Auch die Crédit Suisse prognostiziert schwierige Zeiten
Die Schweizer Banken sehen nach den Attentaten in den USA erst recht schwierige Zeiten auf die Schweizer Wirtschaft zukommen. Nach der UBS hat am Donnerstag auch die Credit Suisse Group (CSG) die Wachstums-Prognosen markant nach unten revidiert.
Für das Jahr 2002 geht die Credit Suisse Group von einem Wachstum des Brutto-Inlandprodukts (BIP) von 1,6 Prozent aus. Die Zuwachsraten in den Folgejahren dürften höher ausfallen. Für das laufende Jahr dürfte das BIP ebenfalls 1,6 Prozent betragen, nach 3 Prozent im vergangenen Jahr.
Die Attentate in den USA haben gemäss Credit Suisse Group die bereits zuvor herrschende Verunsicherung noch verstärkt. Die schweizerische Volkswirtschaft habe sich dem weltweiten Abschwung nicht entziehen können, sie habe ihn jedoch bisher gut bewältigt.
CSG-Chefökonom Alois Bischofberger stützt sich bei seinen Prognosen auf ein Szenario, bei dem die militärischen Gegenschläge der USA erfolgreich sind, ohne dass es zu einer Konflikt-Eskalation im Nahen und Mittleren Osten kommt.
Augenmerk auf die USA
Aufgrund ihrer Vorrangstellung sei die Entwicklung in den USA für den weiteren Gang der Wirtschaft entscheidend. Bischofberger rechnet für das laufende Jahr mit einem tieferen BIP-Wachstum in den USA, erst im zweiten Halbjahr 2002 werde eine spürbare Beschleunigung eintreten.
Japan werde der Weltwirtschaft keine Impulse vermitteln. Die kurzfristigen Perspektiven für Europa seien ungünstig, sagte Bischofberger. Die im nächsten Halbjahr von Amerika ausgehende Erholung werde sich zeitverzögert auf Europa auswirken.
In Europa sei für das zweite Halbjahr 2002 mit einer Erholung zu rechnen, die positiven Tendenzen werden sich 2003 fortsetzen.
Konsum als Stütze des Wachstums
Bischofberger rechnet nach der aktuellen pessimistischen Stimmung der Konsumenten mit einer Gegenreaktion. Die Zurückhaltung der Konsumenten werde nicht Jahre dauern.
Für die Schweizer Wirtschaft ist dies von Bedeutung, weil der private Konsum 60 Prozent zum BIP beiträgt. Im ersten Halbjahr habe der Konsum 51 Prozent zum Wirtschafts-Wachstum beigetragen. Die hohe Abhängigkeit vom privaten Konsum mache die Wirtschaft verwundbarer.
Die Zunahme beim privaten Konsum wird auf 2,0 Prozent im laufenden und auf 1,5 Prozent im nächsten Jahr veranschlagt.
Krankenkassen-Prämien bremsen Konsum
Die Arbeitseinkommens-Summe werde voraussichtlich um 2,5 Prozent bis 3 Prozent ansteigen. Die geringere Steuerbelastung von Haushalten und Unternehmen werde zum Teil durch die spürbare Erhöhung der Krankenkassen-Prämien wieder zunichte gemacht.
Der Kaufkraftentzug wegen den Prämienerhöhungen betrage zwischen 800 Mio. Franken und 1,4 Mrd. Franken, sagte CSG-Ökonom Marcus Hettinger.
2002 werde die Arbeitslosenquote von 1,8 in diesem Jahr auf 2,2 Prozent ansteigen. Die durchschnittliche Inflationsrate dürfte sich gemäss den CSG-Prognosen 2001 und 2002 bei rund 1,0 Prozent stabiliseren.
CSG optimistischer als UBS
Mit ihren Prognosen ist die Credit Suisse Group optimistischer als die UBS. Die UBS hatte am Mittwoch die Wachstums-Prognosen für das Jahr 2002 auf 1 Prozent gesenkt. Im laufenden Jahr erwartet sie wie die CSG ein BIP-Wachstum von 1,6 Prozent. Das Staatssekretariat für Wirtschaft erwartet für 2002 ein Wachstum von 2 Prozent.
swissinfo und Agenturen
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