Wie man Waldbrände in der Schweiz und Europa verhindert
In grossen Teilen der Schweiz ist die Waldbrandgefahr sehr hoch. Eine Expertin erklärt, warum die Brandsaison in Europa dieses Jahr früher als gewöhnlich begonnen hat und welche Massnahmen das Risiko verringern können.
Waldbrände verwüsten gegenwärtig grosse Teile des Planeten – von Kanada über Russland bis nach Südeuropa. In Spanien, Italien und Frankreich haben die Flammen Tausende Menschen zur Flucht aus ihren Häusern gezwungen, zahlreiche Todesopfer gefordert und grosse Wald- und Anbauflächen zerstört.
Hohe Temperaturen und anhaltende Trockenheit begünstigen die Entstehung und Ausbreitung der Brände, da sie die Vegetation austrocknen und leicht entflammbar machen.
«Die Brandherde, die sich in Europa und in verschiedenen Regionen der Welt entwickelt haben, sind auf eine besondere meteorologische Lage zurückzuführen, die seit Jahresbeginn zu beobachten ist», sagt Julia Miller, Waldbrandexpertin am Eidgenössischen Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos (SLF).
Ein stabiles Hochdrucksystem über Europa hat einen Grossteil der Niederschläge blockiert, die den Kontinent normalerweise erreichen würden. In Verbindung mit der extremen Hitze hat diese Situation die Dürrebedingungen verschärft.
«2026 ist sicherlich ein aussergewöhnliches Jahr», sagt Miller.
Die Schweiz ist trotz ihrer unzähligen Flüsse, Seen und Gletscher nicht immun gegen Dürre:
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Droht der Schweiz diesen Sommer eine schwere Dürre?
Während es im Januar und Februar in Spanien und Frankreich zu starken Niederschlägen kam, herrschten in den Alpen ausgeprägter Schneemangel und Trockenheit. «Im Mai kam es kurz nach Beginn der Vegetationsperiode zu einer starken Hitzewelle», so Miller.
Eine zweite Hitzewelle ereignete sich Mitte Juni. Der Juni 2026 war der wärmste Monat, der je in Westeuropa gemessen wurde, und der drittwärmste in der Schweiz seit Beginn der Messungen im Jahr 1864.
«Die Vegetation ist heute extrem trocken», stellt Miller fest. In zahlreichen europäischen Regionen sei eine Zunahme der Waldbrände zu beobachten.
«Die Waldbrandsaison hat früher begonnen.» Ihr Höhepunkt werde wahrscheinlich im August, dem wärmsten Monat, eintreten, aber auch September und Oktober könnten trocken sein und damit neue Brände begünstigen, so Miller.
«Europa brennt» – Beitrag der Tagesschau des Radio und Fernsehens der italienischsprachigen Schweiz RSI vom 23. Juli 2026:
Eine Fläche so gross wie Luxemburg in Flammen
Seit Jahresbeginn haben sich in den Ländern der Europäischen Union 1254 Brände ereignet. Das geht aus den bis zum 22. Juli aktualisierten Daten des Europäischen WaldbrandinformationssystemsExterner Link (EFFIS) hervor.
Die Gesamtzahl liegt unter jener des gleichen Zeitraums im Vorjahr (1329 Brände), ist aber mehr als doppelt so hoch wie der historische Durchschnitt (569 Brände).
Insgesamt sind 254’388 Hektar verbrannt, was in etwa der Fläche Luxemburgs entspricht. Im vergangenen Jahr, dem schlimmsten seit Beginn der Messungen, wurden 270’449 Hektar vernichtet.
Waldbrandgefahr in der Schweiz
In der Schweiz gab es bisher keine grossen Waldbrände. Das Land ist jedoch von einer schweren Dürre betroffen. In fast allen Kantonen besteht grosse bis sehr grosse WaldbrandgefahrExterner Link.
