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«Panorama Suisse» in Locarno als Visitenkarte des Schweizer Kinos

Keystone-SDA

Am Mittwoch beginnt das 79. Locarno Film Festival. Das Programm des bedeutenden Treffpunkts der Filmbranche richtet den Blick vor allem ins Ausland. Doch welche Rolle spielt der Anlass für das Schweizer Kino?

(Keystone-SDA) Insgesamt zeigt das Festival über 230 Filme, darunter 28 Schweizer Produktionen und acht Koproduktionen. In der unabhängigen Sektion «Panorama Suisse» sind ausgewählte Schweizer Lang- und Kurzfilme zu sehen, die seit der letzten Locarno-Ausgabe im Kino zu sehen waren.

Für aktive Kinogängerinnen und -gänger mag die Auswahl bekannt vorkommen und eine Nachholmöglichkeit für verpasste Filme darstellen. Das «Panorama Suisse» solle in erster Linie dem internationalen Locarno-Publikum das aktuelle Schweizer Filmschaffen näherbringen, sagte Niccolò Castelli, künstlerischer Leiter der Solothurner Filmtage, zur Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Er war an der Auswahl der Filme beteiligt. Diese wird in Zusammenarbeit zwischen dem Locarno Film Festival, den Solothurner Filmtagen und der Stiftung Swiss Films getroffen.

Spezielle Erfolgsfilme

Dieses Jahr gehört etwa das historische Drama «A bras-le-corps» von Marie-Elsa Sgualdo zu diesem Filmprogramm. Es spielt zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und zeichnet die Verzweiflung einer jungen Frau nach, die nach einer Vergewaltigung wegen ihrer Schwangerschaft erheblichem sozialen Druck ausgesetzt wird. Ausserdem hinterfragt der Spielfilm die Rolle der Schweiz bei der Verfolgung der Juden in der Nazizeit.

Als Dokfilm ist «I Love You, I Leave You» von Moris Freiburghaus über seinen Freund und den Musiker Dino Brandão ebenso Teil des «Panorama Suisse». Im Frühjahr wurde er als bester Dokumentarfilm mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet.

Es seien Filme aus allen Schweizer Sprachregionen, die einen speziellen Erfolg feierten, so Castelli – ob im Heimkino oder an Festivals im Ausland. «Wir wollen in Locarno zeigen, dass der Schweizer Film vielfältig und lebendig ist.»

Offene Bildsprache

Zwar gelte die Schweiz seit jeher als Dokumentarfilmland, doch auch die hiesige Filmlandschaft sei offener geworden und biete unterschiedliche Bildsprachen und Genres. Die Schwarz-Weiss-Tragikomödie «Sie glauben an Engel, Herr Drowak» von Regisseur Nicolas Steiner und mit der Zürcher Schauspielerin Luna Wedler veranschauliche dies zum Beispiel ganz gut, so Castelli.

Die Hälfte der zehn Filme des «Panorama Suisse» sind Spielfilme. Und auch die dokumentarischen Werke würden mittlerweile von einer klassischen Erzählweise absehen. Dafür gibt es laut Castelli so einige verbindende Motive im aktuellen Schweizer Filmschaffen: «Es handelt von Identitätssuche, blickt in die Vergangenheit und fragt danach, was die Schweiz eigentlich ist.»

Am Ende hoffe man mit dem «Panorama Suisse» auch, den Schweizer Film ins Ausland zu exportieren, so Castelli. Schliesslich besuchen Branchenleute aus aller Welt das Festival im Tessin, auf der Suche nach Werken für ihre Kinos.

Auch der künstlerische Leiter des Locarno Film Festivals, das vom Mittwoch bis am 15. August stattfindet, sieht darin eine wichtige Rolle für die hiesige Filmlandschaft: «Das Locarno Film Festival ist zwar ein internationales Festival, ist und bleibt jedoch ein Schlüsselelement für die Förderung des Schweizer Kinos», sagte er.

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