Devisenhändler seitwärts abgetaucht
Aus den Ferien nicht mehr zurückgekommen: Ein Zürcher Devisenhändler ist offenbar mit über 80 Mio. Franken verschwunden.
Auch in Deutschland, Österreich und Italien sollen rund 1700 Kunden betroffen sein.
Der vierzigjährige Hauptverdächtige, ein seit 1995 im Devisenhandel tätiger Anlageberater mit zwei Firmen, ist gemäss dem «Tages-Anzeiger» von seinen Ferien in Italien nicht mehr nach Zürich zurückgekehrt.
Nun hat die Zürcher Bezirksanwaltschaft auf Grund von Strafanzeigen von Kunden Ermittlungen eingeleitet. Der Devisenhändler, ein ehemaliger Automechaniker, ist offenbar mit über 80 Mio. Franken Anlagegeldern von der Bildfläche verschwunden.
Bereits Anfang Woche habe die Polizei eine Hausdurchsuchung in Zürich durchgeführt, sagte ein Rechtsanwalt, der mehrere hundert Kunden vertritt.
Auch Deutsche und Italiener geschädigt
Nun wird wegen möglicher Vermögensdelikte gegen den Mann ermittelt, wie die Bezirksanwaltschaft bestätigt. Nicht bestätigt wird die Schadenssumme zwischen 80 und 100 Mio. Franken. Gemäss «Tages-Anzeiger» sollen insgesamt rund 1700 Personen geschädigt worden sein.
Die Untersuchungen haben erst gerade begonnen. Bei der Kundschaft soll es sich nicht nur um Schweizer handeln, sondern auch um Deutsche, Italiener und Österreicher. Vermittlerfirmen hatten die Gelder bei Anlegern in den vier Ländern mit grossen Erfolg gesammelt.
Gute «History», zumindest renditemässig
Der Verdächtige habe die Anlagegelder bisher immer gut angelegt, Renditen erwirtschaftet, die weit über dem Marktdurchschnitt lagen und auch alle Verpflichtungen erfüllt. Die Jahresrenditen beliefen sich zwischen 21% und 58%. Nur im letzten Jahr fiel der Zuwachs auf 6,4% zurück.
Er und seine Familie sind nun weg, Mitarbeitende, Geschäftspartner und Kunden warten. Am 18. August war der allein zeichnungsberechtigte Verdächtige aus den Ferien zurückerwartet worden.
Er wickelte seine Devisengeschäfte über eine Wertschriften-Gesellschaft in London ab, die Konten für seine Anleger zur Verfügung stellte. Diese Konten sind in der Zwischenzeit aufgelöst worden, wie die Anleger erschreckt feststellen mussten.
Firmenverkauf vor Ferienbeginnn
Der Devisenhändler operierte in Zürich über zwei Firmen, die «PP Finanz Service» und die «World Financial Services». Nun wurden diese beiden Firmen, kurz bevor der Verdächtige in die Ferien reiste, am 18. Juli verkauft.
Der Käufer von «PP Finanz Service» legte dabei gemäss «Tages-Anzeiger» vor dem Notar den Pass eines Bankers in Lugano vor, der Generaldirektor einer Tochtergesellschaft eines italienischen Vermögensverwaltungs-Instituts ist. Dieser hatte seinen Reisepass Anfang Juni der Polizei als verloren gemeldet.
swissinfo und Agenturen
Mögliche Delikte im Fall des Verschwindens von Anlagegeldern: Urkundenfälschung, ungetreue Geschäftsbesorgung, Veruntreuung, Betrug.
Weil die Untersuchung erst am Anfang stehe, kann Bezirksanwalt Thomas Bosshard noch nicht sagen, wer als Täter in Frage komme.
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