seit 1984 stark gewachsen: Von 29 auf 38 Kilometer pro Person und Tag im Jahr 2005. Auch die Zeit, die eine Person jeden Tag unterwegs ist, ist gestiegen: Von 70 Minuten 1984 auf 98 im Jahr 2005. Ein grosser Anteil der Mobilität entfällt auf die Freizeit – 2005 waren es rund 50% –, gefolgt von Fahrten zur Arbeit oder Ausbildung.

81% der Schweizer Haushalte besitzen mindestens ein Auto, 19% keines. Rund 48% der Bevölkerung über 16 Jahre besitzen ein Abonnement für den öffentlichen Verkehr, gut 30% ein Halbtax-Abonnement (ermöglicht den Kauf von Tickets zum halben Preis) und 7% ein Generalabonnement (für Fahrten auf dem öffentlichen Verkehrsnetz im ganzen Land).

Weitere offizielle statistische Kennzahlen zu Mobilität und Verkehr finden Sie beim Bundesamt für Statistik.

Individualverkehr

Auch Ausländerinnen und Ausländer, egal ob Touristen oder Einwanderer und Einwanderinnen, setzen in der Schweiz rasch auf öffentliche Transportmittel. Dennoch besitzen sehr viele Menschen ein Auto. Die Dichte der Personenwagen ist sehr hoch: Auf Schweizer Strassen fahren rund vier Millionen Personenwagen (Stand 2009).

Wer kein eigenes Auto kaufen will, kann seit 1997 Mitglied von "Mobility" werden, einem Carsharing-Verein, bei dem man bei Bedarf ein Auto bucht (Als Mobility-Kunde kann man auch in Deutschland und Österreich in rund 140 Städten Autos nutzen). Das Auto-Teilen ist in der Schweiz bisher auf mehr Erfolg gestossen als in anderen Ländern mit ähnlichen Systemen.

Eisenbahnen

Die Schweiz besitzt eines der dichtesten Eisenbahnnetze der Welt. Betrieben wird das System hauptsächlich von den öffentlichen Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Daneben gibt es eine Reihe unabhängiger Normal- und Schmalspurbahnen, die lokale und regionale Dienstleistungen anbieten.

Zu den Schmalspurbahnen gehört unter anderen die Rhätische Bahn (RhB) in Graubünden. Die Albula-Bernina-Linie der Rhätischen Bahn ist nicht nur eine wichtige Verbindung zwischen der Schweiz und Italien; dank ihren atemberaubenden Viadukten und Tunnels ist die rote Schmalspurbahn auch eine Touristen-Attraktion. 2008 wurde die Bahn ins UNESCO-Welterbe aufgenommen.

Eine weitere Attraktion ist die Jungfraubahn im Berner Oberland. Die Zahnradbahn führt von der Kleinen Scheidegg auf das Jungfraujoch – auch als Top of Europe bekannt – zum höchst gelegenen Bahnhof Europas auf 3454 Metern über Meer. Auch die Region Jungfrau-Aletsch gehört zum UNESCO-Welterbe.

Beim Informationsdienst für den öffentlichen Verkehr finden Sie eine Liste der öffentlichen Transportunternehmen in der Schweiz.

Güterverkehr durch die Alpen

Die Schweiz mit ihren Alpen liegt auf einer der wichtigsten Nord-Süd-Achsen Europas. Die Alpentäler müssen einen grossen Teil des Verkehrsaufkommens absorbieren. Der stetig wachsende Strassenverkehr führte zu immer mehr Staus in den engen Tälern, zudem wuchs die Umweltbelastung.

Um Gegensteuer zu geben, setzen die Schweizer Regierung und die Stimmbevölkerung auf eine Politik der Verlagerung des Güterverkehrs von der Strasse auf die Schiene. Mit dem Konzept der "rollenden Landstrasse" werden ganze Lastwagen oder Sattelzüge durch die Schweiz transportiert – vom deutschen Freiburg im Breisgau nach Novara in Italien.

Um das erhöhte Transportaufkommen auf den Schienen zu bewältigen, investiert die Schweiz viel Geld in den Ausbau von zwei Nord-Süd-Bahnachsen – in den Lötschberg-Basistunnel und den Gotthard-Basistunnel. Möglich wurden die Jahrhundert-Bauwerke, nachdem das Schweizer Stimmvolk in den 1990er-Jahren das Projekt der Neuen Eisenbahn-Alpentransversalen (NEAT) gutgeheissen hatte.

Der neue Lötschbergtunnel vom Berner Oberland ins Wallis ist seit 2007 in Betrieb. Wegen des Andrangs von Passagier- und Güterzügen ist die Strecke bereits stark ausgelastet – und Rufe nach einem weiteren Ausbau auf zwei Röhren wurden laut.

Beim Gotthard-Basistunnel erfolgte der Durchstich Mitte Oktober 2010, der Vollbetrieb wird Ende 2016 aufgenommen. Auf der Gotthardachse werden neben mehr Güterzügen auch Höchstgeschwindigkeitszüge für Personen verkehren können, welche die Reisezeit zwischen Norden und Süden massiv verkürzen.

Von der Kutsche zum Postauto

Vor dem Bahnzeitalter transportierten in der Schweiz wie in anderen Ländern Postkutschen neben der Post auch Passagiere. Das Pferdepostnetz in der Schweiz wurde ab 1849 aufgebaut. 1906 folgte der erste fahrplanmässige Automobil-Postkurs, 1919 wurde die Strecke über den Simplon in Betrieb genommen (Weitere Eckdaten zur Geschichte des Postautobetriebs in der Schweiz bei PostAuto.ch).

Der weitaus grösste Teil der Postautolinien wird von PostAuto betrieben, einem Konzernbereich der öffentlichen Schweizerischen Post. Allerdings können sich heute auch andere Unternehmen bewerben, wenn Linien ausgeschrieben werden.

Bis heute versorgen Postautos neben den Agglomerationen auch abgelegene alpine und ländliche Regionen, die von der Bahn nicht erschlossen sind. Mit den Bahnen bilden die Postautos ein dicht gewobenes Transportnetz im ganzen Land. Die Fahrpläne der Postautos im Linienverkehr werden so weit als möglich auf die Fahrpläne der Züge abgestimmt.

Neben dem Verkehr zu Land gibt es in der Schweiz auf Seen und Flüssen auch Schiffe, die fahrplanmässig verkehren. Teilweise nur im Sommer. Weitere Informationen finden Sie auf der Website Schweizerschifffahrt.ch.

Flughäfen

Der grösste Schweizer Flughafen liegt in Kloten bei Zürich. Dieser ist für die Swiss International Air Lines, die Nachfolgegesellschaft der Swissair, der eigentliche Heimatflughafen, auch wenn Swiss heute eine Tochtergesellschaft der deutschen Lufthansa ist.

Grössere Flughäfen gibt es daneben in Cointrin bei Genf und in Basel (Euroairport), beide liegen teilweise auf französischem Boden. Kleinere regionale Flughäfen sind zudem bei Bern und Lugano zu finden.

swissinfo.ch