Goldsprung für Evelyne Leu im Freestyle
Dank einem sensationellen zweiten Sprung holt die Schweizer Freestyle-Springerin Evelyne Leu auf ihren Ski Gold an den Olympischen Spielen.
Dies ist bereits die vierte Goldmedaille für die Schweiz, nach Maja Pedersen-Bieri im Skeleton, Tanja Frieden im Boardercross und Philipp Schoch im Snowboard-Riesenslalom.
Alles gewagt und Gold gewonnen: Mit ihrem letzten Sprung ist Skiakrobatin Evelyne Leu im Nebel von Sauze d’Oulx zum Olympiasieg im Freestyle-Springen geflogen.
Silber ging an die Weltmeisterin Li Nina aus China, Bronze holte sich die Australierin Alisa Camplin, die Olympiasiegerin von 2002.
Nach einem ersten Sprung, der nicht nach Wunsch glückte, machte die 29-jährige Leu beim zweiten Sprung alles richtig und distanzierte alle ihre Konkurrentinnen deutlich. Als einzige kam sie mit 202,55 Punkten über die Marke von 200 Punkten hinaus.
Alles auf eine Karte
Im zweiten und entscheidenden Durchgang hatte die im Kanton Zürich wohnhafte Baselbieterin alles auf eine Karte gesetzt: Erstmals in dieser Saison sprang sie im Wettkampf einen Back/Full-Full-Full, einen dreifachen Salto mit dreifacher Schraube, und liess der Konkurrenz keine Chance.
«Ich bin einfach nur glücklich, dass ich diesen Sprung hingestellt habe», sagte sie erleichtert. Denn das Wagnis war sie nicht ganz allein eingegangen «Der Trainer musste mich zum Sprung zwingen. Es ist wie ein Märchen», sagte Leu.
Vom 5. Zwischenrang zuoberst aufs Podest
Die starke chinesische Konkurrenz konnte dem Druck nicht standhalten und fiel beim zweiten Sprung zurück. Nach dem ersten Sprung hatten drei Chinesinnen das Zwischenklassement angeführt. Leu war auf den 5. Platz gekommen.
Mannschafts-Kollegin Manuela Müller komplettiert den Schweizer Glückstag an Olympia und wird 7.
Die Schweizer Springerinnen präsentierten sich damit an den diesjährigen Winterspielen von ihrer besten Seite. Die Equipe von Coach Michel Roth sorgte gar für eine Premiere: Erstmals seit der Aufnahme ins olympische Programm vor zwölf Jahren waren die Schweizerinnen im Final doppelt vertreten.
Goldiger Olympia-Tag
Mit Leus Goldflug ist der Mittwoch der erfolgreichste Schweizer Tag an den Olympischen Spielen: Zweimal Gold und einmal Silber. Vor Leu hatten die Brüder Philipp und Simon Schoch am Nachmittag bereits Gold und Silber im Riesenslalom der Snowboarder geholt.
Swiss Olympic hat nun bereits 20 Diplome auf dem Konto – der bisherige Rekord von Salt Lake City 2002 (16) wurde damit bereits gebrochen. Mit bisher elf Medaillen kommt die Delegation zudem dem Rekord von Calgary 1988 (15mal Edelmetall) immer näher.
Denn eine zwölfte Medaille ist der Schweizer Delegation im Curling-Final der Damen vom Donnerstag bereits sicher. Vor Turin war mit rund acht Medaillen für die Schweiz gerechnet worden.
swissinfo und Agenturen
Medaillenspiegel Schweiz: 4 Gold, 3 Silber, 4 Bronze (Und am Donnerstag spielen die Curling-Frauen gegen Schweden um Gold oder Silber).
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Die wichtigsten Erfolge von Evelyne Leu:
Olympiasiegerin 2006
11. Olympische Spiele 2002
15. Olympische Spiele 1998
WM-Zweite 2005
WM-Vierte 2001
Derzeit zweite im Weltcup-Zwischenklassement
Zum Freestyle zählen zwei Disziplinen: Die Buckelpiste und das Freestyle-Springen.
Beim Springen werden zwei verschiedene akrobatische Sprünge gezeigt. Die Summe der beiden Sprünge ergibt das Gesamtresultat.
Die Wettbewerbe auf der Buckelpiste wurden erstmals 1992 in Albertville ins olympische Programm aufgenommen, das Freestyle-Springen 1994 in Lillehammer.
1998 in Nagano hatte die Schweizerin Colette Brand im Freestyle-Springen die Bronze-Medaille gewonnen.
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