Crossair-Machtkampf entschieden
Moritz Suter tritt zurück. Der neue Crossair-Verwaltungsrat wurde gewählt. Die Schweizer Presse kommentiert den Auszug der Crossair aus Basel.
In Basel erhielten die Klein- und Mittelaktionäre eine Lektion in Aktionärskapitalismus und Macht. An der ausserordentlichen Generalversammlung der Crossair bestimmte Herr Forstmoser als Vertreter der Grossbanken, wo die Macht lag: Sobald der Delegierte dieses Ausschusses seinen Arm hob, war die Entscheidung klar. Dank diesen Machtverhältnissen – aber unter Pfiffen – musste Crossair-Gründer und -Verwaltungsratspräsident Moritz Suter mit seiner Crew zurücktreten. Der Berner BUND:
«Der scheidende Crossair-Präsident Moritz Suter liebt den grossen Auftritt. Die Generalversammlung, direkt am Fernsehen übertragen, bot ihm nochmals Gelegenheit dazu.»
Die BERNER ZEITUNG findet etwas zynisch:
«Moritz Suter tritt ab – Gute Leute gewählt.»
Die BZ sieht in der ganzen Geschichte sowieso nur einen Hahnenkampf zwischen Moritz Suter und dem Chef des Steuerungsausschuss der neuen Schweizer Fluggesellschaft, Rainer E. Gut. Gemäss BZ sehe Suter im Nestlé-Präsidenten und ehemaligen starken Mann bei Credit Suisse einen Hauptverantwortlichen beim Swissair Crash. Die BZ weiter:
«Dieser unwürdige Hahnenkampf von zwei Super-Egos – das konnte nicht gut gehen. Zum Glück für die neue Airline, dass Moritz Suter, der ja seine Crossair-Aktien schon lange verkauft und kassiert hat, ganz zum Schluss doch noch die Kurve kriegte.»
Das töne doch schon wieder ganz nach der Zeit als die Swissair noch den Ton angegeben habe. Der Umstand, dass Suter mit etlichem Erfolg eine Fluggesellschaft gründete, leitete und diese nun als Startpiste für die neue Schweizer Gesellschaft herhalten kann, scheine für viele bereits wieder Peanuts zu sein. Genau diese Zerreissprobe um eine Person leiste sich ein Land, in dem knorrige und erfolgreiche Leute suspekt seien, gerne im Stil von Rainer E. Gut im Hintergrund agiert werde und Leute wie Forstmoser an die Front delegiert werden. Die NEUE LUZERNER ZEITUNG:
«Moritz Suter fühlte sich bei derart viel Zuspruch aus den Reihen der 2878 Aktionäre sichtlich wohl. Also ging er nicht einfach, sondern inszenierte seinen Abgang. Der Airline-Pionier hielt sich freilich ein Hintertürchen offen: Falls man seinen Rat brauche, stehe er jederzeit zur Verfügung.»
Doch die 2878 Aktionäre hatten keine Chance: obwohl sie fast alle Moritz Suter gerne behalten hätten. Herr Forstmoser war stärker und die welsche LE TEMPS schreibt:
«Trotz Tränen und Wut, Zürich, die Banken und die Swissair haben in Basel gewonnen. Der neue Verwaltungsrat, von Rainer E. Gut zusammengestellt, hat sich durchgesetzt.»
Und wie sieht es die BASLER ZEITUNG? Sie spricht vom Plan der Graumänner, und tatsächlich, irgendwie wähnte man sich in Michael Endes «Momo». Die BaZ:
«Objektiv kann niemand Moritz Suter etwas vorwerfen. Seine Nase passt dem grauesten aller Graumänner, Rainer E. Gut, einfach nicht und dagegen vermag niemand etwas. Gut – nun 68 – muss mit 70 sein lukratives Nestlé-Präsidium abgeben. Es würde uns nicht wundern, wenn sein Nachfolger dannzumal Kaspar Villiger hiesse.»
Damit spricht die BASLER ZEITUNG den Filz an, der wohl auch in der neuen Fluggesellschaft – die wenn immer es geht wohl wieder Swissair heissen wird – die wichtige Rolle spielen darf. Kaspar Villiger ist Schweizer Finanzminister und letztlich zuständig für die Bundesmilliarden, welche die Swissair vom totalen Konkurs retteten. Aber halten wir es mit der AARGAUER ZEITUNG:
«Nun lasst uns an der Zukunft bauen und uns der Sache zuwenden.»
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG sieht Startvorbereitungen bei windigem Wetter:
«Nach den emotionalen Höhenflügen des scheidenden Präsidenten tönten die nüchternen Ausführungen des Konzernchefs André Dosé wohltuend, aber auch etwas beunruhigend.»
Dosé budgetiert nämlich einen Verlust von über einer Milliarde Franken für 2002. Ein Allianz-Entscheid müsse bald fallen und der neue Name müsse her. Die andere Zürcher Zeitung, der TAGES ANZEIGER:
«Nur wenn endlich Ruhe einkehrt und alle Beteiligten zusammenarbeiten, kann die interkontinentale Fluggesellschaft abheben. Eine zweite Chance erhält die neue Crossair nicht.»
Urs Maurer
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