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ABB streicht mehr als 10’000 Stellen

Eine weitere Entlassungswelle steht bevor. Keystone

Der schwedisch-schweizerische Elektronik-Konzern ABB will in den nächsten 18 Monaten 800 Mio. Dollar sparen. Zwei Drittel davon werden mit Stellenabbau erzielt.

Die ABB Schweiz soll beim neusten Massenabbau besser wegkommen als andere Länder.

Ob es dann 9000 oder über 12’000 Stellen sein werden, könne er zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen, sagte Konzernchef und VR-Präsident Jürgen Dormann am Freitag an einer Telefonkonferenz.

Der hochverschuldete Konzern hatte bereits im letzten Jahr ein Sparprogramm in Höhe von 500 Mio. Dollar angekündigt, dass über 12’000 Stellen kostete.

Kommt ABB Schweiz mit blauem Auge davon?

Der Chef von ABB Schweiz rechnet damit, dass weniger als 550 von 7300 Stellen in der Schweiz geopfert werden.

Bereits beim Restrukturierungs-Programm von letztem Jahr, als konzernweit 13’000 Stellen gestrichen wurden, war die Schweiz glimpflich davon gekommen. Sie dürfte auch diesmal besser wegkommen, wie der Country Manager von ABB Schweiz, Rolf Schaumann, in einem Interview mit der «Mittelland Zeitung» vom Samstag sagte.

Sparen – und zwar schnell

ABB will in den nächsten anderthalb Jahren weitere 800 Mio. Dollar – 4 Prozent des Umsatzes – eingesparen. Zwei Drittel davon, also gut 520 Mio. Dollar, werden mit Stellenabbau erzielt.

«Wir brauchen radikale und schnelle Veränderungen», sagte Dormann weiter. Zusätzlich zum Stellenabbau will Dormann die Profitabilität mit einem verschlankten Management, weniger Geschäftsbereichen erhöhen.

Reduzierung der Schuldenlast

Nächstes Jahr werden die Division Öl, Gas und Petrochemie (3,4 Mrd. Dollar Umsatz und 12’000 Beschäftigte im Jahr 2001) und der Bereich Building Systems (2,5 Mrd. Dollar Umsatz) verkauft.

Dies soll zur weiteren Reduktion der Schulden beitragen. Die Gesamtverschuldung von 9,8 Mrd. Dollar soll bis 2005 auf vier Mrd. Dollar gesenkt werden.

Bis Ende November 2002 soll der Verkauf Structured Finance abgeschlossen sein, der diese Woche von der Brüsseler Wettbewerbsbehörde genehmigt worden war.

Im laufenden Geschäftsjahr wird eine Betriebsgewinn-Marge von 1,5 Prozent erwartet. Im nächsten Jahr soll sie auf 4 Prozent und bis 2005 auf 8 Prozent gesteigert werden. Von 2002 bis 2005 wird ein jährliches Umsatzwachstum von rund 4 Prozent angestrebt.

Massive Kritik der Gewerkschaften

Die Gewerkschaft SMUV hat den geplanten neuerlichen Abbau Tausender von Arbeitsplätzen massiv kritisiert. SMUV werde sich zusammen mit der Belegschaft und anderen international involvierten Gewerkschaften gegen die Entlassungen wehren.

Für krasse Managementfehler müssten einmal mehr vor allem die Beschäftigten ihre Köpfe hinhalten. Die ABB-Manager, die den Konzern in der jüngsten Vergangenheit durch persönliche Bereicherung und Fehlentscheide an den Abgrund geführt hätten, müssten auch juristisch zur Verantwortung gezogen werden, hiess es.

Der Angestelltenverband VSAM forderte, die Verantwortlichen sollten für ihre Fehler aus ihrem eigenen Vermögen bezahlen.

Kritisiert wurde vor allem auch die intransparente Form der Ankündigung des Stellenabbaus, welche die Unsicherheit nur verstärke. Die Konzernleitung müsse Umfang, Ort und Zeitraum des Stellenabbaus in der Schweiz kommunizieren und für die Betroffenen einen Sozialplan erstellen.

swissinfo und Agenturen

Geschäftszahlen
Verlust 3. Quartal 2002: 183 Mio. Dollar
Verlust Jan.-Sept. 2002: 82 Mio Dollar
Umsatz 3. Quartal 2002: 5,5 Mrd. Dollar
Umsatz Jan.-Sept. 2002: 16 Mrd. Dollar
Gesamt-Verschuldung: 9,8 Mrd. Dollar

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