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Angst vor Arbeitslosigkeit als Markt

Angesichts der steigenden Arbeitslosenzahlen wittern Versicherer einen neuen Markt. Erstmals wird eine private Arbeitslosenversicherung als Ergänzung zur staatlichen angeboten.

Gewerkschaften sehen darin eine Folge des Sozialabbaus.

Die vor wenigen Tagen veröffentlichten Arbeitslosenzahlen vom Januar zeigen erneut eine Zunahme der Erwerbslosigkeit. Die Quote beträgt 3,8 Prozent, für das Jahr 2003 wird mit einer durchschnittlichen Quote von 3,6 Prozent gerechnet.

Wer arbeitslos wird, muss mit weniger Geld auskommen: Die staatliche Arbeitslosenversicherung (ALV) sichert nicht das volle Einkommen. Das Risiko der Einkommens-Einbusse soll nun versichert werden können. Der Personenversicherer innova hat am Dienstag in Bern ein entsprechendes Produkt vorgestellt.

«Arbeitslosigkeit wird wieder zum Massenphänomen», schreibt innova in den Unterlagen. Betroffen seien zunehmend auch Beschäftigte im besten Alter und Familien. Sie könnten oft nicht auf Ersparnisse zurückgreifen oder kurzfristig ihre Lebenshaltungskosten anpassen.

Schulterzucken beim Bund

Die private Arbeitslosenversicherung ist als Ergänzung zu den staatlichen Leistungen gedacht, nicht als Konkurrenz. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) zeigt sich deshalb indifferent gegenüber dem neuen Produkt.

Es sei nicht auszuschliessen, dass von politischer Seite die Existenz privater Versicherungen als Argument für einen Abbau bei den staatlichen Leistungen vorgebracht würde, sagte Valentin Lagger von der Abteilung Arbeitsmarkt und Arbeitslosenversicherung beim seco auf Anfrage. Für wahrscheinlich hält er dies aber nicht.

Es handle sich bei der privaten Versicherung nur um ein Nischenprodukt. Ausserdem sei ungewiss, wie gross das Interesse daran sei. Ein Vorgängerprodukt für Ausgesteuerte sei nicht sehr erfolgreich gewesen.

Hohe Prämien

Gemessen an der Leistung seien die Prämien offenbar «relativ hoch», gab Lagger zu bedenken. innova selbst hält ausdrücklich fest, dass es sich nicht nur um eine Versicherung für Besserverdienende handle. Allen Einkommensklassen werde eine Lösung geboten.

Nach einem Beispiel von innova bezahlt eine Angestellte mit einem Jahreseinkommen von 70’000 Franken für eine 90-prozentige Deckung des Lohnes während 6 Monaten rund 600 Franken Prämien pro Jahr. Beziehen könnte sie maximal 7000 Franken als Ergänzung zur Arbeitslosenversicherung, die den Lohn zu 70 Prozent deckt.

Arbeitslosigkeit keine Privatsache

Susanne Blank vom Gewerkschaftsdachverband Travail.Suisse ist angesichts solcher Zahlen skeptisch. Sie befürchtet eine «Zweiklassenarbeitslosigkeit». Die Versicherung mache sich die Tatsache zunutze, dass von der Arbeitslosigkeit vermehrt auch Kaderleute betroffen seien.

Wer es sich leisten könne, versichere sich privat gegen das Risiko der Arbeitslosigkeit. Diese sei aber keine Privatsache, sagte Blank. Es gelte gegen die Tendenz anzukämpfen, gesellschaftliche Probleme zur Privatsache zu machen.

Schlussfolgerungen aus Sozialabbau

Für die Gewerkschaft comedia zieht innova mit dem neuen Produkt die «naheliegenden und voraussichtlich durchaus rentablen Schlussfolgerungen aus dem eingeleiteten Sozialabbau». Der Abbau öffne die Türe zur schrankenlosen Liberalisierung, schreibt comedia in einer Mitteilung.

Die Devise laute: «Wer mit den zusehends ausgedünnten Sozialleistungen nicht mehr zu Rande kommt, muss sich eben zusätzlich privat versichern.» Dies sei eine fatale Entwicklung.

swissinfo und Agenturen

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