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Antike Orgel entdeckt

Archäologische Massarbeit: Aus Bruchstücken wird die Orgel rekonstruiert. swissinfo.ch

Seit über hundert Jahren lagen die Stücke unerkannt im Depot des römischen Museums von Avenches. Jetzt konnten sie identifiziert werden. Es handelt sich um Teile einer antiken Orgel. Weltweit sind nur drei solche Orgeln bekannt.

Dieser Inhalt wurde am 17. November 2000 - 19:11 publiziert

Die Orgelbestandteile wurden auf dem Areal der Palastvilla Derrière la Tour entdeckt. Es sind zwei kleine Bronzebruchstücke, die als zwei zusammengehörige Teile einer römischen Orgel erkannt wurden. Aus den Bruchstücken konnte rekonstruiert werden, dass die Orgel sechs Register zu je zwölf Tönen umfasste. Anne Hochuli-Gysel, Direktorin des Museums von Avenches, nimmt an, dass die Orgel zwischen 70 und 250 n.Chr. in Funktion war.

Die beiden Teile wurden bei Ausgrabungen bereits 1865 und 1971 entdeckt. Doch erst vor vier Jahren fanden Archäologen heraus, dass es sich dabei um Bestandteile einer antiken Orgel handelt. Die Forschungs-Ergebnisse wurden jetzt in publizierter Form veröffentlicht.

Antikes Orgelspiel

Ähnliche Orgeln wurden bis anhin bloss in Budapest und im nordgriechischen Dion gefunden. Aus diesen Funden wie auch aus einigen ikonographischen oder literarischen Belegen kann man schliessen, dass die Orgel hauptsächlich im Freien gespielt wurde, oft auch im Zusammenspiel mit Blechinstrumenten.

Musiziert wurde vor allem bei Veranstaltungen in der Arena, im Zirkus und im Theater. Daneben tauchen aber auch Beschreibungen von rein musikalischen Orgelkonzerten auf oder vom Musizieren im privaten Kreise zu Hause. Schwieriger sich vorzustellen, ist Klang und Rhythmus der damaligen Orgelmusik.

Bedeutung von Aventicum

Dass die Orgel gerade in Avenches entdeckt wurde, ist für die Wissenschaftlerin Anne Hochuli-Gysel keine grosse Überraschung. Avenches beziehungsweise Aventicum war die Hauptstadt der Helvetier zur Römerzeit und eine äusserst gut entwickelte Stadt.

Sie besass ein regelmässiges Strassennetz, ein Forum, mehrere Tempel, öffentliche Bäder sowie eine Hafenanlage am Murtensee. Später, während des ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhunderts, erhielt die Stadt noch ein Amphiteater, ein Theater und eine Stadtmauer. Man schätzt die Einwohnerzahl in dieser Zeit auf etwa 10'000 bis 20'000 Menschen. Zudem lag Aventicum an einem strategisch günstigen Punkt. Unweit des Murtensees war sie ans römische "Fernverkehrsnetz" angeschlossen und sowohl zu Land wie zu Wasser erreichbar.

Carole Gürtler

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