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Der Blockmanager

Lastwagen am Gotthard. Ein Fall für den Blockmanager. Keystone

Im Dreistundentakt dürfen die Lastwagen zur Zeit durch den Gotthard-Strassentunnel fahren. Das gibt Staus. Dieser Lasterstau wird neu "gemanagt".

«Der Blockmanager wird kein Mann sein, sondern eine Funktion», sagt Michael Gerken vom Bundesamt für Strassen. Eine typisch schweizerische Funktion – und als Konzept derart interessant, dass sie auch vom franko-italienischen Mont Blanc-Tunnelmanagement in Betracht gezogen wird.

«Zur Zeit erarbeiten die Kantonspolizei von Uri, Tessin und Graubünden ein Pflichtenheft. Und da wird sich wohl zeigen, dass mehrere Personen Blockmanager sein müssen», meint Gerken weiter. Denkbar sei auch, dass die Funktion jeden Monat von einer andern Kantonspolizei übernommen wird.

Der zeitlich gestaffelte Lastwagenverkehr am Gotthard muss so reibungslos wie möglich rollen. So kam es beispielweise vor, dass im Tessin die Ampeln auf grün standen, obwohl keine Laster mehr durchfuhren. Ein Blockmanager hätte in einem solchen Fall schon früher die Durchfahrt von Norden freigeben können.

«Warum stehen da so viele Laster auf der Autobahn rum?»

Das fragte mein deutscher Sitznachbar auf der Eisenbahnfahrt ins Tessin. Die Zugsstrecke führt für einige Zeit der Gotthardautobahn entlang. Bei Erstfeld fahren wir tatsächlich während Minuten an auf der Autobahn parkierten Lastern vorbei.

Dass die Laster dort stehen statt fahren, ist die Folge des Brandes im Gotthardtunnel vom 24. Oktober. Damals stiessen zwei Lastwagen zusammen und elf Personen kamen ums Leben. Seither gilt eine Einbahnreglung für die schweren Brummer.

Dennoch bleibt die Gotthardroute sehr attraktiv für den alpenquerenden Güterverkehr. Das Verkehrsaufkommen ist gross und wächst immer noch. Zumal – die bilateralen Abkommen Schweiz-EU lassen es zu – neu eine gewisse Anzahl von 40-Tönnern zugelassen sind.

Fahren nun die Lastwagen nur alle drei Stunden in einer Richtung durch den Strassentunnel, müssen sie vor dieser Zeit in Stauräumen warten. So bilden sich lange Wartekolonnen, an denen Eisenbahnreisende entlangfahren.

Um die Durchfahrtsvolumen zu optimieren, müssen die Lastwagenstaus auf der Nordseite in Uri und auf der Südseite im Tessin «verwaltet» werden. Das tut die jeweilige Kantonspolizei nun mit Hilfe des Blockmanagers.

«Der Blockmanager sitzt weniger im Büro, sondern ist oft vor Ort anzutreffen», sagt Gerken. Und auch die Meinung, da werde wieder eine zusätzliche und teure Verwaltungsstelle geschaffen, wird entkräftet. Wer die Funktion des Blockmanagers dann tatsächlich ausübt, der arbeitet bereits bei der Kantonspolizei. Es würden keine zusätzlichen Leute eingestellt.

Dauerzustand – auch am Mont Blanc?

Das Bundesamt für Strassen will die Regelung mit dem Einbahnverkehr für Laster am Gotthard-Strassentunnel dauerhaft einführen. «Wer das Unfallrisiko wirklich mindern will, der muss diese Lösung befürworten», sagt Michael Gerken. Das sei eine Frage, welche letztlich aber die Politik entscheiden werde.

Dann verweist Gerken auf eine italienisch-französische Delegation, welche die Schweizer Lösung am Gotthard studiert hat. Vor allem Frankreich will das Einbahnsystem auch bei den Strassentunnels am Mont Blanc und bei Fréjus einführen. Die Entscheidung dort werde demnächst fallen.

Urs Maurer

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