Alle Kantone haben Verordnungen erlassen, die das Entzünden von Feuer im Freien einschränken oder verbieten. Im Kanton Freiburg sind Grilladen auch an eigens dafür eingerichteten Plätzen verboten, während die Stadt Winterthur im Kanton Zürich jegliche Art von Feuer verboten hat, einschliesslich privater Holzkohlegrills. Auch die traditionellen Feuerwerke zum Schweizer Nationalfeiertag am 1. August stehen in Frage.
Die aktuelle Lage sei «besorgniserregend», so Expertin Miller. «Eine sehr hohe Gefahrenstufe bedeutet, dass sich Waldbrände im Fall einer Entstehung rasch ausbreiten können.»
Fachleute beurteilen die Waldbrandgefahr in der Schweiz mithilfe eines Informationssystems, das auf dem «Fire Weather Index»Externer Link basiert. Dieser wurde in Kanada entwickelt und an die Besonderheiten des Alpenraums angepasst.
Das System benötigt lediglich vier meteorologische Parameter zur Lagebeurteilung: Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Gesamtniederschlag und Windstärke.
118 Waldbrände pro Jahr in der Schweiz
Die meisten Waldbrände in der Schweiz ereignen sich im Frühling. Laut dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) werden 90 Prozent davon vom Menschen verursacht, meist durch Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit.
Eine achtlos weggeworfene Zigarettenkippe oder eine nicht vollständig gelöschte Lagerfeuerglut können bereits ausreichen, um einen Brand auszulösen. Im Sommer können auch Blitzeinschläge Brände verursachen.
Zwischen 2000 und 2023 gab es in der Schweiz im Durchschnitt 118 Waldbrände pro Jahr, wie aus der Datenbank der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) hervorgeht.
Die Brände betrafen im Durchschnitt 157 Hektar, was etwa 220 Fussballfeldern entspricht. Die meisten Brände ereignen sich auf kleinen Flächen. Katastrophale Grossbrände sind hingegen selten und betreffen vor allem den Süden der Alpen.
Zu den bedeutendsten Bränden der letzten Jahre zählen jene in der Region Gambarogno im Tessin im Jahr 2022 und in Bitsch im Wallis im Jahr 2023. Sie verursachten jeweils Kosten von mehreren Millionen Franken. Sie zerstörten jeweils 100 bzw. 200 Hektar Wald, Weiden und Wiesen.
Zum Vergleich: In der EU belaufen sich die Kosten dieser Ereignisse auf bis zu drei Milliarden EuroExterner Link (rund 2,8 Milliarden Franken) pro Jahr.
Bevölkerung für Waldbrandgefahr sensibilisieren
Das Bafu geht davon aus, dass die Zunahme von Trockenperioden und Hitzewellen die Waldbrandgefahr in der Schweiz nicht nur im Sommer, sondern auch im Winter und im frühen Frühling erhöhen wird.
In diesen Jahreszeiten hat die Vegetation ihre Entwicklung noch nicht vollständig wieder aufgenommen. Ohne Schnee erreichen die Sonnenstrahlen direkt den Waldboden und begünstigen das Austrocknen von Gräsern und Laub, das sich im Vorjahr angesammelt hat.
Die Gefahr verstärkt sich zusätzlich bei Föhn, einem warmen und trockenen Wind, der in vielen Alpentälern typisch ist und die Ausbreitung von Flammen beschleunigen kann.
«Die wirksamsten Präventionsmassnahmen bestehen darin, die Wahrscheinlichkeit von durch Menschen verursachten Zündquellen zu verringern und die Notfallvorsorge zu stärken», sagt Miller.
Dazu gehören die Sensibilisierung der Bevölkerung, die frühzeitige Erkennung von Bränden und ein rasches Ersteingreifen sowie eine Waldbewirtschaftung, die strukturell vielfältige und an den Klimawandel angepasste Wälder fördert.
Da die globale Erwärmung das Brandrisiko erhöht, liegt ein wichtiger Teil der Lösung weiterhin in den Händen der Menschen: Durch umsichtiges Verhalten kann verhindert werden, dass aus einem Funken eine Katastrophe entsteht.
Editiert von Balz Rigendinger, Übertragung aus dem Italienischen: Christian Raaflaub
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