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Die Schweizer Seilbahnen unter Druck

2800 Personen pro Stunde können mit dem Matterhorn Express transportiert werden. swissinfo.ch

Zwei Drittel der Schweizer Seilbahnen arbeiten defizitär.

Damit die Kantone rentable Lösungen finden können, haben die Bundesbehörden ein Moratorium verhängt und ihre finanzielle Hilfe für drei Monate eingefroren.

Eine stagnierende Wirtschaft, eine zurückhaltende Finanzierungspolitik des Bundes und chronischer Schneemangel sind die Gründe für die desolate Lage der Schweizer Seilbahnen.

Die Seilbahnbranche beschäftigt rund 11’000 Personen und nimmt eine bedeutende wirtschaftliche Rolle in der Schweizer Alpenregion ein. Ohne sie würden nur wenige alpine Hotels und Restaurants überleben.

Der Präsident des Verbands der Schweizer Seilbahnbranche, Louis Moux, forderte die Seilbahnen zur Kooperation auf, um ihre Marktschancen zu verbessern. Moix geht davon aus, dass die Seilbahnen dadurch ihre Rentabilität, den Cash-flow und den Eigenfinanzierungsgrad verbessern können.

Um auf dem hart umkämpften Tourismusmarkt konkurrenzfähig zu bleiben, müsse die Seilbahnbranche jährlich über 200 Mio. Franken investieren können. Jüngste Statistiken belegen allerdings, dass 85% der Seilbahn-Unternehmen klein sind und einen Jahresumsatz von weniger als 2 Mio. Franken erwirtschaften.

Bund verhängt Moratorium

Damit die Kantone rentable Lösungen finden können, haben die Bundesbehörden ein Moratorium verhängt und ihre finanzielle Hilfe für drei Monate eingefroren.

Bei dem vom Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) beschlossenen Moratorium geht es um Anleihen, welche im Rahmen des Bundesgesetzes über Investitionshilfe für Berggebiete (IHG) gewährt werden, namentlich jene für die Seilbahnen.

«In dieser Pause können wir die Situation der verschiedenen Seilbahnunternehmen überprüfen», führt Rita Baldegger, die Sprecherin des seco aus. Und fügt bei: «Das hilft uns auch, unsere Strategie der Investitionsförderung zu überdenken.»

Das Giesskannen-Prinzip

Im Klartext: Das seco will der «Politik des Giesskannen-Prinzips in einigen Kantonen» ein Ende setzen. Also der Praxis, Geld an Regionen zu verteilen, welche im Bereich Investitionen keine hohe Priorität haben.

Die Bundesbehörden verlangen deshalb von den Kantonen, die Situation ihrer Seilbahnen zu überprüfen und ihre Politik für die nächsten vier Jahre neu zu definieren.

«Dieser Prozess ist notwendig», so Rita Baldegger weiter. «Die Kantone müssen Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit und für Zusammenlegungen von Seilbahnbetrieben studieren.»

Das seco sieht in dieser Politik der Zusammenlegungen das einzige Mittel zur Lösung der Rentabilitätsprobleme und um dem Druck der internationalen Konkurrenz standzuhalten.

Hier werden Steuergelder ausgegeben



«Dieses Moratorium kommt für uns überraschend», meint der Präsident der Seilbahnbranche. Umso mehr, als man niemanden dazu befragt hat.»

«Es ist aber», räumt Moix ein, «eine notwendige Massnahme. Es stimmt, dass wir einige der nicht sehr rentablen kantonalen Politiken dazu überprüfen müssen». Moix ist sich des Problems sehr bewusst.

Diese «IHG-Anleihen» sind Steuergelder. Eine solche Hilfe an vollständig verschuldete Betriebe, die oft erst noch unter chronischem Schneemangel leiden, ist deshalb nicht gerechtfertigt.

Moix fügt aber bei: «Die kleinen, zur Zeit gesunden und gut geführten Betriebe könnten damit aber zu Unrecht bestraft werden. Vor allem jene, die etwas Unterstützung brauchen, um überleben zu können.»

Waadt geht mit gutem Beispiel voran

«Deshalb müssen sich die Kantone an die Arbeit machen», betont der Präsident der Seilbahnbranche. Bisher haben aber nur die Kantone Bern, Graubünden, Tessin, Waadt und Wallis die Ärmel hochgekrempelt.

«Am weitesten ist der Kanton Waadt. Er hat bereits zahlreiche Studien realisiert», so Moix. «Er hat sogar eine Politik eingeführt, die bereits Früchte trägt.»

Konkret geht es um die Zusammenarbeit der Seilbahnen, wo die Waadt den Stier bei den Hörnern gepackt hat.

Das Wallis dagegen ist schwer im Verzug. «Man hat uns für Frühling 2003 eine Studie versprochen», erklärt Moix.

Eine Ausnahme bildet Zermatt: Der weltberühmte Kurort hat mit der Fusion aller Seilbahnen zu einer grossen Gesellschaft einen Umsatz von 50 Mio. Franken erwirtschaftet.

29% der Schweizer Seilbahnen (56) liegen allein im Wallis liegen. Im Graubünden sind es 20%, in Bern und in der Waadt je 13%.

Die Mehrwertsteuer muss gesenkt werden

In Zukunft braucht es also mehr Druck zur Zusammenarbeit. «Das ist die einzige vernünftige Lösung», anerkennt Louis Moix. «Man kann nicht immer den Staat zu Hilfe rufen.»

Der Präsident des schweizerischen Seilbahnverbands geht sogar noch weiter. Er lanciert die Idee einer einzigen Seilbahnstruktur pro Skigebiet.

«Bei diesem Moratorium kann ich nur lachen», meint dagegen der Direktor von Télé-Morgins. «Ich sehe nicht ein, warum uns das seco vorschreiben muss, was wir zu tun haben. Umso mehr, als wir noch keinen einzigen IHG-Kredit verlangt haben.»

Jacques Nantermod hat übrigens nicht auf die Aufforderung der Bundesbehörden zum Handeln gewartet. «Wir arbeiten seit langem zusammen, namentlich mit Frankreich. Und wir schreiben schwarze Zahlen.»

«Der Bund», so der Direktor des grössten Skigebiets Europas an der schweizerisch-französischen Grenze, «würde besser daran tun, die Mehrwertsteuer für die Seilbahnen zu senken, wie das in Frankreich der Fall ist.»

swissinfo, Jean-Louis Thomas und Dale Bechtel

Die Schweiz hat 586 Seilbahnunternehmen
825 Mio. Franken Jahresumsatz 2001
Nur ein Drittel sind finanziell gesund

Zwei Dritteln der Seilbahnen fehlen die finanziellen Mittel zur Modernisierung der Infrastruktur.

Schneemangel, stagnierende Wirtschaft und eine zurückhaltende finanzielle Unterstützung des Bundes wirken sich negativ auf die Seilbahnen aus.

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