Börsenjahr ohne Geschenke
Wenig Freude gab es für die Anleger im letzten Jahr: Der SMI sank von zeitweise über 6600 Punkten auf schliesslich knapp über 4700 Zähler.
Die kränkelnde Konjunktur und der mögliche Krieg im Irak geben den Analysten wenig Hoffnung für eine Kehrtwende im Jahr 2003.
Der grösste Kursturz im letzten Jahr erfolgte zwischen Anfang Juni und Ende August: Der Swiss Market Index (SMI) stürzte in diesen zwei Monaten von rund 6600 Zählern auf knapp über 4600 Punkte. Am letzten Handelstag dieses Jahres schloss er mit 4744 Punkten.
Damit sind die Aktienkurse des wichtigsten Schweizer Börsenbarometers drei Jahre hintereinander rückläufig. Im April 2000 notierte er noch bei über 8300 Punkten.
Entlassungen verunsichern
Davon kann heute niemand mehr träumen. Seit Anfang dieses Jahres gingen Tausende von Stellen in der Schweiz verloren, Ende November waren über 120’000 Personen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote liegt damit bei einem Jahres-Höchstwert von 3,3 Prozent.
Besonders die exportorientierte Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie litt unter dem wirtschaftlichen Krebsgang und dem starken Franken: Über 1000 Stellen wurden allein bei Von Roll und Tornos abgebaut, ABB kündigte im letzten Herbst Massenentlassungen von konzernweit über 10’000 Stellen an.
Mehrmals musste der erhoffte Aufschwung verschoben werden und die Konjunktur dürfte auch im nächsten Jahr schwach bleiben. Ob die Aussicht auf eine Erholung fürs Jahr 2004 den Finanzmärkten schon im kommenden Jahr Auftrieb verleihen wird, bleibt abzuwarten.
Irak-Krieg würde Wachstum schwächen
Ein weiterer lähmender Faktor ist die Möglichkeit eines Krieges im Mittleren Osten und dessen Auswirkungen auf den Ölpreis.
Laut dem Institut für Konjunktur-Forschung (KOF) der ETH hätte ein neuerlicher Waffengang am Golf auch Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft: «Besonders die Export-Industrie würde leiden», sagt Institutsleiter Bernd Schips.
«Das Wachstum würde um 0,3 Prozent tiefer ausfallen», prognostiziert er. Dies bei einem schon im besten Falle geringen Wachstum. Die Konsequenzen: Noch mehr Arbeitslose, weniger Einkommen und teurere Energiepreise.
Analysten geben sich vorsichtig
«Vorausgesetzt, Weltpolitik und Konjunktur spielen im kommenden Jahr mit, ist beim SMI ein Potenzial von 5800 bis 5900 Punkten vorhanden», schätzt Christian Elsener von LB (Swiss) Privatbank.
Alex Hinder von der Bank Leu geht für 2003 von grossen Schwankungen und einer weiteren Korrektur aus. Die Tiefstände des laufenden Jahres dürften aber nicht mehr erreicht werden, sagt er.
Vom Tief nachhaltig gezeichnet
Zurückhaltend gibt sich die Zürcher Kantonalbank (ZKB). «Die Post wird nicht so schnell wieder abgehen», sagt Claude Zehnder von der ZKB. Er rechnet lediglich mit einem moderaten Wachstum, und nennt ein Kursziel von 5300 Punkten.
Zehnder erwartet nicht, dass institutionelle oder private Investoren so rasch wieder auf Aktien setzen. Er meint: «Sie dürften noch von der Baisse gezeichnet sein.»
swissinfo und Agenturen
Der SMI sank im letzten Jahr von 6600 auf knapp über 4600 Punkte. Vor drei Jahren war er noch bei über 8300 Punkten gestanden.
Die Analysten haben wenig Hoffnung für eine Trendumkehr im kommenden Jahr – sie erwarten weitere Korrekturen.
Belastend wirkten insbesondere der Vertrauensverlust der Anleger und die hohe Arbeitlosigkeit, die im November einen Höchstwert von 3,3% erreichte – das sind über 120’000 Arbeitslose.
Ein möglicher Krieg im Irak drückt weiterhin auf die Börsenstimmung. Ein Waffengang hätte insbesondere negative Auswirkungen auf die Exportwirtschaft und würde das geringe prognostizierte Wachstum schmälern.
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