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Briefzentren bleiben – Briefe werden teurer?

Postchef Gygi: "Mit dem Etikett des eiskalten Arbeitsplatz-Killers muss ich leben." Keystone Archive

Post-Chef Ulrich Gygi sieht "gigantische Probleme" auf die Schweizer Post zukommen. Der Wettbewerbsdruck steige.

Bis heute hätten die Erträge der Briefpost das Defizit des Poststellenetzes auffangen können, sagte Gygi. Das sei nun nicht mehr möglich.

Niemand habe je geglaubt, die Swissair könne untergehen. Bei der Post sei es jetzt genau dasselbe, sagte Post-Chef Ulrich Gygi in einem Gespräch in der Samstag-Ausgabe der «Mittelland-Zeitung» .

Im Gegensatz zur Swissair habe sich die Post allerdings «strategisch nicht verrannt», deshalb werde sie nicht so schnell untergehen. Die Post werde allerdings in grosse Schwierigkeiten hineinlaufen, wenn sie die wirtschaftlichen Zwänge einfach ignoriere.

Geschäftskunden nicht verlieren

Der Markt zwinge die Post, die Kosten zu reduzieren, sagte Gygi. Wenn sie das nicht tue, dann werde sie vor allem die Geschäftskunden verlieren. Mit denen mache die Post rund 80 Prozent ihres Umsatzes.

Bei Ausland-Sendungen spüre die Post die Konkurrenz bereits. Die deutsche Post umwerbe die Schweizer Kunden mit ganzseitigen Inseraten.

Briefe bezahlen Poststellennetz

Zurzeit mache die Briefpost dank guter Leistungen und Monopolschutz noch 450 Mio. Franken Betriebsgewinn, sagt Gygi in der «Mitteland-Zeitung» weiter. Das habe bisher knapp gereicht, um das Defizit des Poststellennetzes auszugleichen. Ab dem kommenden Jahr werde das aber nicht mehr genügen.

Tariferhöhungen würden wegen des Wettbewerbes je länger desto schwieriger. Im Moment liege bei der Briefpost noch etwas drin, sagt Gygi und kündigt denn auch im Monopolbereich der Post eine Tariferhöhung bei der A- und B-Post an.

Stellen werden abgebaut

Im Oktober gab die Post bekannt, dass sie die heute 18 Briefzentren schliessen wolle, um nur noch drei Zentren weiter zu betreiben. Rund 200 Mio. Franken wollte man damit sparen. Bis 2008 wären aber auch 3500 Vollzeitstellen abgebaut worden.

Sofort drohten die Postangestellten in der ganzen Schweiz mit Streik. Der Schweizer Postminister Moritz Leuenberger schaltet sich ein. Daraufhin trat die Post den Rückzug an und zog ihre Drei-Zentren- und auch eine später Fünf-Zentren-Variante zurück. Man wolle mit den Gewerkschaften eine Lösung finden.

Im Gespräch mit der «Mittelland-Zeitung» sagte Post-Chef Gygi, es sei eine Lüge zu behaupten, die Post verzichte auf das Projekt, die Briefzentren abzubauen. Man habe einzig die Variante mit den drei und fünf Zentren zurückgezogen.

Illusionen dürfe man sich aber auch bei einer Variante – beispielsweise mit zusätzlichen Subzentren – nicht machen: «Es werden Stellen verloren gehen.»

swissinfo und Agenturen

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