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ABB: Verdächtige Zahlungen in Nahost

Der Hauptsitz der ABB in Zürich-Oerlikon. Keystone

Der schweizerisch-schwedische Elektronikkonzern ABB hat verdächtige Zahlungen in Nahost entdeckt, die unter das Antikorruptionsgesetz der USA fallen dürften.

Dieser Inhalt wurde am 08. Februar 2006 - 08:08 publiziert

ABB hat bereits eine disziplinarische Untersuchung gegen mehrere Angestellte eingeleitet und die US-Behörden informiert.

Die "verdächtige Zahlungen" in einem Land "im Mittleren Osten" seien nach internen Prüfungen bei ABB aufgedeckt worden.

Über diese Vorfälle seien das US-Justizministerium und die US-Börsenaufsicht SEC informiert worden, schreibt ABB in einer Mitteilung vom Mittwoch. Diese Zahlungen und "einige andere Zahlungen seitens Tochtergesellschaften von ABB in verschiedenen Ländern" seien freiwillig gemeldet worden.

Verstoss gegen Antikorruptions-Gesetz?

Eventuell würden die Zahlungen gegen den Foreign Corrupt Practices Act (FCPA) oder andere anwendbare Gesetze verstossen, schreibt ABB weiter. Das könnte für ABB sowohl finanzielle Folgen in Form von Geldstrafen und weiteren Kosten als auch geschäftsbezogene Konsequenzen haben.

"Bussen können keineswegs ausgeschlossen werden", sagte ABB-Sprecher Thomas Schmidt. ABB habe die Vorfälle erst vor kurzem entdeckt und umgehend die zuständigen Behörden informiert. Man habe auch in früheren Fällen immer mit den Behörden zusammengearbeitet.

Es handle sich um ein laufendes Verfahren, da seien keine näheren Auskünfte möglich, sagte ABB-Sprecher Thomas Schmidt auf Anfrage. Er betonte aber, in die Vorfälle sei niemand von ABB in Zürich involviert.

Die ABB setzt nach eigenen Angaben ihre internen Untersuchungen und Compliance-Prüfungen fort. Darüber hinaus habe das Unternehmen disziplinarische Ermittlungen gegen mehrere Mitarbeiter eingeleitet. Die gemeldeten Vorfälle seien "sehr bedauerlich", wird ABB-Konzernchef Fred Kindle in der Mitteilung zitiert.

Unregelmässigkeiten

ABB war bereits in der Vergangenheit verschiedentlich wegen Unregelmässigkeiten in die Schlagzeilen geraten. Die Fälle kosteten den Konzern bereits Millionen von Dollar.

Im vergangenen April informierte der Elektronikkonzern über Fälle von Bestechung bei der Software-Tochter ABB Network Management in Texas. Um Aufträge zu sichern, waren dort über Mittelsmänner Zahlungen in der Höhe von 560'000 Dollar erfolgt.

Die Unregelmässigkeiten waren Mitte 2004 bei einer internen Untersuchung festgestellt worden. Sie erfolgten in Zusammenhang mit Geschäftsaktivitäten in Lateinamerika und im Nahen Osten. Im Zuge der Untersuchung kündigte ABB zwei Managern und informierte die US-Behörden. Das Verfahren ist noch hängig.

Bestechungen

Aufsehenerregend war ein Bestechnungsverfahren in den USA, in dem sich im Juli 2004 zwei Tochtergesellschaften schuldig bekannt haben. Sie gaben zu, afrikanische und asiatische Regierungsvertreter zwischen 1998 und 2003 bestochen zu haben, um sich Aufträge zu sichern.

Analysten und Anleger nahmen die jüngste ABB-Affäre ungnädig auf. Im frühen Geschäft der Schweizer Börse sackte der ABB-Kurs gegenüber dem Vorabend zeitweise um 2,8% auf 13,70 Franken ab.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

2005: ABB entdeckt Schmiergeld-Zahlungen von 600'000 Franken. Sie wurden von Angestellten der IT-Filiale in Sugarland, Texas, ausgeführt.

2004: ABB entlässt den Leiter einer italienischen Filiale aufgrund einer internen Untersuchung. Es ging dabei um Schmiergeld-Zahlungen von geschätzten 466 Mio. Franken.

2004: Zwei britische Filialen der ABB wurden von US-Justizbehörden verurteilt. Sie hatten 20 Mio. Franken an Regierungsvertreter in Afrika und Asien bezahlt, um sich Bestellungen zu sichern.

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Fakten

Der schweizerisch-schwedische ABB-Konzern (Asea Brown Boveri Ltd.) ist weltweit führend in der Elektrotechnologie.
Er ist 1988 aus der Fusion der schwedischen Asea und der schweizerischen BBC entstanden.
Die ABB-Gruppe ist in rund 100 Ländern präsent und beschäftigt weltweit 103'000 Personen.

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