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29. Oktober 2001


Das Eidg. Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) hat Sofortmassnahmen zur Bewältigung der mit der Gotthard-Sperrung entstandenen Verkehrslage erarbeitet. Im Vordergrund stehen zusätzliche Bahnkapazitäten für den Güter- und Personenwagenverkehr. Zusätzlich ist für den Schwer- und PW-Verkehr die Umleitung von Transitfahrten aus Basel Richtung Westschweiz (Grosser St. Bernhard, Simplon) geplant. Zudem soll der Grossraum Zürich weiträumig umfahren werden. Bundespräsident Moritz Leuenberger sicherte der Bündner Regierung die volle Unterstützung des Bundes zu. BAV-Direktor Max Friedli erörterte in Rom die aktuellen Schwerverkehrsprobleme.

In seiner Analyse des gesamten alpenquerenden Alpentransits in der Schweiz kommt das Bundesamt für Strassen (ASTRA) zum Schluss, dass für den November insgesamt ausreichend Strassenkapazitäten für den Personen- und Güterverkehr vorhanden wären. Dementsprechend ist es auf dem schweizerischen Verkehrsnetz nach dem Unfall im Gotthard vom vergangenen Mittwoch auch nicht zu einem totalen Verkehrskollaps gekommen, wenngleich sich auf der Ausweichroute am San Bernardino (A13) Probleme abzeichnen.

Hier ist die Zahl der Fahrzeuge am Tag des Unfalls von 3500 auf 9000 gestiegen. Schwierigkeiten zeichnen sich vor allem beim schweren Güterverkehr ab. Das UVEK hat deshalb Sofortmassnahmen erarbeitet, damit die 4500 schweren Güterfahrzeuge, die den Gotthard-Tunnel im November bisher täglich jeweils passierten, einerseits auf die Schiene und anderseits auf andere Strassentransitachsen verlagert werden können.

Dieser Plan sieht eine Umleitung des von Basel her kommenden Transitverkehrs via Bern über den Grossen St. Bernhard respektive den Simplon vor. Entsprechende Signalisationen sollen von den betroffenen Kantonen angebracht werden. Simplon und Grosser St. Bernhard verfügen derzeit über freie Kapazitäten von rund 1000 LKW pro Tag. Der aus Singen und Lindau (Deutschland) sowie Bregenz (Österreich) kommende Verkehr wird über die A13 geführt. Daneben soll die San-Bernardino-Route aber in erster Linie dem Binnen-, Ziel- und Quellverkehr zur Verfügung stehen, nicht zuletzt um damit auch die Versorgungssicherheit des Tessins gewährleisten zu können. Im weiteren trägt man damit aber auch den Bedenken des Kantons Graubünden Rechnung, der mit Blick auf die Verkehrssicherheit und gestützt auf das Strassenverkehrsgesetz eine allfällige Kontingentierung des schweren Güterverkehrs ins Auge fasst. Gemäss Berechnungen des Bundesamtes für Strassen ist am San Bernardino noch mit einer Mehrbelastung von 1000 LKWs pro Tag zu rechnen.

Bundespräsident Leuenberger hat in einem Gespräch in Schuls (GR) dem Bündner Regierungsrat Stefan Engler die volle Unterstützung des Bundes bei der Bewältigung der aktuellen Verkehrsprobleme zugesichert und ihn über die Sofortmassnahmen informiert. Leuenberger zeigte Verständnis dafür, dass nicht der ganze Umwegverkehr über die San Bernardino-Route abgewickelt werden könne. Zudem wies er darauf hin, dass eine Kontingentierung des Schwerverkehrs aus praktischen (Triage des Verkehrs nicht machbar) und rechtlichen (Grundsatz der Nichtdiskriminierung) Gründen zurzeit kaum durchführbar sei.

Mit Blick auf die Verkehrsprobleme im Grossraum Zürich empfiehlt das UVEK zudem eine grossräumige Umfahrung der Agglomeration Zürich. Der Verkehr soll statt dessen über Luzern und den Hirzel (A2, A14, A3) auf die A13 umgeleitet werden. Kein Anlass besteht für eine Aufhebung des gesetzlich verankerten Nachtfahrverbots, wie dies teilweise aus dem Ausland zur Diskussion gestellt wurde.

Die Bahnen haben ihr Angebot sowohl für den Schwerverkehr (Rollende Landstrasse, Containerverkehr) als auch den Personenwagenverkehr erhöht. Die erhöhten Kapazitäten auf der Gotthard- und der Lötschbergachse sind noch nicht ausgelastet und können bei Mehrbedarf sofort aufgestockt werden. Eine koordinierte Planung der Bahnen (SBB/BLS) liegt vor.

Kontakte mit Rom, Wien, Paris und Berlin

Auf internationaler Ebene haben verschiedenste Kontakte stattgefunden. So hat der Direktor des Bundesamtes für Verkehr, Max Friedli, anlässlich seines Besuches in Rom seinen italienischen Kollegen Libassi umfassend über die Verkehrssituation und die geplanten Verkehrslenkungsmassnahmen orientiert. Die italienischen Behörden zeigten Verständnis für die Lage der Schweiz; sie hoffen auf eine baldige Wiedereröffnung des Strassentunnels und erwarten, dass die notwendigen Massnahmen ausländische Transporteure nicht diskriminieren. Auch mit den deutschen, österreichischen und französischen Partnern ist der Kontakt aufgenommen worden.

Bern, 29. Oktober 2001

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